Critical Mass

Premiere in Elmshorn: Kritische Masse radelt durch die Stadt

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Kitty Haug
Teilnehmer einer Critical Mass Fahrraddemonstration fahren auf einer Straße, das Auto muss warten. Nun wollen die Radfahrer erstmals durch Elmshorn fahren. (Symbolbild)

Teilnehmer einer Critical Mass Fahrraddemonstration fahren auf einer Straße, das Auto muss warten. Nun wollen die Radfahrer erstmals durch Elmshorn fahren. (Symbolbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz / picture alliance / Markus Scholz

Erstmals wollen viele Radbegeisterte durch die Krückaustadt fahren. Wo sie starten, wann sie beginnen.

Elmshorn. Hunderte Wetterfeste radeln als lange Fahrradschlange durch Hamburg, immerhin mehr als 70 waren im Dezember in Pinneberg dabei. Critical Mass (CM) vereint monatlich Radfahrer, die kollektiv durch Städte fahren und Autofahrern den Straßenraum streitig machen. Nun radeln sie gemeinsam auch zum ersten Mal durch Elmshorn. Am heutigen Freitag, 21. Januar, geht es um 18 Uhr am Buttermarkt los.

Die Idee, den Fahrradtreff auch in Elmshorn zu etablieren, kam Olaf Kipp auf der zweiten Critical Mass in Pinneberg. „Ich war davor oft in Hamburg dabei, im Dezember dann auch bei der ersten Ausfahrt in Pinneberg und finde die Idee einfach gut“, sagt der naturbegeisterte Fahrradfahrer aus Elmshorn. „Mir geht es ums Radfahren und darum, auf Fahrradfahrer im Straßenverkehr, auch in Elmshorn, aufmerksam zu machen“. Unter seiner Leitung hatte sich schnell die Organisation Ökologie for Future als Initiator gefunden, die sich mit anderen Vereinen, Organisatoren und Parteien wie etwa dem ADFC, Fridays For Future, Bund, Nabu und den lokalen politischen Fraktionen austauschte.

Fridays for Future unterstützt die Radtour

Die Kommunikation mit der Krückaustadt verlief unproblematisch, denn es handelt sich nicht um eine Demons­tration oder um eine Veranstaltung, hinter der eine Organisation steckt. Offiziell gilt Critical Mass als Verbandsfahrt nach Paragraf 27 StVO, betont Kipp. Demnach bildet eine Gruppe von mindestens 16 Radfahrern die kritische Masse, um verkehrsrechtlich als ein Fahrzeug verstanden zu werden. Fährt der Erste über Grün, dürfen alle Gruppenmitglieder auch über die Kreuzung fahren – selbst wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot umspringt.

Ein derart geschlossener Verband ist von der Benutzung der Radwege befreit, und seine Teilnehmer können auf der Fahrbahn auch zu zweit nebeneinander fahren. Eine Begleitung der Elmshorner Polizei ist gewährleistet, wenn mehr als 99 Radfahrer teilnehmen.

„Ich nehme an der Fahrt teil, repräsentiere sie aber nicht“, sagt Kipp. Keine Einzelperson verantwortet die Fahrt, denn „jeder ist selbst für sich verantwortlich“. „Wir fahren ohne Banner, es gibt kein Motto, keine Parolen. Es ist keine politische Veranstaltung, keine Demo“, betont Kipp. Es gibt auch keine Route. Die Regel ist: Einer fährt vor und alle anderen hinterher, „alles wird vor Ort spontan entschieden“, so Kipp. Mitradeln können alle, die ein verkehrssicheres Fahrrad mit Beleuchtung haben. Gerne können die Räder bunt geschmückt, beleuchtet oder auffällig sein.

Critical Mass versteht sich nicht als Demonstration

Im November fand die erste Critical Mass in Pinneberg statt, die nun monatlich stattfinden soll – immer am zweiten Freitag des Monats. Das Treffen in Elmshorn ist jeden dritten Freitag im Monat. Der Endpunkt der letzten Route dient als Startpunkt der neuen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Critical Mass, zu Deutsch „kritische Masse“‚ ist ein Trend in vielen Städten der Welt, bei dem sich Radfahrer scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen Fahrten durch ihre Innenstädte mit ihrer bloßen Menge auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem Autoverkehr aufmerksam zu machen. Critical Mass fand erstmals 1992 in San Francisco statt.

In Deutschland gibt es die Touren in mehr als 80 Städten. In Hamburg treffen sich seit März des Jahres 2000 einmal im Monat Hunderte Fahrradfahrer zu einer gemeinsamen Tour durch die City. Damit wollen die Teilnehmer, die sich in der Regel über die sozialen Medien verabreden, die Belange des Radverkehrs friedlich in die Öffentlichkeit tragen.

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