Kultur

Fotografien für die Freundschaft in der Pinneberger City

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Katja Engler
Arvid Kay Nielsen hat zwei blonde Liegende so originell arrangiert, dass sie den Damen auf Spielkarten ähneln.

Arvid Kay Nielsen hat zwei blonde Liegende so originell arrangiert, dass sie den Damen auf Spielkarten ähneln.

Foto: Arvid Kaj Nielsen

Mal witzig, mal ästhetisch: 80 deutsch-dänische Aufnahmen hängen nun bis zum 20. Oktober in der Pinneberger Sparkasse.

Pinneberg.  Schon zum 56. Mal haben sich die Mitglieder deutscher und dänischer, fast schon verbrüderter Fotokreise getroffen und von drei Profi-Fotografen ihre 80 besten Bilder auswählen lassen. Zu sehen sind sie bis zum 20. Oktober im Foyer der Pinneberger Hauptfiliale der Sparkasse Südholstein, und einmal mehr zeigt sich eine große Bandbreite an schöpferischem Zugriff auf die Wirklichkeit.

Pinneberg: Fotografien aus Deutschland und Dänemark

Das Wunderbare ist dabei ein offener und ehrlicher Austausch untereinander sowie ein großes Interesse am Metier. „Wir versuchen immer, regionale Kunst und Kultur zu unterstützen. Wir machen das supergern“, sagt Filialleiter Andy Schmidt. „Die Ausstellung passt gut hierher, ein kleiner Lichtblick in dieser Zeit.“

Viele Amateurfotografen beherrschen erweitertes Sehen, sie besitzen Sinn für Spontaneität und Witz und können, wenn es nötig ist, auch lange an einem Punkt ausharren und auf das richtige Licht und eine bestimmte Atmosphäre warten. Dabei zeigt sich: Licht kann auch in fast abwesendem Stadium als Licht wahrgenommen werden.

Borge Knudsen Lund fotografierte an einem grauen, trüben Tag eine Wasserfläche, und die Horizontlinie verschmilzt mit dem beinahe lichtlosen Himmel. Einzig eine rote Boje gibt der Aufnahme einen aufmüpfigen Akzent. Henning Andersen vom Alssund Fotoklub hat eine magische Stimmung festgehalten, die er nach den fort fliegenden Staren „Sort sol“ nannte: Die Sonne tönt in der Dämmerstunde den Himmel in Orange, Rot und dunkle Zwischentöne, und die Silhouetten der Menschen heben sich gegen den Himmel ab. Im Studio ist Stefan Stuhrs Schattenriss „Pusteblume“ entstanden, wo nur noch eine sehr schmale Lichtlinie ein Gesicht und die verblühte Blume aus der Dunkelheit heraushebt.

Ausstellung zeigt künstlerisches und witziges in Pinneberg

Nicht alles ist hier bemerkenswert, aber vieles. Eine witzige Momentaufnahme gelang Jens Peder Lokke mit seinem „Hydrantenschutz“ in Form eines rosafarbenen Büstenhalters. Direkt daneben hängen Manuela Falkes „Schattenspiele“. Sie sind ein sehr gelungenes Beispiel von Minimalismus und neuem Sehen: Drei leere Fahrradbügel, fotografiert von oben und durch den Einfall schrägen Sonnenlichts in ein grafisches Linienspiel verwandelt.

Auch bei Dieter Schmidt-Sommerfeld verschwindet die Dreidimensionalität des fotografierten Objekts (in diesem Fall eine moderne, gläserne Hausfassade) hinter einer geometrischen Anordnung aus farbigen, grün-blauen Flächen, die alle mehr oder weniger auf ein Dreieck hinauslaufen und als Ganzes ein Viereck bilden. Ein weiteres optisches Verwirrspiel hat Borge Knudsen Lund mit seiner Aufnahme „DB“ getrieben.

Sehr puristisch geht Hans Krohn zu Werke, indem er grafisch in Schwarz-Weiß drei sturmgepeitschte Bäume fotografiert, die von einer Senke umfangen werden. Ein ganz und gar zeitloses Bild, das als Motiv bis in die Renaissance zurückreicht. Krohn ist 92 Jahre alt und hat das deutsch-dänische Fototreffen gemeinsam mit einem dänischen Amateurfotografen vor mehr als fünf Jahrzehnten aus der Taufe gehoben.

Pinneberg: Ausstellung läuft noch bis zum 20. Oktober

Auch Jan Romanowski scheint sich der Bild-Traditionen bewusst zu sein und sie aufzugreifen. Er fotografierte in Schwarz-Weiß eine historische Küche und hat die Valeurs so gekonnt herausgearbeitet, wie die Piktorialisten rund 120 Jahre vor ihm. Das Licht, das seitlich durch hölzerne Sprossenfenster fällt, verteilt sich weich und wie auf einem Gemälde im Raum… Und einem Gemälde, wenngleich abstrakt und in gedeckten Farben, gleicht auch die Aufnahme „Farbrausch 1“ von Barbara Regling.

Frauen überraschend zu fotografieren, ist beileibe kein leichtes Unterfangen. Arvid Kay Nielsen hatte die originelle Idee, zwei blonde Liegende so zu arrangieren, dass sie den sich spiegelnden Damen auf den Spielkarten ähneln, selbst wenn sie sich dabei ansehen.

Fotoausstellung bis 20. Oktober Sparkasse Südholstein, Friedrich-Ebert-Straße 33. Geöffnet Mo/Do 9.00-12.00 und 14.00-18.00, Di/Fr 9.00-12.00 und 14.00-16.00. Mi 9.00-12.00. Eintritt frei

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