Kreis Segeberg

30.000 Bücher am Tag – Die Norderstedter Traumfabrik

| Lesedauer: 7 Minuten
Annabell Behrmann
Die Druckerei von Books on Demand befindet sich in Norderstedt. Hier werden am Tag rund 30.000 Bücher gedruckt.

Die Druckerei von Books on Demand befindet sich in Norderstedt. Hier werden am Tag rund 30.000 Bücher gedruckt.

Foto: BoD – Books on Demand

Druckerei von Books on Demand hat viel zu tun: Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen ein Buch geschrieben.

Norderstedt.  Einmal im Leben ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Seine Geschichte gedruckt und gebunden in den Händen zu halten. Mit einem richtigen Buchcover. Davon träumen viele Menschen. Das Norderstedter Unternehmen Books on Demand (BoD) ermöglicht es Autorinnen und Hobby-Schreibern, ihre Werke im Self-Publishing herauszubringen. Zwar liegen die Bücher in der Regel nicht in Buchhandlungen aus, sie bekommen aber eine eigene ISBN-Nummer und können im Buchhandel bestellt werden. Rund 30.000 Exemplare werden jeden Tag in der Druckerei in Norderstedt produziert. Sein Buch selbst zu verlegen, liegt schon lange im Trend. Doch seit Beginn der Pandemie ist die Nachfrage noch einmal deutlich gestiegen: BoD konnte seit Frühjahr 2020 7000 neue Autorinnen und Autoren gewinnen.

Zahl der Neuveröffentlichungen 2020 stark angestiegen

„Viele Menschen haben die Corona-Zeit genutzt, um etwas Kreatives zu machen“, sagt Gerd Robertz, Sprecher der Geschäftsführung von BoD. Bei all den schlimmen Auswirkungen, die mit der Pandemie zusammenhingen, könne man auch etwas Positives feststellen, meint Robertz: „Die Leute sind stärker zur Ruhe gekommen, haben die Muße gefunden, mal wieder mehr nachzudenken. In diesem Zusammenhang haben viele Menschen ihren Traum, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, wahr gemacht.“

Im April 2020 stieg die Zahl der Neuveröffentlichungen um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt wurden im ersten Corona-Jahr 20 Prozent mehr Bücher publiziert als im Vorjahr. „Auch 2021 konnten wir die Zahl noch einmal deutlich steigern und mehr Titel gewinnen“, sagt Robertz. Zum ersten Mal in der Geschichte von BoD seien mehr als eine Milliarde Buchseiten in einem Jahr gedruckt worden. Robertz: „Das ist ein Meilenstein.“

Beim Schreiben taucht Caro Sand in eine andere Welt ein

Auch Autorin Caro Sand hat die Pandemie genutzt, um den zweiten Band ihrer Kinderbuchreihe „Kapitän Nauti“ fertigzustellen. „Ich hatte plötzlich viel Zeit, um mich um die Fortsetzung meiner Geschichte zu kümmern“, sagt die Tierärztin aus dem Kreis Segeberg. Viele Haustierbesitzer hätten aus Angst vor einer Corona-Ansteckung ihre Termine abgesagt. Auch Aufträge als Dozentin seien ihr weggebrochen. Also widmete sie sich dem Schreiben. „Mein Beruf kann sehr belastend sein, ich werde viel mit Sorgen und Verlustängsten konfrontiert. Schreiben ist für mich eine gute Ablenkung. Ich kann in eine andere Welt eintauchen und den Rest um mich herum vergessen“, erklärt die Autorin, die ihre Werke unter einem Pseudonym veröffentlicht. Caro Sand ist nicht ihr richtiger Name.

Den ersten Teil von „Kapitän Nauti“ hat Sand 2016 bei Books on Demand veröffentlicht – auf Deutsch, Englisch und Plattdeutsch. Bei klassischen Verlagen wäre es ein Risiko gewesen, das Buch gleich in drei Sprachen herauszubringen. Sollte es sich nicht verkaufen, blieben Verlag und Autorin auf den Exemplaren und Kosten sitzen. Doch BoD verfolgt ein anderes Prinzip: Erst wenn ein Werk geordert wird, geht es in den Druck.

