Müllabfuhr

Zoff um 77.000 gelbe Tonnen im Kreis Pinneberg

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Burkhard Fuchs
Erst vor zwei Jahren im Kreis Pinneberg eingeführt, jetzt Zankapfel: die Gelbe Tonne. Möglicherweise müssen bald alle nahezu neuen Behälter eingesammelt und durch andere ersetzt werden.

Erst vor zwei Jahren im Kreis Pinneberg eingeführt, jetzt Zankapfel: die Gelbe Tonne. Möglicherweise müssen bald alle nahezu neuen Behälter eingesammelt und durch andere ersetzt werden.

Foto: GaB / GAB

Ein neues Unternehmen übernimmt die Abfuhr. Doch die Behälter gehören dem alten Entsorger. Bürgern droht eine große Umtauschaktion.

Kreis Pinneberg.  Jahrzehntelang mussten die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Pinneberg ihren Verpackungsmüll in gelben Säcken sammeln und entsorgen lassen. Erst vor zwei Jahren wurde dafür kreisweit die gelbe Tonne eingeführt. Und nun werden demnächst vor den Türen und Vorgärten von knapp 80.000 Haushalten für eine gewisse Zeit gleich zwei dieser Behältnisse stehen.

Der Grund: Der neue Entsorger, die RMG Rohstoffmanagement GmbH aus Eltville bei Wiesbaden am Rhein, der diese Aufgabe vom Dualen System Deutschland (DSD) jetzt für die Jahre 2023 bis 2025 übertragen bekam, konnte sich nicht mit dem bisherigen Entsorger einigen, dessen fast neue Müllbehälter zu übernehmen. Die gehören der Gesellschaft für Abfallbehandlung (GAB-Umweltservice) mit Sitz in Kummerfeld, an der zu 51 Prozent der Kreis beteiligt ist. Seit gut 30 Jahren waren die GAB mit der Entsorgung der Leichtverpackungen betraut.

Gelbe Tonne: Angebote zur Übernahme wurden abgelehnt

Warum eine solche Einigung nicht zustande gekommen ist, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen von den beiden Wettbewerbern. GAB-Sprecher Julian Jenkel sagt, die RMG habe die GAB dafür als Subunternehmen gewinnen wollen. Soll heißen: Die GAB hätte die Abfuhr der gelben Tonnen wie bisher erledigen sollen, aber zu einem viel geringeren Preis als zuvor. Er hätte wohl unter dem Preisangebot der GAB und der RMG für diese Dienstleistung beim DSD gelegen.

„Das haben wir aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt.“ Die 77.000 gelben Tonnen, um die es hier geht, „sind unser Eigentum“, so Jenkel. Der neue Entsorger habe sie quasi gratis haben wollen. „Wir haben ein nicht konkretisiertes Kaufangebot der Behälter von der Firma RMG erhalten. Dieses haben wir aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt. Ferner gab es ein Angebot, die Tonnen für eine Übergangsfrist unentgeltlich zu nutzen. Auch dieses Angebot wurde von uns aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt“, teilt GAB-Sprecher Jenkel mit. Die gelben Tonnen hätten durchaus noch einen erheblichen reellen Wert und auch Buchwert, da sie erst nach acht Jahren abgeschrieben würden. „Zu Preisverhandlungen ist es gar nicht erst gekommen“, sagt Jenkel.

Müllabfuhr: Bürgern soll ein Tonnentausch erspart werden

Das bestätigt sein Kollege Marius Schröder von der RMG. Die Gespräche mit der GAB seien nicht so verlaufen, „dass konkrete Preise zur Übernahme der Abfallgefäße zur Sprache gekommen wären.“ Sein Unternehmen sei aber durchaus bereit, die gelben Tonnen von der GAB „zu marktüblichen Preisen“ zu kaufen oder zu mieten, versichert der RMG-Sprecher.

„Wir werden für Gespräche über die Übernahme der Behältnisse so lange offen sein, wie es uns wegen eigener vertraglicher Verpflichtungen und angesichts des herannahenden Auftragsbeginns möglich ist.“ Denn sein Unternehmen würde „den Bürgern einen Behälteraustausch und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten gern ersparen.“ Aus seiner Sicht „wären der damit verbundene Energieverbrauch sowie die damit verbundenen Emissionen vermeidbar.“ Falls es nicht doch noch zu einer Einigung kommt, werde die RMG bis zum Jahresende neue Tonnen „vertragskonform und rechtzeitig“ an die Haushalte im Kreis ausliefern. Sonst ändere sich für die Bürger nichts.

GAB: Es wird keinen Stellenabbau geben

Die GAB wiederum werde ihre Tonnen abholen und mit andersfarbigen Deckeln versehen, um sie für Rest- oder Papierabfälle zu nutzen, erklärt ihr Sprecher Jenkel. Die 20 durch den Auftragsverlust betroffenen Beschäftigten würden in anderen Bereichen der Abfallentsorgung eingesetzt. „Es wird keinen Jobabbau geben. Wir werden alle Mitarbeiter halten“, verspricht Jenkel. Das Abfallunternehmen, das weiterhin den Rest- und Biomüll sowie Altglas und Papier entsorgen wird, sehe sich in einer „sozialen Verantwortung“, sagt Jenkel. Bis zum Jahresende werde die GAB „wie gewohnt und zuverlässig“ auch die gelben Tonnen leeren.

In drei Jahren, wenn die DSD diese Dienstleistung erneut ausschreibt, wolle die GAB „wieder zum Zuge kommen“, kündigt ihr Geschäftsführer Michael Finnern an und betont: „Wir haben unser wirtschaftlichstes Angebot abgegeben.“ Aber auch die RMG will nicht nur vorübergehend im Kreis Pinneberg wirtschaften, wie Sprecher Schröder betont. „Wenn wir einen Fuß in der Tür haben, wollen wir den Auftrag auch behalten“, sagt er.

Der neue Entsorger ist bundesweit in 22 Kreisen und Städten tätig

Sein Unternehmen bestehe seit etwa 20 Jahren und entsorge deutschlandweit in 22 Landkreisen und kreisfreien Städten für 6,5 Millionen Menschen Abfälle. Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liege in Transport und Verwertung von Müllverbrennungsschlacken, Nichteisenmetallen sowie der haushaltsnahen Erfassung und Transport von Leichtverpackungen, Altglas, Altpapier, Rest- und Bioabfällen.

Laut Konzernabschluss werden bei RMG 412 Arbeitnehmer beschäftigt, davon 66 Angestellte, 229 Arbeiter, 117 Leiharbeiter. Das „eigentümergeführte, mittelständische Unternehmen“, so Schröder, hat 2021 demnach 127 Millionen Euro Umsatz erlöst und einen Überschuss von 13,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: Die GAB, an der zu 49 Prozent der Remondis-Konzern beteiligt ist, hat 2020 bei einem Umsatz von 53,2 Millionen Euro einen Gewinn von 1,9 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen beschäftigt 220 Mitarbeiter, davon 155 gewerbliche und 65 angestellte Arbeitnehmer.

Für den Neuauftrag im Kreis Pinneberg werde RMG zusätzliches Personal vor Ort benötigen, so Schröder: „Es wird auf jeden Fall Neueinstellungen geben.“ Der Mehrheitsgesellschafter, der Kreis Pinneberg, lässt durch Sprecherin Katja Wohlers dazu mitteilen: „Aus Sicht des Kreises ist wichtig, dass die neue Firma sich so aufstellt, dass der Übergang reibungslos funktioniert. Das heißt: Die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass der Gelbe-Tonnen-Abfall zuverlässig abgeholt wird.“

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