Stimmabgabe

Der Super-Wahlsonntag im Kreis Pinneberg

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Burkhard Fuchs
Landtagswahl, Bürgermeisterwahlen, Bürgerentscheid: Die Wahlhelfer im Kreis Pinneberg haben am Sonntag viel zu tun.

Landtagswahl, Bürgermeisterwahlen, Bürgerentscheid: Die Wahlhelfer im Kreis Pinneberg haben am Sonntag viel zu tun.

Foto: Kim Kanert / FUNKE Foto Services

Außer der Landtagswahl stehen in Quickborn und Rellingen auch Bürgermeisterwahlen an. Und in Uetersen gibt es noch einen Bürgerentscheid.

Kreis Pinneberg.  Am Sonntag sind im Kreis Pinneberg genau 242.390 Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, in 185 Wahlbezirken ihre Stimme für den 20. Landtag in Schleswig-Holstein seit 1949 abzugeben. Das sind 1347 Wahlberechtigte oder 0,6 Prozent weniger als noch vor fünf Jahren. Die meisten Wahlberechtigten stellt die Stadt Elmshorn mit 37.394 deutschen Staatsangehörigen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet und seit mindestens sechs Wochen in Schleswig-Holstein leben oder gemeldet sind. Das kleinste Dorf Bullenkuhlen hat mit 318 potenziellen Wählern die niedrigste Anzahl im Kreis.

Etwa ein Drittel der Wählerschaft dürfte bereits per Briefwahl abgestimmt haben. „Dieser Anteil hat sich im Vergleich zur Landtagswahl 2017 verdoppelt“, sagt Volker Dentzin, der stellvertretende Wahlleiter in Quickborn, wo am Sonntag auch der nächste Bürgermeister gewählt wird (siehe Infotext unten).

Im Kreis Pinneberg werden die Direktkandidaten für vier der landesweit 35 Wahlkreise gewählt. Es kandidieren 14 Frauen und 16 Männer aus elf Parteien. Dies sind CDU, SPD, Grüne, FDP, AfD und Die Linke, die in allen vier Wahlkreisen antreten. Kandidaten der Freien Wähler, SSW, Volt, die Basis und Bündnis C sind nur in einigen Wahlkreisen wählbar.

2017 lag die CDU bei den Erststimmen, die über die Direktwahl entscheiden, im Kreis Pinneberg vorn mit 38,3 Prozent vor der SPD mit 34,7 Prozent. Dahinter kamen die Grünen mit 8,7, die FDP mit 7,5, die AfD mit 5,7 und die Linke mit 3,3 Prozent.

Ostmeier, Strehlau und Bolln treten nicht wieder an

Aktuell stellt der Kreis mit acht der 73 Abgeordneten die landesweit größte Anzahl. Dies sind zurzeit Beate Raudies, Kai-Oliver Vogel und Thomas Hölck (alle SPD), Barbara Ostmeier und Peter Lehnert (beide CDU), Ines Strehlau und Eka von Kalben (beide Grüne) sowie Annabell Krämer (FDP). Mit Stefan Bolln (SPD) aus Barmstedt, der im November 2021 nachgerückt ist, sind es sogar neun Abgeordnete aus dem Kreis Pinneberg. Ostmeier, Strehlau und Bolln treten nicht wieder zur Landtagswahl an. Gleichwohl dürfte der bevölkerungsstärkste Kreis im Land auch künftig wieder acht oder sogar neun Abgeordnetenmandate in den nächsten Landtag entsenden.

Zum ersten Mal bei einer Landtagswahl werden bereits am Wahlabend vorläufige Wahlergebnisse für alle Ämter und Gemeinden auf Wahlbezirksebene veröffentlicht, teilt die Kreisverwaltung mit. Im Internet könnten die Ergebnisse von 18 Uhr an am Wahlabend unter www.landtagswahl-sh.de oder abendblatt.de live mitverfolgt werden. Gegen 21 Uhr rechnet Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje damit, dass alle 26 Wahlbezirke seiner Stadt ausgezählt sind. Elmshorn präsentiert wegen seiner Größe in der Regel zuletzt das Endergebnis. 2017 war das sogar erst 21.30 Uhr der Fall.


Wahlkreis 21 (Elmshorn–Tornesch)
In diesem Wahlkreis, der viele Jahre als SPD-Hochburg galt, ist Beate Raudies (55) aus Elmshorn Favoritin. Die stellvertretende Fraktionschefin der SPD im Kieler Landtag, wo sie finanzpolitische Sprecherin und zuständig für den Katastrophenschutz ist, gewann bei den vergangenen beiden Wahlen 2012 und 2017 den Wahlkreis direkt. Zuletzt hatte sie mit 37,4 Prozent einen Vorsprung von 600 Stimmen vor Birte Glißmann (29, CDU) aus Seestermühe, die 35,8 Prozent der Stimmen erhielt. Glißmann dürfte dieses Mal mit Listenplatz 4 aber auch ohne Direktmandat mit ziemlicher Sicherheit in den Landtag einziehen.


