Radarfallen

Blitzer in Pinneberg sind schrottreif – aus diesem Grund

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Ein Blitzer wie dieser steht in Schenefeld an der LSE und gehört zur neueren Bauart. Die sechs anderen Modelle im Kreis Pinneberg sind veraltet und werden bis 2024 demontiert.

Ein Blitzer wie dieser steht in Schenefeld an der LSE und gehört zur neueren Bauart. Die sechs anderen Modelle im Kreis Pinneberg sind veraltet und werden bis 2024 demontiert.

Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Sechs von sieben Standorten werden bis 2024 aufgegeben. Dafür sollen zwölf neue Radargeräte kommen. Welche Orte betroffen sind.

Kreis Pinneberg.  Zu alt, zu wenig Ersatzteile, kein Reparaturservice mehr: Der Kreis Pinneberg wird in den kommenden zwei Jahren den überwiegenden Teil seiner stationären Blitzanlagen abbauen müssen. Sechs von sieben Standorten, an denen momentan automatische Tempokontrollen installiert sind, werden absehbar aufgegeben. Denn die Technik ist veraltet und wird nicht mehr nachproduziert. Das teilt die Kreisverwaltung jetzt der Politik im Verkehrsausschuss mit. Folge: Der Kreis muss sein sogenanntes „Konzept zur stationären Geschwindigkeitsüberwachung“ grundlegend überarbeiten.

Derzeit wird die Geschwindigkeit an insgesamt sieben Standorten mit stationären, also fest montierten Anlagen, überwacht. Außer in Schenefeld, wo neuere Technik zum Einsatz kommt, werden dabei ausnahmslos Geräte der Firma Jenoptik verwendet. Die sogenannten Starenkästen des Typs „TraffiPhotS“ stehen in Bilsen, Bokholt-Hanredder, Borstel-Hohenraden, Heede, Heidgraben und Rellingen. Aber nicht mehr lange. Nun habe nämlich der Hersteller mitgeteilt, dass ab sofort keine neuen Systeme des eingesetzten Typs mehr erhältlich sind. Auch Wartung und Reparatur werden eingestellt.

Blitzer veraltet: Geräte haben noch maximal zwei Jahre Laufzeit

Dieser Produktionsstopp hat Folgen für den Kreis. Nach Einschätzung der Experten können die sechs Standorte mit Jenoptik-Technik nur noch maximal bis Ende 2024 betrieben werden. Hauptgrund ist, dass wegen der eingestellten Wartung und des Reparaturservices die Geschwindigkeitsmessgeräte vom Jahr 2025 an keine gültige Eichung mehr haben. Und, so der Kreis, ohne eine gültige Eichung dürfen die Anlagen nicht betrieben werden. Zumal die Reparaturleistungen und Ersatzteillieferungen – sofern Ersatzteile überhaupt noch verfügbar sind – schon zum 31. März 2023 eingestellt werden sollen.

Da erfahrungsgemäß während der jährlichen Wartung immer auch kleinere Reparaturen notwendig seien, geht der Kreis sogar davon aus, dass einige Blitzer schon vor dem Jahresende 2024 ausfallen werden. Kurzum: „Nicht alle Standorte werden bis Ende 2024 in Betrieb sein.“

Blitzrekord 2020: Fast 75.000 Sünder wurden erwischt

Das dürfte sich auch in der Kasse des Kreises bemerkbar machen. Immerhin wurden etwa im Jahr 2020 gut 1,4 Millionen Euro von Rasern und Rotlichtsündern kassiert. An den sechs Standorten mit Jenoptik-Technik wurden dabei 23.266 Fahrzeugführer erwischt. In Schenefeld, wo an der LSE beidseitig das neuere Modell Vitronic steht, wurden 11.382 Fotos geschossen. Mit dem mobilen Blitzanhänger „Zeus“, der im gleichen Zeitraum 27.115 Temposünder erwischte, und mobilen Messungen kamen insgesamt fast 75.000 Temposünden zusammen.

Wie es nun über das absehbare Ende der veralteten stationären Blitzer hinaus weitergeht, soll in einem neuen Konzept erarbeitet werden. Da die Geschwindigkeitsüberwachung in Zusammenarbeit mit der Polizei organisiert werde, sei ein erster Schritt gewesen, die „bestehenden Standorte im Hinblick auf die Erforderlichkeit einer dauerhaften Geschwindigkeitsüberwachung zu überprüfen“. Die Ergebnisse dazu stünden noch aus. Zudem seien die Städte und Gemeinden gebeten worden, mögliche neue Standorte für stationäre Blitzer zu benennen.

Neue Blitzer: 37 Standortvorschläge gab es aus Städten und Gemeinden

Tatsächlich seien daraufhin 37 neue Vorschläge für mögliche Standorte eingegangen. Die Verwaltung habe alle Vorschläge mit der Polizei sowie der Verkehrslenkung des Kreises geprüft und bei Ortsterminen begutachtet. Das Ergebnis der Prüfung wurde den Kommunen bereits mitgeteilt – mit der Gelegenheit zur erneuten Stellungnahme.

Der neue Plan, der im August von der Politik beraten wird, sieht demnach eine deutliche Ausweitung der „Blitzer-Aktivitäten“ im Kreis vor. Laut Verwaltungsplan sollen künftig sogar an zwölf Standorten stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen betrieben werden. Darunter seien auch einige der bisherigen Standorte. „Es ist beabsichtigt, den politischen Gremien des Kreistages, beginnend mit den Haushaltsberatungen für 2023/2024 diesen Plan vorzuschlagen“, heißt es aus der Verwaltung.

Mobiler Blitzanhänger: Kreis will zusätzliches Gerät beschaffen

„Die Standorte und auch deren endgültige Anzahl stehen aber noch nicht fest“, sagt Kreissprecherin Katja Wohlers. „Die Vorschläge werden mit der Polizei abgestimmt und im Detail geprüft.“ Erst danach mache das neue Blitzer-Konzept seinen Weg durch die politischen Gremien des Kreises, beginnend mit dem Verkehrsausschuss im August. Zumal auch die Finanzierung noch unklar ist. „Erst nach den Beratungen und Beschlüssen können die notwendigen finanziellen Mittel in den nächsten Doppelhaushalt 2023/24 aufgenommen werden“, sagt Wohlers. Bedeute: „Welcher Hersteller gewählt wird und wie teuer das Ganze sein wird, steht jetzt noch nicht fest.“

Was jetzt schon feststeht: Der Kreis will einen zusätzlichen zweiten Blitzanhänger beschaffen. Der erste namens „Zeus“ steht seit Juli 2021 im Dienst des Kreises und deckte 19.092 Verstöße allein bis Ende 2021 auf. Ein Gerät dieser Bauart kostet etwa 240.000 Euro.

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