Hallenturnier mit Schrecksekunde

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Norbert Scheid

Schiedsrichter Michael Ehrenfort rettet bei "collartz+schwartz-Cup" in Quickborn St. Pauli-Spieler Kristof Kurczymski nach Atemstillstand

Eines vorweg: Für die Offiziellen des FC St. Pauli hatte der Turniersieg beim zweiten "collartz+schwartz-Cup" in Quickborn ein sorgenvolles Nachspiel. Hermann Klauck, der Obmann des U-23-Teams in den traditionellen braunen Trikots, und die beiden Physiotherapeuten machten nach der Siegerehrung einen Abstecher zum Albertinen-Krankenhaus. Dorthin war ihr Spieler Kristof Kurczymski direkt vom Hallenturnier eingeliefert worden - nach einem dramatischen Zusammenstoß im Finale gegen den Bramfelder SV. Der junge St.Pauli-Spieler hatte vier Minuten vor dem Ende bei einem Flugkopfball das Knie seines Gegners hart gegen den Kopf bekommen. Er war nicht nur bewusstlos, sondern atmete auch nicht mehr, weil seine Zunge in den Rachen gerutscht war. Seine Rettung kam durch Schiedsrichter Michael Ehrenfort von TuRa Harksheide, der im zwölften Semester Medizin studiert. Für dessen Einsatz bedankte sich auch Obmann Klauck - allerdings erst am Tag danach. Als das Finale fortgesetzt wurde, hatte er den Nothelfer mit der Pfeife noch lautstark kritisiert und einen Strafstoß gefordert. "Wegen einer Gehirnerschütterung musste der Kristof bis Montag im Krankenhaus bleiben", bestätigte Hermann Klauck nach dem Besuch im Krankenhaus.

Die schwere Verletzung überschattete das erfolgreiche Turnier

Die schwere Verletzung dämpfte natürlich die Stimmung beim Finale des Traditionsturniers des TuS Holstein Quickborn. Dabei hatten sich sowohl die Fußballer wie auch die Zuschauer in der neuen, tollen Lilli-Henoch-Halle von Beginn an wohl gefühlt. Lilli Henoch war übrigens eine jüdische Leichtathletin und Turnerin aus Berlin, die in den 20er- und 30er-Jahren vier Weltmeistertitel errang und damit dem Frauensport zu Ansehen verhalf.

Den Turniersieg und die 400-Euro-Prämie sicherte sich die zweite Mannschaft des FC St. Pauli erst beim Neunmeterschießen. Nach regulärer Spielzeit stand die Partie gegen Bramfeld 2:2. Im Kampf um Platz drei standen sich mit den beiden Qualifikanten die Überraschungsteams dieses Turniers gegenüber. Die Kreisligafußballer des 1. FC Quickborn hatten sich im vergangenen Jahr für das Hauptfeld qualifiziert. Die Bezirksliga-Mannschaft von TuRa Harksheide gewann am Sonnabend das Finale des Vorturniers mit 5:1 gegen Blau-Weiß 96 Schenefeld. Mit dem 3:0 über die Kleinen aus Quickborn wiederum wurde Harksheide am Ende Dritter beim "collatz+schwartz-Cup".

Es war Olaf Janssen vom Gastgeber TuS Holstein Quickborn, der mit einem Flachschuss aus zehn Metern gegen den Wedeler TSV das allererste von insgesamt 87 Toren in der neue Halle erzielte. Dennis Obertopp, mit 33 Jahren der Senior im Holstein- Team, sicherte Minuten später mit dem zweiten Treffer den 2:1-Auftaktsieg der Gastgeber gegen Wedel.

Wie viele Hallenturniere er in seiner Fußballer-Laufbahn bereits gespielt habe? Da musste der System-Operator und Vater von drei Kindern lange rechnen. "An die 50 werden wohl zusammen kommen. Aber mir macht es noch immer Spaß, vor allem auch, weil man dabei auch mal Zeit hat, mit alten Kollegen zu quatschen. Mit Hauke Brückner habe ich vor zehn Jahren bei St. Pauli gespielt, wohin Hauke ja zurückgekehrt ist. Wir hatten uns Jahre lang nicht gesehen."

Die Hallenturniere der Amateure sind allerdings mehr als Treffpunkt und Kontaktbörse für langjährige Fußballkameraden. Wegen der langen Winterpause sind Vereine mit Spitzenmannschaften auch auf die Einnahmen angewiesen. Deshalb wiederum wird die Konkurrenz der Veranstalter immer größer.

"Bei uns aber spielt der Turnierüberschuss keine so wichtige Rolle", sagt Quickborns Cheforganisator und Fußballobmann Torsten Hoffmann. "Wir bezahlen unseren Spielern ja keinen Pfennig, haben dadurch in der Winterpause auch keine laufenden Kosten. Mir geht es einzig darum, unseren Fans hier attraktiven Fußball zu bieten. Wie etwa das Spiel St. Pauli gegen Dynamo Dresden. Das bekommt man hier in Quickborn doch nicht alle Tage zu sehen."

Den Kontakt nach Dresden hatte übrigens TuS Holsteins Ligaspieler Björn Kossert geknüpft, weil er geschäftliche Beziehungen zu Steffen Heidrich unterhält, den Dresdener Routiniers mit rund 200 Bundesliga-Einsätzen. Heidrich selbst kickt noch in dieser vierten Mannschaft von Dynamo mit. "In der haben sich viele Spieler zusammen gefunden, die wieder nach Dresden heimgekehrt sind", erzählte der einstige Dynamo-Star, dessen Vertrag als Manager in Cottbus ausläuft. "Diese vierte, die hier in Quickborn spielt, das ist so etwas wie Dynamo-Nostalgie."

Wedels Trainer verbittert über die indiskutable Leistung seines Teams

In die harte Realität zurückgeholt wurde Trainer Frank Pagenkopf und sein Wedeler Team. Als seine Oberliga-Spieler auch mit 0:2 gegen die Kreisliga-Mannschaft des 1. FC Quickborn unterging, sagte er verbittert: "Völlig undiskutabel, unsere Leistung. Für so einen Auftritt fehlt mir jedes Verständnis."

Denn auch beim lockeren Spiel in der Halle zeigten sich wieder überdeutlich die Grundschwächen dieser Mannschaft: Sie bekommen den Ball nicht über die Torlinie und zu häufig scheint es, als wenn jeder im Wedeler Trikot ganz für sich alleine spielen wolle.

Ob sich diese Hallenturniere grundsätzlich für die Vorbereitung auf die Punktspielsaison eignen? "Die Männer bleiben wenigstens in Bewegung", sagte Torsten Hoffmann, der ja lange die Liga des Gastgebers TuS Holstein trainierte. Und er sagt weiter: "Kondition kann man sich dabei nicht erarbeiten. Aber Sie sehen doch, Fußball in der Halle macht einen riesigen Spaß, den Aktiven und dem Publikum."

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