Sozialarbeit

Pinneberg schafft mehr Stellen für Jugendliche in Not

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Jugendliche und Kinder leiden besonders unter der Corona-Pandemie (Symbolbild).

Jugendliche und Kinder leiden besonders unter der Corona-Pandemie (Symbolbild).

Foto: Paul Zinken / dpa

Kinder und Jugendliche leiden nach wie vor besonders unter der Corona-Pandemie. Wie Pinneberg dem entgegen wirken will.

Pinneberg.  Die Pandemie hat sich besonders negativ auf Kinder und Jugendliche ausgewirkt. Aufgrund der alarmierenden Berichte von Sozialarbeitern, Lehrern und Erziehern hat Pinnebergs Ratsversammlung für 2022 sechs zusätzliche Stellen bewilligt: Die Jugendeinrichtungen sollen 2022 drei weitere Erzieher erhalten, auch ein zweiter Streetworker soll eingestellt werden – SPD-Mann Kai Vogel, schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion, wünscht sich auf diesem Posten eine Frau.

Außerdem werden zweieinhalb Stellen querfinanziert durch das Landesprogramm „Aufholen nach Corona“. Die Verantwortlichen hatten deutlich gemacht, dass die sozialpädagogischen Angebote der Schulsozialarbeit im Zuge der Pandemie an den Schulen notwendiger und schwieriger geworden seien.

Sozialarbeit Pinneberg: Kinder und Jugendliche leiden unter Pandemie

Schon in der Schulausschusssitzung im Juni hatten die Schulsozialarbeiter über eine starke Verunsicherung in vielen Lebensbereichen berichtet, die das Lebensgefühl und das Sozialverhalten der Kinder und Jugendlichen problematisch werden lasse: „Die Einschränkungen und Erfahrungen, Ängste und Mangel an Erlebnissen und Kontakten führen bei vielen Schülern und Schülerinnen zu Problemen im sozialen Miteinander und auch zu persönlichen Entwicklungsstörungen wie mangelnder Frustrationstoleranz, Überreaktionen, mangelndem Selbstvertrauen, Rückzug oder Aggressionen“, sagen sie. Diese Verstärkung von persönlichen Problemen stelle für sehr viele Kinder ein Bildungshemmnis dar, das ihre schulische Entwicklung erschwere und einschränke.

Sozialarbeit an Schulen stärker gefordert

Die Schulsozialarbeit als sozialpädagogisches Angebot an Schulen sei deshalb aktuell weit stärker gefordert. Aber natürlich auch die Jugendhilfe als Ganzes, die Erlebnisse, Erfahrungen sowie Beratung und Betreuung einsetzen müsse, um diesen sehr negativen Begleiterscheinungen der Pandemie etwas entgegnen zu können.

Die Notsituation und die Problemlagen, die die Pinneberger Schulsozialarbeiter geschildert hatten, bildet sich genauso in allen anderen Kommunen des Landes und Bundes ab, weshalb derzeit verschiedenste Hilfs- und Förderprogramme aufgelegt werden, um das sozialpädagogische Angebot zu erweitern und mehr Hilfe für die genannten Problemlagen anzubieten, heißt es in der umfangreichen, sorgfältig verfassten Vorlage der Verwaltung.

Sozialarbeit: Bundeministerien fördern Aufstockung

Eines dieser Programme ist das seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgelegte Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“, das zunächst für 2021 und 2022 vorgesehen ist. Ein Baustein dieses Aktionsprogramms besteht in der befristeten Aufstockung bei der Schulsozialarbeit

Laut Vorlage ist es gelungen, im Bereich der bestehenden Kräfte drei Mitarbeiterinnen zu finden, die ihr vorhandenes Stundenkontingent im Rahmen dieses Programmes vorübergehend erhöhen würden. Auch die Zusage über die Drittmittelfinanzierung liege bereits vor.

Zur Realisierung würden aber noch freie Stellenanteile im Stellenplan benötigt, auf denen diese erhöhten Kapazitäten geführt werden können. Im Stellenplan 2021 finden sich beispielsweise bereits 2,5 Stellen, die für die Ausweitung der Schulsozialarbeit im Rahmen einer Drittmittelförderung vorgesehen sind. Hierbei handelt es sich allerdings um eine Drittmittelförderung im Rahmen des Perspektivschulprogramms beziehungsweise für die Arbeit mit Geflüchteten. Verwaltungsseitig ist vorgesehen, diese nun für die befristete Dauer einer Drittmittelförderung aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ zu nutzen, weil diese Stellenanteile momentan nicht benötigt würden.

Sozialarbeit: Politik billigt Einrichtung zusätzlicher Stellen

Verwaltungsseitig wird davon ausgegangen, dass dies im Sinne des ursprünglichen Beschlusses ist, da die Stellenanteile bereits für vergleichbare Zwecke zur Verfügung gestellt worden sind und sich nur die Art der Drittmittelfinanzierung ändere.

Der schwierigen Situation und dem erhöhten Bedarf der Kinder und Jugendlichen stehe ein leider nur sehr eingeschränktes Angebot an Personal und Dienstleistern gegenüber. Hinzu komme eine relativ hohe Kurzfristigkeit der Organisations- und Antragsfristen. Die Kapazitäten, die aus schon vorhandenem Personal zu einem Mehrangebot nach Corona führen könnten, müssten deshalb schnell und weitgehend genutzt werden. Die Ratsmitglieder haben, wie gesagt, den Zeitdruck erkannt und die befristete Einrichtung der zusätzlichen Stellen gebilligt.

( HA )

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