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Weihnachtsmärkte – „Kein Vergleich zum Jahr 2019“

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Nico Binde, Anne Dewitz und Taima Güclü
„Es ist extrem schwer“, sagt der Hamburger Karussellbetreiber Mario Caffarone (60) in Pinneberg.

„Es ist extrem schwer“, sagt der Hamburger Karussellbetreiber Mario Caffarone (60) in Pinneberg.

Foto: Taima Güclü

Händler auf den Weihnachtsmärkten beklagen Umsatzeinbußen und fürchten den Lockdown. Ein Stimmungsbild.

Pinneberg/Elmshorn. Mario Caffarone steht auf seinem Kinderkarussell, das sich nicht dreht, und blickt in die Ferne. Regen prasselt auf das Pflaster vor der Pinneberger Drostei. Zur Mittagszeit sind nur wenige Menschen unterwegs im Pinneberger Weihnachtsdorf. Flaute vor dem Karussell. Der freundliche Blick des 60-jährigen Hamburgers bleibt am Glühweinstand vis-à-vis hängen. Auch dort: nichts los. Es mag auch am Wetter liegen und an der Tageszeit, aber nicht nur. Caffarone seufzt. „Die Stimmung ist gedrückt. Es ist extrem schwer“, sagt er. „Ich schätze, es sind 60 Prozent weniger Leute hier als in einem normalen Jahr.“

Weihnachtsmärkte: Laufkundschaft fehlt

Neue Regeln, unsichere Bedingungen, durchwachsenes Wetter: Nach dem Start der Weihnachtsmarktsaison im Kreis Pinneberg herrscht noch große Unentschlossenheit, ob sich der Aufwand unter Pandemiebedingungen gelohnt hat oder ob nach dem Ausfall im Jahr 2020 das Öffnen in diesem Jahr an sich schon ein Erfolg ist. Das eingezäunte, nur nach strenger Sicherheitskontrolle zu betretende Weihnachtsdorf in Pinneberg etwa sei „ganz gut“ angelaufen, sagt City-Managerin Birgit Schmidt-Harder. „Aber es ist natürlich kein Vergleich zum Jahr 2019.“

Vor zwei Jahren, im vorerst letzten Winter ohne Pandemie und mit uneingeschränkt geöffneten Weihnachtsmärkten, gab es vor der Drostei weder Zäune noch Einlasskontrollen. Eine Bratwurst oder ein Glühwein im Vorbeigehen waren vor 24 Monaten kein Problem. „Diese Laufkundschaft fehlt in diesem Jahr selbstverständlich“, sagt Pinnebergs oberste Marketingbeauftragte. „Das merken die Händler auch.“

Unklarheit bei einigen Besuchern

Dennoch werde das Weihnachtsdorf in den ersten Tagen gut angenommen. In den Stoßzeiten dauere der Einlass wegen der 2G-Regel und der damit verbundenen Impfnachweis- und Ausweiskontrolle etwas, es bilden sich durchaus längere Warteschlangen. „Aber die Leute nehmen das recht entspannt hin und halten sich an die Regeln“, so Schmidt-Harder.

Wichtig sei ihr, dass Kinder im Alter bis sieben Jahre keinen Nachweis benötigen, Schulkinder bis 17 Jahre nur den regelmäßigen Testnachweis aus der Schule. Anders als in Hamburg ist in Schleswig-Holstein auch kein Einchecken über eine App zur Kontaktnachverfolgung nötig. In dieser Hinsicht habe es in den Anfangstagen des Weihnachtsmarktes etwas Unklarheit bei den Besuchern gegeben. „Wir haben alle Regeln deshalb noch einmal mit Schildern kenntlich gemacht.“

Wetter spielt noch nicht mit

Die Händler fühlen sich allemal sicher. „Man kommt hier entspannt rum, es ist nicht zu eng durch die Sitzmöglichkeiten“, sagt Ann-Katrin Metall (24), die bei „Wohn Juwelen“ verkauft – Dekoartikel, Mützen, Ponchos.

Einzig das Wetter habe bisher noch nicht mitgespielt. Am völlig verregneten Sonnabend etwa sei die Besucherresonanz ganz mau gewesen. Dafür war am Sonntag schon etwas mehr los. „Die Atmosphäre auf der im Gegensatz zu den Vorjahren verkleinerten Fläche ist aber recht schön. Bisher gab es kein Gedränge, und trotzdem wirkt es sehr gemütlich“, sagt Citymanagerin Schmidt-Harder. Etwas Schnee wünsche sie sich für die kommenden Tage.

Angst vor Lockdown geht um

Mit Sorge blickt Schmidt-Harder auf den Pandemie-Krisengipfel in Berlin am heutigen Donnerstag und die dort womöglich getroffenen Entscheidungen. „Wir rechnen mit allem“, sagt sie. Insgeheim hoffe sie aber, dass die Weihnachtsmärkte in Schleswig-Holstein noch etwas länger geöffnet bleiben können. „Wir halten uns aber selbstverständlich strikt an das, was im Land dann beschlossen wird – so oder so. Jedenfalls verkennen wir nicht den Ernst der Lage.“

Marc Eisenhauer ist Präsidiumsmitglied der Interessengemeinschaft deutscher Schausteller und Verkäufer in der Grill-Stube. Er blickt kritisch auf die Maßnahmen: „Warum sollte das Virus sich ausgerechnet auf dem Weihnachtsmarkt ausbreiten, aber nicht in der Fußgängerzone?“ Auch er bemerkt einen Rückgang der Kundschaft von mehr als 50 Prozent. „Unsere Existenzen stehen auf dem Spiel. Wir haben täglich Angst, dass die Politik uns wieder schließt.“

Personal für Weihnachtsmärkte nur schwer zu bekommen

In Elmshorn ist Stadtmarketingchefin Manuela Kase damit beschäftigt, zusätzliches Personal für die Einlasskontrollen zu akquirieren. Keine leichte Aufgabe. „Die Wach- und Sicherheitsdienste sind ausgebucht“, sagt sie. Zudem falle Personal durch Krankmeldungen aus. Der Lichtermarkt musste von Mittwochabend vergangener Woche auf Donnerstagvormittag auf 2G umgerüstet werden. „Wir mussten zwei Hütten ab- und wieder aufbauen, um den Markt einzäunen zu können.“ Hilfe kam vom Betriebshof, der die Bauzäune stellte.

„Die Stimmung ist trotzdem gut“, sagt Manuela Kase. „Die Leute verhalten sich verantwortungsvoll. Die meisten sind geduldig und halten sich an die Regeln.“ Auch die Aussteller seien froh, überhaupt öffnen zu können und nicht aufgrund eines Lockdowns schließen zu müssen. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Umsätze durch die Besucherbeschränkungen geringer ausfallen werden“, sagt Kase. Konkrete Zahlen liegen allerdings noch nicht vor.

Laut Versammlungsstättenverordnung dürfen sich zwei Personen pro Quadratmeter aufhalten. „Diese Zahlen erreichen wir aber auch in Jahren ohne Einschränkungen nicht, sodass wir damit keine Probleme haben“, sagt die Geschäftsführerin. Und beliebte Großveranstaltungen wie der Engelflug oder die Weihnachtsparade seien in diesem Jahr von Anfang an ohnehin nicht geplant gewesen.

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