Kreis Pinneberg

Chef der Wohnmobil-Bande muss fünfeinhalb Jahre in Haft

| Lesedauer: 3 Minuten
Die Wohnmobil-Bande und ihre Verteidiger vor dem Landgericht in Kiel. (Archiv)

Die Wohnmobil-Bande und ihre Verteidiger vor dem Landgericht in Kiel. (Archiv)

Foto: Thomas Geyer

Der Familienclan hatte teure Fahrzeuge mit dem Schlüsseltrick entwendet. Jetzt folgte das Urteil vor Gericht.

Kiel/Kreis Pinneberg.  Im Prozess gegen eine Bande von Wohnmobildieben, die 2018 im Hamburger Umland – auch im Kreis Pinneberg – insgesamt elf hochwertige Fahrzeuge im Wert von bis zu 50.000 Euro entwendet hat, hat das Kieler Landgericht am Donnerstag drei Angeklagte zu Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren und vier Monaten verurteilt. Das härteste Strafmaß von knapp fünfeinhalb Jahren trifft den Chef der Hamburger Bande. Der seit 1995 mehrfach vorbestrafte Mann (48) aus Montenegro hatte als Drahtzieher und Familienoberhaupt seine drei (Zieh-)Söhne in mehr als 20 Taten eingebunden.

Die Hälfte der Vorwürfe betrifft gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung beim Verkauf des Diebesguts. Die Käufer der gestohlen gemeldeten Fahrzeuge mussten ihr vermeintlich günstiges „Schnäppchen“ schon bei der Ummeldung wieder abgeben. Ihren Gesamtschaden von rund 200.000 Euro müssen laut Urteil die Angeklagten tragen.

Der Junior im Quartett war zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt, deshalb war die Jugendkammer zuständig. Der von der Familie aufgenommene „Ziehsohn“ des Bandenchefs war bereits im Dezember 2021 vom Landgericht Hamburg zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden – wegen Drogenhandels und Trickbetrugs durch falsche Polizeibeamte.

Die Jugendkammer bezog die fünfjährige Vorstrafe in ihr Urteil mit ein und erhöhte sie nicht weiter. Zur Begründung erinnerte der Vorsitzende daran, dass die Haftdauer im Jugendrecht nach erzieherischen Maßstäben bemessen wird. Mehr als fünf Jahre seien nur bei schwersten Gewalt- und Sexualstraftaten vorgesehen.

Bandenchef hatte amtliche Blankodokumente gestohlen

Ein leiblicher Sohn (30) des Haupttäters war nur an zwei Taten beteiligt. Er kam mit einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung davon. Drei Jahre lang darf er sich jetzt nichts weiter zu Schulden kommen lassen, sonst droht die Verbüßung der Haftstrafe. Die Kammer unterstellte ihn der Aufsicht der Bewährungshilfe. Das Urteil beruht auf einer Verständigung, die das Gericht zur Verkürzung des Prozesses mit der Staatsanwältin und der Verteidigung getroffen hatte. Eine umfangreiche Beweisaufnahme hätte das Gericht noch weitere Wochen und Monate beschäftigen können.

Tatorte waren, wie berichtet, Gemeinden in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Lauenburg sowie Lübeck, Ratzeburg, Ahrensburg und Hamburg. Weil der Hamburger Verteidiger eines weiteren Bandenmitglieds vor den Plädoyers erkrankte, trennte die Kammer dessen Verfahren ab. Gegen den 26-Jährigen wird im März weiterverhandelt, kündigte der Vorsitzende an.

Bereits im Jahr 2015 hatte der Bandenchef aus einer Behörde amtliche Blankodokumente für Zulassungsbescheinigungen gestohlen. Zur Herstellung gefälschter Kfz-Papiere füllte er sie mit einer alten Typenradschreibmaschine aus. Im Dezember 2018 schöpfte eine Kaufinteressentin allerdings Verdacht und wollte die offensichtlichen Fälschungen fotografieren. Danach flog die Bande auf.

Nach umfangreichen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft drei Jahre später, im Februar 2021, Anklage. Im August erließ das Amtsgericht Norderstedt Haftbefehl gegen den Bandenchef. Seitdem sitzt der 48-Jährige bereits in Untersuchungshaft.

( gey )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg