Kreis Pinneberg

Nach Streit mit dem Prinz – Machtwechsel in Haseldorf

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Anne Dewitz
Abklatschen in Corona-Zeiten: Daniel Kullig (BfH, rechts) wurde zum neuen Bürgermeister von Haseldorf gewählt. Der zweite stellvertretende Bürgermeister Boris Sauer (SPD) nahm ihm den Amtseid ab.   

Abklatschen in Corona-Zeiten: Daniel Kullig (BfH, rechts) wurde zum neuen Bürgermeister von Haseldorf gewählt. Der zweite stellvertretende Bürgermeister Boris Sauer (SPD) nahm ihm den Amtseid ab.   

Foto: Anne Dewitz

Gemeindepolitik wählt Daniel Kullig zum neuen Bürgermeister. Vorgänger Klaus-Dieter Sellmann blieb nach Knatsch in der Fraktion lieber Zuhause.

Haseldorf. Machtwechsel in Haseldorf: Daniel Kullig (Bürger für Haseldorf, BfH) wurde am Donnerstag von den Gemeindevertretern mit sieben Ja-Stimmen und einer Enthaltung zum neuen Bürgermeister gewählt. Bei einer geheimen Bürgermeisterwahl kann nicht mit Nein gestimmt werden. Kullig übernahm mit sofortiger Wirkung die Amtsgeschäfte, nachdem sein Vorgänger Klaus-Dieter Sellmann diese vorzeitig zum 1. Dezember niedergelegt hatte.

Seine eigene Fraktion, die Freie Wählergemeinschaft BfH hatte dem 70-Jährigen diesen Schritt zuvor nahegelegt. Streitigkeiten zwischen Sellmann und Haseldorfs bekanntestem Einwohner, Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden, hatten am Ende das Dorf gespalten. Zudem hatte Sellmann selbst immer gesagt, mit 70 aufhören zu wollen. Zu seiner Verabschiedung am Donnerstag kam er nicht.

Haseldorfs neuer Bürgermeister will Teamplayer sein

Daniel Kullig lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern (18 und 20 Jahre) seit 20 Jahren in Haseldorf. Der 47-Jährige sagte bei seinem Amtsantritt: „Es kommt nicht nur darauf an, was der Bürgermeister möchte. Der Bürgermeister ist kein Einzelkämpfer. Ich sehe mich selbst als Teamplayer, ich bin ergebnisorientiert, team- und kommunikationsfähig und kann mich schnell auf neue Situationen einstellen.“

Kullig möchte begonnene Projekte wie die Erweiterung der Kita, den Neubau des Multifunktionszentrums, die Errichtung eines Gewerbegebietes und die Feuerwehr weiter vorantreiben und diese zeitnah umsetzen. „Wir müssen alle mehr miteinander reden und Verständnis für die jeweilige Position des anderen zeigen, Kompromisse statt Konfrontationen suchen“, so Kullig.

Der Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitete zehn Jahre als Ausstellungsleiter in einer Badausstellung. Vor 16 Jahren wechselte er in die Industrie und arbeitet als Key Account Manager in Norddeutschland für einen großen Armaturenhersteller. Direkt nach der Gründung schloss er sich der Freien Wählergemeinschaft BfH an. Bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister war er bürgerliches Mitglied im Bauausschuss und Mitglied in der Verbandsversammlung des Schulverbandes der Gemeinschaftsschule Moorrege. Dort engagierte er sich unter als Finanz- und Bauausschussvorsitzender. Als Mitglied der Planungsgruppe beteiligte er sich maßgeblich an der Ausarbeitung des Schulneubaus.

BfH dankt Sellmann für sein großes Engagement

Frank Schoppa dankte als Sprecher der BfH dem scheidenden Bürgermeister für seine großen Verdienste. Als BfH-Gründungsmitglied der ersten Stunde im Jahr 2016 sei er nach dem sensationellen Wahlsieg 2018 der Einzige gewesen, der zur offenen Frage des Bürgermeisteramtes „Ja, ich mache das, wenn ihr wollt.“ gesagt habe. „Und wir wollten“, sagt Schoppa. „So hat er sich mit voller Energie ins Geschäft geworfen. Dabei erfolgte durch seinen Vorgänger noch nicht einmal eine ordnungsgemäße Übergabe der Amtsgeschäfte.“

Sellmann habe sich dennoch gekümmert, zunächst um die schlimmen räumlichen Zustände in der Betreuungsklasse, das undichte Dach der Kita mit drohender Schließung im laufenden Betrieb, die Kontrolle der Breitband-Bauarbeiten.

Die Erweiterung der Kita, die Planung des Multifunktionszentrums mit Neubau von Schule, Turnhalle, Betreuungsklasse und Gemeinderaum habe Sellmann zu seiner Sache gemacht. „In seiner Amtszeit stellte er zu den Nachbargemeinden und deren Bürgermeistern wieder ein gutes Verhältnis her. Doch dann kam Corona und erschwerte den Arbeitsfortschritt und die Kommunikation über 18 Monate zunehmend“, so Schoppa in seiner Rede.

Biermans räumte für Kullig Platz im Gemeinderat

Daneben habe Sellmann auch im Privaten mit schweren gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen. Dennoch sei er mit großen Engagement für das Wohl der Gemeinde eingetreten. „Mit seinem Rücktritt macht er nun 16 Monate vor der nächsten Wahl den Weg frei für einen Generationswechsel.“

Außer Sellmann war auch Schoppa, beide Gründungsmitglieder, bei der Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wahl angetreten. Neu in den Vorstand wurden die Beisitzer Madeleine Austinat und Julian Vonnekold gewählt. Zurückgetreten ist auch Stefan Biermans, ebenfalls BfH-Gründungsmitglied, damit Daniel Kullig gemäß der Gemeindeordnung in den Gemeinderat nachrücken und Bürgermeister werden konnte.

Was sich noch ändert: Schoppa geht für Biermans in den Finanzausschuss und übernimmt für Kullig den stellvertretenen Vorsitz im Bauausschuss. Ebenfalls neu im Bauausschuss ist Karl-Heinz Lück. Madeleine Austinat übernimmt für Kullig im Schulverband. Im Wegeunterhaltungsverband rücken Andreas Langbehn und Wilfried Kahnert nach. Kahnert ist zudem im Energiebeirat Wedel.

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