Kreis Pinneberg

Übergriffe auf Kinder in Vereinen: „Wir müssen wachsam sein“

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Janina Broscheit (v.l.), Ivonne Biesenthal, Gerlinde Langloh, Ingo Waschkau, Nina Proske, Christa Nordwald, Wiebke Bruns, Jens Natter und Karsten Tiedemann präsentierten den neuen Comic.

Janina Broscheit (v.l.), Ivonne Biesenthal, Gerlinde Langloh, Ingo Waschkau, Nina Proske, Christa Nordwald, Wiebke Bruns, Jens Natter und Karsten Tiedemann präsentierten den neuen Comic.

Foto: Burkhard Fuchs

Jeder Vierte hat bereits sexualisierte Gewalt erfahren. Neue Allianz will mit Comic für mehr Jugendschutz sensibilisieren.

Kreis Pinneberg.  Mit einer neuen Kampagne wollen sich Institutionen und Verbände, die fast die gesamte Bevölkerung im Kreis Pinneberg abdecken, für den Kinderschutz stark machen. So hat das Kreis-Jugendamt jetzt mit dem Kreissportverband, dem Kreisjugendring, der Jugendfeuerwehr und den Kirchengemeinden einen Comic aufgelegt, der mit ausdrucksstarken Bildern und einfacher Sprache Kinder und Jugendliche auffordert, stark zu sein und „Stopp“ zu sagen, wenn ihnen in der Schule, Freizeit oder beim Sport übergriffiges Verhalten widerfährt.

Sexualisierte Gewalt: Comic soll für Thema sensibilisieren

„Wir wollen damit die Kinder über ihre Rechte aufklären“, erklärt die neue Kinderschutz-Beauftragte Nina Proske aus der Kreisverwaltung. Zugleich sollten die Jugendbetreuer, Übungsleiter und Lehrkräfte in die Pflicht genommen werden, alles für den Kinderschutz zu tun, Betroffenen zuzuhören und ihnen Hilfe zu geben. Es gehe für Vereine und Organisationen, die mit Kindern zu tun haben, um Prävention und darum, einen Leitfaden zu entwickeln, was tun ist, wenn etwas passiert.

Der Comic ist angelehnt an eine ähnliche Aktion des VfL Pinneberg, mit dem der Verein erfolgreich beim Wettbewerb „Stern des Sports“ war. Nun hat der Karikaturist Jens Natter, der selbst Schulsozialarbeiter war, in bunten Comicstrips verschiedene Situationen pointiert dargestellt, die grenzwertig und unangenehm für Kinder sind.

Wenn auf der Jugendfreizeit der Betreuer mit ins Zelt will, der Feuerwehrmann das Kind gewaltsam am Arm packt, der Lehrer die Schülerin beim Turnen an die Brust fasst oder unerwartet in die Umkleide kommt. Auch das unangebrachte Tätscheln eines Chorleiters wird thematisiert wie das wilde, aggressive Schreien mancher Eltern beim Kinderfußball an der Außenlinie. Der Kinderschutz müsse in allen Bereichen des Alltags gesichert sein, die Erwachsenen aufmerksam und sensibel dafür sein, so die Organisationen.

Sexualisierte Gewalt trifft mehr Mädchen als Jungen

„Wir müssen alle zusammen wachsam sein“, sagt Ingo Waschkau vom Kreisjugendring. Der Comic spreche alle Gruppen an und löse im Idealfall eine Welle aus, die es Tätern schwerer mache, unerkannt zu bleiben und davon zu kommen. Karsten Tiedemann vom Kreissportverband fordert sogar, verurteilte Straftäter, die Kinder missbraucht oder ihnen physische oder psychische Gewalt angetan haben, in einer Datenbank zu speichern. „Dann hätten die Vereine eine schwarze Liste von Trainern, die sie nicht mehr engagieren sollten.“ Motto: „Bei uns kommst du nicht mehr rein.“

Wie weit verbreitet die Problematik im Breitensport ist, beweist eine aktuelle Studie des Deutschen Sportbundes. Danach haben zwei Drittel von 4300 Befragten aus 300 Sportverbänden psychische Gewalt durch Erniedrigung, Bedrohung oder Beschimpfung erlebt, so Christa Nordwald vom Kreissportverband. Jeder vierte Befragte hat sexualisierte Gewalt ohne und jede fünfte mit Körperkontakt erleiden müssen.

Wobei mehr Mädchen und junge Frauen als Jungen betroffen seien. Unter 30-Jährige erfahren deutlich häufiger Gewalt. „Wir haben endlich Zahlen. Niemand kann mehr sagen, dass es Einzelfälle sind“, sagt Nordwald. Der Comic ist in einer Auflage von 10.000 Stück erschienen und wird in Vereinen verteilt.

( bf )

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