Pinneberg. Der inzwischen etablierte Trendsport wird im Kreis Pinneberg fast überall angeboten. Wie Zumba auf Körper und Seele einwirkt.

Sport ist eine multiple Wirkungsbombe. Richtig bemessen stärkt er das Immunsystem, regt den Stoffwechsel an und fördert die Durchblutung. Der Mensch schläft besser und stärkt seine Resilienz gegen Virusattacken. Das gilt auch für Zumba, sagt Übungsleiterin Sandra Kretzing.

Trendsport Zumba: Mischung aus Partystimmung und Schwitzen bewirkt kleine Wunder

Aber Zumba liefere mehr, nämlich eine Stunde Psychotherapie en passant: „Sehr häufig werde ich gefragt, wie ich das mache, dass meine Teilnehmerinnen immer so fröhlich und ausgelassen sind, wenn sie das Programm absolviert haben.“ Es dürfte die spezielle Melange aus Partystimmung und schweißtreibenden Bewegungen sein, die so wundersam wirkt.

Zum Kreis derer, denen Kretzing beim VfL Pinneberg jeweils dienstagabends diese Dosis Happiness verabreicht, zählen etwa fünfzig Personen, von denen wiederum etwa die Hälfte zu den jeweiligen Sessions erscheint, in wechselnder Zusammensetzung, versteht sich.

Spaß an Bewegung ist die wichtigste Voraussetzung für Zumba

Zumba gilt als niedrigschwellige Spielart des Tanzens, denn außer einem gewissen Rhythmusgefühl und dem Spaß an Bewegung zur Musik wird praktisch nichts verlangt. Oder doch? „Die Menschen, die neu zu mir kommen“, ist Zumba-Lehrerin Kretzing (56) aufgefallen, „haben oft zu wenig Geduld mit sich selbst und geben nach ein, zwei Versuchen wieder auf.“ Es brauche freilich schon ein wenig Übung, ehe man die Grundschritte und Choreografien internalisiert.

Auf eine Salsa, Reggaeton oder Cumbia zu tanzen, lernt man hierzulande eben nicht wie in Argentinien schon als Kind. Aber ist der Groschen erstmal gefallen, läuft’s danach völlig easy. Mehr noch: „Ich glaube, es macht die Teilnehmerinnen stolz und glücklich, wenn sie die Performance beherrschen“, meint die studierte Sozialpädagogin Kretzing. Von Zumba-Aktivistinnen hört sie immer wieder, dass die physischen Anstrengungen vom Spaß, von Hochgefühlen und der Musik überdeckt werden.

Zumba ist so etabliert, dass es sich kaum ein Verein leisten kann, es nicht anzubieten

Obwohl es das Angebot schon seit mehr als zehn Jahren gibt, zählt Zumba noch nicht zu den deutschen Grundsportarten. Die heiße Phase, in der sich ein regelrechter Zumba-Hype ausbreitete, ist sogar am Abklingen. Zumba könnte man heute als etablierten Trend bezeichnen. Noch immer werden Kurse quasi an jeder Straßenecke angeboten. Kaum ein Verein, kaum ein Fitness-Studio, in denen nicht nach feurigen Rhythmen getanzt wird.

Springen, schwitzen und den Rhythmus spüren, das macht diesen Tanz-Workout wesentlich aus. Die Synthese aus Tanz- und Intervalltraining soll nicht nur Spaß bringen, sondern auch der Figur zugutekommen. Stress und überflüssige Pfunde würden einfach weggetanzt, so die Botschaft der Veranstalter.

Für Zumba ist keine besondere Ausrüstung nötig

Was den Einstieg erleichtert: Grundsätzlich ist keine spezielle, womöglich kostspielige Ausrüstung vonnöten. Geeignetes Schuhwerk mit geteilter Sohle und Drehpunkt kann hilfreich sein, dazu atmungsaktive, bequeme Sportklamotten.