Wahlkreis 22 (Pinneberg-Nord)
Dieser Wahlkreis umfasst fast die Hälfte der Städte und Gemeinden im Kreis und erstreckt sich von Bönningstedt bis Helgoland. Seit 1996 hat die CDU diesen überwiegend ländlich geprägten Wahlkreis sicher in der Hand. Sechsmal hintereinander hat ihn Peter Lehnert (59) gewonnen, der nur 1992 beim ersten Mal über die Landesliste in den Landtag einzog. Mit 30 Jahren Zugehörigkeit ist der Bürgermeister von Bilsen auch der dienstälteste Abgeordnete im Kieler Landtag.

Auch diesmal dürfte er wieder vorne liegen, zu groß war 2017 mit 42,2 Prozent, einem der besten Einzelergebnisse im Land, sein Vorsprung vor Helge Neumann (SPD, 29,5 Prozent) aus Hemdingen, Annabell Krämer (FDP, 9,3) aus Quickborn und Eka von Kalben (Grüne, 8,3) aus Borstel-Hohenraden. Alle drei treten erneut gegen Lehnert an. Wobei von Kalben und Krämer, die beide auf Listenplatz 3 ihrer Parteien stehen, den Wiedereinzug in den Landtag schaffen dürften. Für Neumann ist Listenplatz 37 aussichtslos. Er müsste direkt gewählt werden.


Wahlkreis 23 (Pinneberg-Elbmarschen)
Dieser Wahlkreis zwischen Uetersen und Wedel ging die drei vorigen Male an die CDU-Abgeordnete Barbara Ostmeier. Die 60 Jahre alte Juristin tritt aber auf eigenen Wunsch nicht wieder an. Das könnte dem SPD-Kreisvorsitzenden Thomas Hölck (59) aus Haseldorf in die Karten spielen, der 2005 den Wahlkreis zuletzt direkt gewann, dem Landtag mit Unterbrechungen seit zwölf Jahren angehört und 2017 über die Landesliste in den Landtag gewählt wurde. Damals lag Ostmeier mit 39,9 Prozent knapp vor Hölck, der 35,8 Prozent erreichte, was einen Unterschied von 1540 Stimmen ausmachte. Auch dieses Mal wäre Hölck mit Listenplatz 11 ausreichend abgesichert, um Abgeordneter in Kiel zu bleiben. Aussichtsreichster Mitbewerber um das Direktmandat ist hier Martin Balasus (CDU). Der 35 Jahre alte Lehrer in Wedel ist Kreistagsabgeordneter und Ortsvorsitzender der CDU in Moorrege.

Wenn die Linke es in den Landtag schaffen sollte, würde die Fraktionschefin der Linken im Kreistag, Marianne Kolter (67) aus Pinneberg, mit Listenplatz 3 in den Landtag einziehen.


Wahlkreis 24 (Pinneberg)
Den städtisch geprägten Wahlkreis Pinneberg, Halstenbek, Schenefeld will Kai-Oliver Vogel (54) aus Pinneberg verteidigen. Der verkehrs- und schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag hat 2012 und 2017 dort zweimal die Landtagswahl direkt gewonnen. 2017 lag er mit 37 Prozent knapp 1000 Stimmen vor der CDU-Kandidatin Kerstin Seyfert. Prominente Mitbewerberin um das Direktmandat ist diesmal die amtierende Bildungsministerin Karin Prien (57, CDU), die einen Wohnsitz in Neumünster hat und mit Listenplatz 2 ohnehin bestens abgesichert ist. Kai-Oliver Vogel steht auf Listenplatz 15.

18.219 Quickborner wählen des Bürgermeister

In der Stadt Quickborn wird es am Sonntag besonders spannend, denn es wird auch der nächste Bürgermeister gewählt, der seine sechsjährige Amtszeit am 1. November antritt. Den amtierenden Verwaltungschef Thomas Köppl (56, CDU), der seit 18 Jahren im Amt ist, fordern der Quickborner FDP-Vorsitzende Thomas Beckmann (60) und der Jurist und Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Tim Stoberock (44) heraus.

Wahlberechtigt sind am Sonntag 18.219 Quickbornerinnen und Quickborner. Wahlleiter Volker Dentzin hat allein für Quickborn 200 ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Einsatz. Da die Stimmen der Bürgermeisterwahl erst ausgezählt werden, nachdem die Stimmen der Landtagswahl in Quickborn ausgezählt worden sind, dürfte das Endergebnis der Bürgermeisterwahl kaum vor 21 Uhr feststehen.