Die 47 Jahre alte Sand hat sich bewusst dafür entschieden, ihr Kinderbuch im Self-Publishing zu publizieren. „Mir war es wichtig, alles selbst in der Hand zu behalten“, sagt sie. BoD bietet den Autoren zwar professionelle Hilfestellung an. So können sie beispielsweise Illustrationen zeichnen und ihren Inhalt von einem Lektor gegenlesen lassen – dieses kostenpflichtige Angebot müssen sie aber nicht annehmen. Gegen eine einmalige Gebühr von 19 Euro bekommt das eigene Buch eine ISBN-Nummer und kann in mehr als 6000 Buchhandlungen und 1000 Online-Shops bestellt werden.

Regionale Krimis funktionieren besonders gut

Nicole Wollschlaeger veröffentlicht seit 2016 ihre inzwischen sechsteilige Elbkrimi-Reihe um den Berliner Kommissar Philip Goldberg bei BoD. Nach etwa zwei Jahren konnte die 47-Jährige von ihrer Tätigkeit als Krimibuch-Autorin leben. „Regionale Krimis funktionieren gut“, sagt sie. Wollschlaeger ist in Pinneberg aufgewachsen, lebt nun in einer kleinen Gemeinde hinter Elmshorn. Ihre alte Heimat taucht auch in ihren Büchern auf. Hauptsächlich spielen sie aber in der Elbmarsch. Im Pinneberger Bücherwurm hat sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolviert, ehe sie in Hamburg Schauspiel studierte. Während sie mit ihren Kommilitonen ein Theaterstück entwickelte, entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben.

Bis ihr Debütwerk „Schatten über Nargon“ erschien, eine Fantasy-Geschichte für Kinder, verging allerdings noch Zeit. Ihren niedergeschriebenen Entwurf ließ die Schauspielerin vorerst verstauben und lieh stattdessen der Kinderbuchreihe „Das magische Baumhaus“ ihre Stimme. Sieben Jahre lang tourte sie durch Grundschulen. „Es war ein tolles Gefühl, wenn die Kinder beim Vorlesen in meinen Augen versunken sind“, sagt Wollschlaeger. Daraufhin entschied sie, ihre Idee für ein eigenes Buch doch noch einmal aufleben zu lassen und zu überarbeiten. 2013 veröffentlichte der Carlsen Verlag ihre Fantasy-Geschichte.

Für ihre Elbkrimi-Reihe hatte sie auch Kontakt zu klassischen Verlagen. Am Ende entschied sie sich für BoD, um in der Gestaltung frei zu bleiben. „Für mich sind meine Bücher wie kleine Kinder. Jedes ist besonders“, sagt sie. Deswegen möchte sie ihre Reihe gern weiterhin im Selbstverlag produzieren, Lektor und Cover eigenständig auswählen. Am 10. März kommt Wollschlaeger in die Hauptbücherei Norderstedt-Mitte und liest aus ihrem jüngsten Krimi „Elbtier“. Im Herbst erscheint Band sieben.

BoD hat einen weiteren Standort in Hessen eröffnet

„Für mich ist die Druckerei der kreativste Ort Deutschlands“, sagt Gerd Robertz von Books on Demand. 2010 hat die Firma ihr Druckzentrum an der Straße In de Tarpen in Norderstedt eröffnet. Davor saß BoD im Gewerbegebiet am Gutenbergring. „Die Unmenge an Ideen und kreativer Schaffenskraft, die in diese Bücher fließt, diese Liebe, die Sorgfalt und Professionalität – das ist schon beeindruckend“, schwärmt Robertz. Der Geschäftsführer glaubt, dass noch viele Geschichten geschrieben und veröffentlicht werden möchten. „Wir sind optimistisch und gehen weiterhin von einem sehr starken Wachstum aus“, sagt er.

Im Sommer vergangenen Jahres hat BoD einen weiteren Standort in Bad Hersfeld in Hessen eröffnet. Noch mehr Werke können gedruckt und Träume erfüllt werden. „Das Gefühl, sein eigenes Buch in den Händen zu halten, ist der Hammer“, sagt Kinderbuch-Autorin Caro Sand. „Es ist unheimlich beglückend und macht mich stolz und ehrfürchtig.“

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