Wie stark das Angebot nachgefragt wird, hängt nicht zuletzt vom Charisma der Vorturnerin ab. Sandra Kretzing – seit 2012 selbständige Fitnesstrainerin – macht vom erst Musikakkord an ordentlich Alarm, tanzt und hüpft, wirft Arme und Beine in die Luft, feuert ihre Schützlinge an und sorgt für krachende Partystimmung im spiegel verglasten Raum.

Zu Zeiten der Corona-Pandemie hatte sie sich zu Hause ein provisorisches Online-Studio zusammengezimmert, um ihre Kommandos per Internet zu geben. Nach einer Phase des Zauderns turnten immer mehr vor ihren heimischen Bildschirmen und so blieb zumindest ein Teil die Truppe digital beieinander, was den späteren Neustart vereinfachte.

Zumba hilft auch dabei, die eigenen Grenzen auszutesten

Auch ihre Lieblingsschülerin war immer mit von der Partie. Marion Bastubbe ist um 2011 herum erstmals mit Zumba in Berührung gekommen. „Am Anfang war ich sehr gehemmt“, erinnert sich die 50-Jährige, „ich mochte bei meinen Bewegungen nicht beobachtet werden.“

Zumba bewegt nicht nur die Menschen, einige gehen sogar aus sich heraus: Marion Bastubbe (l., 50) kam vor rund zwölf Jahren als Zumba-Anfängerin zu Sandra Kretzing (56), war anfangs schüchtern. Mittlerweile leitet Bastubbe selbst Kurse an.
Zumba bewegt nicht nur die Menschen, einige gehen sogar aus sich heraus: Marion Bastubbe (l., 50) kam vor rund zwölf Jahren als Zumba-Anfängerin zu Sandra Kretzing (56), war anfangs schüchtern. Mittlerweile leitet Bastubbe selbst Kurse an. © Werner Langmaack | Werner Langmaack

Deshalb verkroch sie sich stets in der allerletzten Reihe, „am liebsten hätte Marion wohl hinter einer Wand oder einem Vorhang getanzt“, vermutet Sandra Kretzing und begann sich für die stets in schwarz gekleidete Teilnehmerin zu interessieren: „Man sah ihr nicht im Geringsten an, dass sie Spaß am Zumba hatte, aber sie kam jedes Mal wieder.“

Mit der Zeit brach das Eis und die vormals so scheue Marion rückte Reihe für Reihe nach vorn. Bis die Vorturnerin sie fragte, ob sie nicht Lust hätte, selbst Zumba-Unterricht zu geben. Sie hatte und machte bald darauf an einem Wochenende ihre Trainerlizenz. Jetzt stachelt sie viermal pro Woche Gruppen zu tänzerischen Verrenkungen an und schwärmt: „Mir hat Zumba unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben.“

„Chrissy“ Barysch rät: „Nur nicht zu früh aufstecken.“

So wie sie hat auch „Chrissi“ Barysch (46) bei Kretzing, die sie liebevoll als „Zumba-Mama“ des Kreises Pinneberg bezeichnet, gelernt und gibt jetzt Kurse beim benachbarten Rellinger TV. Auch sie warnt davor, zu früh aufzustecken: „Am Anfang haben viele das Gefühl, bei den Schritten und Figuren nicht mitzukommen, hinterher zu hoppeln. Aber das gibt sich schnell.“

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Rund die Hälfte der Bevölkerung allerdings erzielt diesbezüglich überhaupt keine Fortschritte, an ihr geht der Trend komplett vorbei: Das männliche Geschlecht glänzt bei Zumbakursen durch Abwesenheit. Tanzen sei Männern fremd, sie empfänden es, so lautet ein Erklärungsversuch, als komisch, als weichlich, sich nach Musik zu bewegen. Manche schämten sich sogar.

Auch zwischenmenschlich kann es beim Zumba schon mal funken

Andersherum wäre es klüger, meint Sandra Kretzing: „Gerade Singlemännern kann ich Zumba nur wärmstens empfehlen. Wo sonst können sie mit so vielen Frauen in Kontakt kommen, und zwar völlig konkurrenzlos?“ Mit anderen Worten: Selbst als Partnerschaftsbörse eignet sich Zumba vorzüglich.