Da bereits die letzten beiden Bürgermeisterwahlen in der Eulenstadt recht knapp zugunsten von Thomas Köppl ausgingen, ist auch diesmal damit zu rechnen, dass keiner der drei Kandidaten am Sonntag die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen erhält. Eine mögliche Stichwahl der beiden Bewerber, die am Sonntag die meisten Stimmen bekommen, findet in drei Wochen am 29. Mai statt.

Marc Trampe ist einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Rellingen

Exakt 12.028 Wahlberechtigte, darunter alle über 16-Jährigen sowie die in der Gemeinde wohnenden EU-Bürger, bestimmen Sonntag auch den neuen Rellinger Bürgermeister. Es wird wohl der alte bleiben – denn Marc Trampe (40) steht zum zweiten Mal als einziger auf dem Wahlzettel. 2016 erreichte er 88,96 Prozent der Stimmen.

Ein Gegenkandidat hatte zu wenig Unterstützungsunterschriften gesammelt. Somit bleibt den Bürgern in den zwölf Wahllokalen nur, mit Ja oder Nein zu stimmen. Trampe, der am 1. Oktober 2016 die Nachfolge von Anja Radtke antrat, ist für sechs Jahre wiedergewählt, wenn er mehr Ja- als Nein-Stimmen erhält. Im anderen Fall wählt die Gemeindevertretung den Verwaltungschef. Der könnte dann auch Marc Trampe heißen – allerdings soll der angekündigt haben, bei einer Niederlage in der Direktwahl nicht mehr antreten zu wollen.

Wahlleiter Uwe Goldt rechnet mit einer Wahlbeteiligung, die sich analog zur Landtagswahl verhält und tippt auf bis zu 65 Prozent. Bis Freitag haben 2659 Bürger einen Briefwahlantrag gestellt, das entspricht 22,1 Prozent. Ausgezählt werden am Sonntagabend zunächst die Stimmen zum Landtag, dann die Bürgermeisterwahl. Das Endergebnis könnte gegen 21 Uhr vorliegen. Alle Resultate unter abendblatt.de und rellingen.de.

Uetersener stimmen über die Kleine Twiete ab

In Uetersen können die Bürger parallel zur Landtagswahl ihre Stimme in einem Bürgerentscheid abgeben. Dabei geht es um die Bebauungspläne einer Feuchtwiese an der Kleinen Twiete. Die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Uetersen“ hat die Abstimmung erwirkt, weil sie ein Wohnbauprojekt auf einer 4,5 Hektar großen Wiese, die an das Landschaftsschutzgebiet „Mittlere Pinnau“ angrenzt, verhindern möchte. Die Politik hatte dem Bauprojekt bereits mehrheitlich zugestimmt.

Projektentwickler Bonava plant dort das Wohnquartier „In den Apfelgärten“ mit 104 frei stehenden Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser sowie zehn geförderten Wohnungen und eine Kita für bis zu 50 Kinder. Die Bebauung wird auch vom Nabu Elbmarschen abgelehnt. Die BI will verhindern, dass die letzten Naturressourcen am Stadtrand von Uetersen für die Tiere und Menschen verloren gehen. „In diesem Refugium konnten am 16. Januar 32 verschiedene Vogelarten, darunter auch geschützte, beobachtet werden“, sagt BI-Initiator Bernd Szwirblatt.

Wer findet, dass die Feuchtwiese erhalten bleiben muss, stimmt mit Ja. Wer dagegen ist mit Nein. Insgesamt 14.738 Menschen sind stimmberechtigt. Das Quorum liegt bei 18 Prozent, das bedeutet, dass mindestens 2693 Uetersenerinnen und Uetersener sich an der Wahl beteiligen müssen, damit das Abstimmungsergebnis Gültigkeit erlangt. Vorzulegen sind in den Wahllokalen die Benachrichtigung zur Abstimmung und der Personalausweis beziehungsweise Reisepass. Etwa 2300 Uetersener haben bereits per Briefwahl entschieden. Das Ergebnis wird erst nach der Landtagswahl ausgezählt und wird auf www.uetersen.de veröffentlicht.

„Die öffentliche Diskussion sehen wir als Beispiel für gelebte Demokratie: Wir haben hingehört, was der Stadt und der Nachbarschaft wichtig ist und unser Konzept darauf zugeschnitten. Wir sind überzeugt, dass das Wohnquartier so ein Gewinn für Uetersen sein wird“, sagt Bonava-Projektleiter Simeon Voss. Anregungen würden berücksichtigt: So seien Neupflanzungen, Nisthilfen für Vögel und Insekten sowie Fledermausquartiere und ein vier Meter breiten Schutzstreifen zum Bach hin vorgesehen. Die angrenzend geplanten Reihenhäuser erhalten begrünte Dächer.

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