Kreis Pinneberg

Klimaschutz zu Hause: Stadtwerke fördern Solarstrom

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Burkhard Fuchs
Forciert die Solarstrom-Offensive der Stadtwerke Quickborn: Werkleiter Panos Memetzidis will mehr Anlagen auf den Dächern im Kreis Pinneberg.

Forciert die Solarstrom-Offensive der Stadtwerke Quickborn: Werkleiter Panos Memetzidis will mehr Anlagen auf den Dächern im Kreis Pinneberg.

Foto: Burkhard Fuchs

Versorger in Quickborn, Elmshorn, Pinneberg und Halstenbek arbeiten an der Energiewende. Für wen sich Photovoltaik lohnt.

Kreis Pinneberg.  Die Stadtwerke im Kreis Pinneberg wollen die Energiewende mit großem Elan selbst mitgestalten und vorantreiben. So investieren einige von ihnen kräftig in Solarstromprojekte. Und sie bieten auch Förderprogramme für ihre Kunden an, die ihre Hausdächer mit Photovoltaikanlagen bestücken wollen. „Der Klimawandel ist kein rein globales Problem“, begründet Elmshorns Stadtwerkeleiter Sören Schuhknecht diese Initiativen. „Klimaschutz fängt zu Hause an. Man muss ihn mit örtlichen und regionalen Maßnahmen gezielt fördern.“

Solaranlagen: Quickborn bestückt städtische Gebäude

So haben auch die Stadtwerke Quickborn jetzt von ihrem Aufsichtsrat den Auftrag erhalten, alle städtischen Gebäude mit Solarstromanlagen zu bestücken, wo dies möglich und sinnvoll ist. „Wir werden mindestens eine Million Euro in das Projekt investieren“, sagt Quickborns Werkleiter Panos Memetzidis. „Diese Investition in den Klimaschutz ist unsere Pflichtaufgabe für die nächste Generation.“

Ein Vorzeigeprojekt soll dabei der Neubau des eigenen Wohnkomplexes an der Marktstraße bilden, der dort direkt neben der neuen Polizeiwache errichtet wird (das Hamburger Abendblatt berichtete). Ein weiteres Vorhaben werde der geplante Neubau des 65 Jahre alten Quickborner Wasserwerkes bis 2026 für rund 17 Millionen Euro sein. Das Werk versorgt neben der Stadt Quickborn und dem Nachbarort Ellerau auch fast alle Gemeinden des Amtes Rantzau mit jährlich rund 1,9 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Aber auch Schulen, Sporthallen, die Feuerwehr und das Rathaus könnten für Photovoltaikanlagen passen. „Wir untersuchen das zurzeit“, sagt Memetzidis. Etwa 15 Gebäude kämen infrage. Als Erstes würde für rund 120.000 Euro eine solche Anlage in diesem Sommer auf dem Dach der Comeniusschule installiert werden, die 94.000 Kilowattstunden (kWh) regenerativen Strom liefere und so die Stromkosten der Schule etwa halbieren werde. Die andere Hälfte wird in das öffentliche Netz eingespeist. Zwei eigene, ältere Solarstromanlagen betreiben die Stadtwerke auf den Dächern ihrer Zentrale an der Pinneberger Straße, die zusammen 50.000 Kilowattstunden Strom erzeugen, was den Jahresbedarf von etwa 200 Wohnungen deckt.

Solaranlagen: Für wen lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage?

Außer den eigenen Investitionen wollen die Quickborner Stadtwerke die Bürgerinnen und Bürger für Solarstrom begeistern und sie dabei gezielt beraten, kündigt Werkleiter Memetzidis an. Schon heute gebe es allein in Quickborn 322 Solarstromanlagen auf den Dächern von Privathäusern und Gewerbebetrieben, sagt Memetzidis. Drei Millionen Kilowattstunden grüner Strom seien das jährlich. „Die erste Anlage wurde 1992 installiert. Jedes Jahr werden es mehr.“

Das soll jetzt auch mit tatkräftiger Unterstützung der Stadtwerke geschehen. Sie will ihren 12.000 Stromkunden ein einfaches Rechenmodell anbieten, mit dem jeder Hausbesitzer schnell kalkulieren könne, ob es sich lohnt zu investieren. Das hänge insbesondere von der Ausrichtung und Neigung des Daches ab. Die Einspeisevergütung durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz bringe aktuell nicht mehr viel, erklärt Memetzidis. Sie ist zum Jahreswechsel noch mal von 6,5 auf 3,7 Cent je kWh gesunken.

