Kreis Pinneberg

Neuer Quickborner Bürgermeister schwört den Amtseid

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Burkhard Fuchs
Nach der Vereidigung des neuen Bürgermeisters Thomas Beckmann (r.) gehörte Wahlverlierer Tim Stoberock (SPD) zu den ersten Gratulanten. Die Vereidigung in Abwesenheit des noch amtierenden Bürgermeisters Thomas Köppl (CDU) übernahm der Erste Stadtrat Bernd Weiher.

Nach der Vereidigung des neuen Bürgermeisters Thomas Beckmann (r.) gehörte Wahlverlierer Tim Stoberock (SPD) zu den ersten Gratulanten. Die Vereidigung in Abwesenheit des noch amtierenden Bürgermeisters Thomas Köppl (CDU) übernahm der Erste Stadtrat Bernd Weiher.

Foto: Burkhard Fuchs

Nach fast 50 Jahren CDU-Regentschaft übernimmt nun der Liberale Thomas Beckmann die Ägide im Quickborner Rathaus.

Quickborn.  Die politische Zeitenwende in der Stadt Quickborn hat ihre nächste Stufe erreicht. Vier Monate nach seiner überraschenden Wahl zum Bürgermeister und genau fünf Wochen vor seinem Dienstantritt ist Thomas Beckmann (61) vor der Ratsversammlung und etwa 50 Besuchern für sein neues Amt vereidigt worden. Der Noch-FDP-Vorsitzende löst damit eine jahrzehntelange unionsdominierte Bürgermeister-Ära ab, die mit Gert Willner, Günter Thonfeld und Thomas Köppl seit 1974 ausschließlich CDU-Männer in Quickborn auf den Chefposten im Rathaus hievte.

Quickborn: Neuer Bürgermeister wurde fürs Amt vereidigt

Der bald neue Verwaltungschef der etwa 22.500 Einwohner zählenden, viertgrößten Stadt im Kreis Pinneberg musste sich am Montagabend zunächst einer recht umständlichen Prozedur unterziehen. Erst entließ ihn Erster Stadtrat Bernd Weiher, der erneut Bürgermeister Thomas Köppl vertrat, seines Amtes als dritter stellvertretender Bürgermeister, um ihm direkt danach die Ernennungsurkunde zum hauptamtlichen Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre mit Wirkung zum 1. November zu überreichen.

Anschließend vereidigte Bürgervorsteher Henning Meyn den Noch-Ratspolitiker Beckmann für sein neues Amt. Dass ausgerechnet die beiden höchstgestellten CDU-Ratspolitiker diese Formalien zu erledigen hatten, dürfte der Quickborner Chefliberale genossen haben.

Einer der ersten Gratulanten war neben den Fraktions- und Parteichefs von CDU, SPD und Grünen der erste Wahlverlierer der Bürgermeisterwahl, Tim Stoberock. Der 45 Jahre alte SPD-Kandidat war Anfang Mai im ersten Wahlgang mit knapp 2800 Stimmen und rund 26 Prozent ausgeschieden. Die Stichwahl hatte Beckmann dann Ende Mai mit 884 Stimmen Vorsprung vor Amtsinhaber Köppl mit 55,6 Prozent zu 44,4 Prozent gewonnen.

Neuer Bürgermeister verspricht offenen, respektvollen Dialog

Stoberock brachte sogar Geschenke mit. „Ich habe ihm Kaffee als Muntermacher, Schokolade als Nervennahrung und einen badischen Rotwein zur Entspannung überreicht“, sagte Stoberock, der weiterhin der Hamburger Bürgerschaft angehört. „Ich wünsche Thomas Beckmann als Bürgermeister eine glückliche Hand“, sagte er im Abendblatt-Gespräch. Der Wahlkampf sei aus seiner Sicht „fair und konstruktiv“ verlaufen und habe ihm Freunde fürs Leben beschert, sagte Stoberock, der seine Verbindung nach Quickborn nicht abreißen ließ. Zuletzt besuchte er das Eulenfest und das Himmelmoor, in der Stadt sei er sogar mit seinen Kindern Laterne gelaufen.

Fast hätte Bürgervorsteher Meyn die Ratssitzung schon beenden wollen, doch da meldete sich der frisch vereidigte künftige Bürgermeister Beckmann doch noch zu Wort. Er hielt eine achtminütige Grundsatzrede, deren Kernaussagen der Diplombiologe mehrfach wiederholte: „Ich lade alle Bürgerinnen und Bürger dazu ein, Teil meines Teams zu werden“, betonte Beckmann. „Grundlage der Zusammenarbeit werden dabei ein offener Dialog, gegenseitiger Respekt und persönliche Wertschätzung sein“, verspricht der künftige Verwaltungschef.

Der neue Bürgermeister habe eine Agenda – und einen Plan B

Ein „Weiter wie bisher“ könne es aber nicht geben, warnte Beckmann die Zuhörerschaft. „Wir stehen vor einer Zäsur für unsere Stadt.“ Die meisten Bürgerinnen und Bürger scheinen das bereits geahnt zu haben, indem sie mit ihm den Wechsel gewählt haben. „Sie haben ein klares Gespür dafür“, ist Beckmann überzeugt. Denn die Schuldenmisere, die Kämmerin Sabine Dornis mit dem zu erwartenden Haushaltsdefizit von 8,7 Millionen Euro in 2023 bei einer derzeitigen Schuldenlast von 80 Millionen Euro in ihrem Haushaltsplan „schonungslos analysiert“ habe, werde dazu führen müssen, dass Quickborn seine Ausgaben einschränke und zusätzliche Einnahmequellen ausschöpfe (das Abendblatt berichtete).

Dabei denkt der Liberale offenbar nicht in erster Linie an Steuererhöhungen. „Die Ansiedlung gewerbesteuerstarker Wirtschaft wird bei mir oberste Priorität haben, damit wir uns das leisten können, was wir uns leisten wollen.“ Und da werde es einiges zu tun und für die Ratsversammlung zu entscheiden geben, kündigte der baldige Bürgermeister an.

Quickborn muss Millionen Euro in Schulsanierungen investieren

Die Schulen müssten mit Millionensummen weiter modernisiert werden. Die Erneuerung der maroden Straßen soll nach einer ersten Schätzung 150 Millionen Euro kosten. Der Katastrophenschutz werde zu sichern und auszubauen sein. Der Klimawandel müsse auf lokaler Ebene eingeleitet werden. „Wir haben enormen Handlungsbedarf“, sagte Beckmann. „Nur gemeinsam werden wir das meistern oder rocken, wie man Neudeutsch sagt.“

Er selbst habe eine Agenda. „Da steht viel drauf“, sagte Beckmann. Es gebe aber immer einen Plan B für Beckmann – „der ist Programm“, versprach der neue Verwaltungschef und kündigte an: „Gehen Sie mal davon aus, dass Sie mich nach sechs Jahren noch nicht los sind.“

Zudem reichte der Noch-FDP-Chef der CDU mit zwei bemerkenswerten Gesten die Hand. So lobte er das Projekt „Q wie Quickborn“, das deren Vizefraktionschef Robert Hüneburg initiiert hatte und die Stadt ins nationale Buchstabier-Alphabet brachte, als „tolles Symbol“. Und er stimmte als einziger seiner Fraktion für die Nominierung seines Amtsvorgängers in den Aufsichtsrat der Stadtwerke, aus dem Köppl sonst ausgeschieden wäre.

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