Blick zurück mit Lück

Rette sich, wer kann! Von Rettungsringen und Torpedobohnen

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Oliver Lück
Oliver Lück ist Journalist und Buchautor.

Oliver Lück ist Journalist und Buchautor.

Foto: Oliver Lück

Der Diebstahl eines Rettungsringes in Elmshorn bringt Oliver Lück ins Grübeln. Was Leonardo da Vinci damit zu tun hat.

Kreis Pinneberg.  Stellen Sie sich mal Folgendes vor: Sie stehen an Deck eines Schiffes. Schwere See. Starker Wellengang. Der glitschige Boden schwankt unter Ihren Füßen. Und plötzlich taumeln Sie und stolpern rückwärts. Sie greifen nach der Reling, verfehlen diese aber um wenige Zentimeter und gehen über Bord. Das eiskalte Meer trifft Sie wie ein Schlag ins Gesicht. Sie gehen unter, schlucken Wasser, tauchen wieder auf. Sie husten. Sie strampeln mit den Beinen, rudern mit den Armen. Sie schreien. Doch niemand ist da, der Sie hören könnte, Sie sind alleine im Auf und Ab der Wellen.

Schon wieder: Rettungsring in Elmshorn gestohlen

Dann aber passiert es: Neben Ihnen klatscht ein Rettungsring ins Wasser. Sie bekommen ihn zu fassen, gleiten hinein und werden ruhiger. Er hält Sie über Wasser und für diesen Moment am Leben. Kaum eine Notlage hat wohl eine erschreckendere Wirkung, als wenn ein Mensch über Bord geht. Seit Beginn der Seefahrt versuchen wir, Schiffe sicherer zu machen, doch das Meer scheint uns stets überlegen.

Und ich wette, auch Sie haben diese Woche im Abendblatt gelesen, dass in Elmshorn schon wieder ein Rettungsring gestohlen wurde. Er hing am Kanusteg an der Deichstraße. Das kann nur wer gewesen sein, der oder die noch nie im Wasser und dort in Not war. So ein Rettungsring hängt in Schwimmbädern, an Flussufern und zur Dekoration in Wohnzimmern und Vorgärten. Er ist ein maritimes Vorzeigesymbol. Er gibt einem das Gefühl von Sicherheit.

Was Leonardo da Vinci mit dem Rettungsring zu tun hat

Und natürlich wissen wir auch alle, wer den Rettungsring erfunden hat: Tatsächlich werden wieder einmal dem Universalgenie Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) erste Überlegungen zugeschrieben, wie mit einem schwimmenden Reifen Leben zu retten sei. In einem seiner Skizzenbücher finden sich Entwürfe für Taucheranzüge, für Bojenschuhe, mit denen man übers Wasser laufen sollte, und für einen Rettungsring. Dieser sollte aus Leder gefertigt werden und aufblasbar sein.

Dazu schrieb da Vinci: „Wenn du dann ins Meer springen musst, so blase die Schöße deines Gewandes durch die Säume an der Brust auf, springe hinein und lasse dich von den Wellen treiben.“ Und auf einer englischsprachigen Website, wohl nicht ganz richtig ins Deutsche übersetzt, heißt es übrigens: „Die britische Royal Life Saving Society betrachtet Rettungsringe ungeeignet für den Einsatz in Schwimmbädern, weil das Werfen in einen belebten Pool den Unfall verletzen könnte. An diesen Orten wurden Rettungsringe daher durch Torpedobohnen ausgetauscht.“ Rette sich, wer kann!

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