Wichtiger dürfte heute der Eigenbedarf sein, der sich klimaschonend mit selbst erzeugtem Solarstrom zu etwa einem Drittel decken ließe. Wenn noch ein Elektrofahrzeug an der eigenen Steckdose oder Wallbox aufgeladen werden soll, steige der Anteil. Ebenso wenn der Solarstrom im eigenen Haus gespeichert wird. 7000 bis 10.000 Euro würde eine Solarstromanlage kosten, die dann 3000 bis 4000 kWh grünen Strom im Jahr erzeuge. Das entspricht etwa 1,5 bis zwei Tonnen weniger CO2-Ausstoß.

Solaranlagen: Stadtwerke vermitteln auf Wunsch Fachfirmen

Die Quickborner Stadtwerke haben dafür das „Team Nachhaltigkeit“ gebildet, das aus Technikern, Kaufleuten und anderen Experten besteht und interessierte Kunden jetzt gezielt beraten werde, kündigt Memetzidis an. „Wir starten im Mai.“ Sobald sich ein Kunde nach intensiver Beratung und Berechnung durch die Stadtwerke für eine solche Anlage entscheide, vermittle ihm das städtische Unternehmen auf Wunsch auch eine Fachfirma, die die Anlage auf dem Dach installieren kann.

Auch die Stadtwerke Elmshorn haben ein solches Programm aufgelegt, sagt Werkleiter Schuhknecht. Dabei müsse der Kunde die Solarstromanlage nicht unbedingt komplett selbst kaufen. Er könne sie auch pachten, erklärt Schuhknecht. „Wir installieren, betreiben, warten und halten die Anlage instand.“ Auch wenn nicht jedes Haus oder jedes Dach dafür infrage komme, sei es „ein sehr spannendes Thema“ für die kommunale Energiewirtschaft, so der Elmshorner Stadtwerkechef. „Es ist insgesamt ein wichtiger Baustein für die Energiewende.“

Die Gemeindewerke Halstenbek bieten ihren Kunden ebenfalls solche Leasing- oder Contracting-Modelle beim Solarstrom an, sagt Werkleiter Andreas Halberschmidt. „Viele wollen die Anlagen aber lieber kaufen“, hat er festgestellt. Allerdings sei das Thema Photovoltaik „jetzt eindeutig in den Fokus“ vieler Menschen gerückt. Es bildeten sich auch größere Solarstrominitiativen und sogar Genossenschaften. „Das nimmt enorm an Dynamik zu“, ist sein Eindruck. Ziel sei ein klimaneutrales Halstenbek bis 2030.

Solaranlagen: „Ökonomische und ökologische Vorteile“

Und auch die Stadtwerke Pinneberg sind hier aktiv. „Wir planen bereits für 2022 und 2023, drei kapazitiv unterschiedliche Hybridkraftwerke mit insgesamt etwa 1,5 Megawatt aufzubauen“, kündigt Geschäftsführer Thomas Behler an. Eine Photovoltaikanlage werde dabei bei einem vorhandenen Blockheizkraftwerk ergänzt. Mit der Menge sei es möglich, rund 400 Haushalte mit grünem Strom zu versorgen, bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 kWh. Die Anlagen sollen am Hauptstandort Am Hafen in Pinneberg sowie an zwei technischen Betriebsstätten betrieben werden.

„Unser Ziel ist es, mit dem Aufbau eine Verbesserung der Gesamtwirtschaftlichkeit gegenüber kleinen Anlagen mit überwiegendem Eigenverbrauch zu erreichen“, erklärt Pinnebergs Stadtwerkechef Behler. Durch den Ausbau einer lokalen CO2-freien Eigenerzeugung auf bislang unbebauten Flächen und der Eigennutzung des erzeugten grünen Stroms ergäben sich „zugleich ökonomische und ökologische Vorteile“, ist Behler überzeugt.

Für ihn gehören „Kohle und Kernenergie nicht zu einer sauberen Energieerzeugung“, sagt er. „Wir stehen daher für eine stabile, ökologische Stromerzeugung aus Sonne, Wasser und Wind. Dazu gehört auch der fortlaufende Ausbau von Photovoltaik-Kapazitäten in der Stadt Pinneberg.“

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