Kirche Pinneberg

Was die Kirchenfusion für Uetersen bedeutet

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Anne Dewitz
Zwei Kirchen unter einem Schirm vereint: die Kirchenratsmitglieder Horst Bartel (v. l.), Harald Tobies, Pastorin Kirsten Ruwoldt, Pastor Johannes Bornholdt und Gudrun Rosteck vor der Erlöserkirche

Zwei Kirchen unter einem Schirm vereint: die Kirchenratsmitglieder Horst Bartel (v. l.), Harald Tobies, Pastorin Kirsten Ruwoldt, Pastor Johannes Bornholdt und Gudrun Rosteck vor der Erlöserkirche

Foto: Anne Dewitz

Zum 1. Januar verschmelzen Erlöserkirche und Kirche Am Kloster. Was sich ändert, was bleibt

Uetersen.  In Uetersen fusionieren die beiden Kirchengemeinden zum 1. Januar 2022. Erlöserkirche und die Kirche Am Kloster haben dann einen neuen Namen: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde in Uetersen. Es gibt einen Übergangskirchengemeinderat, ein neuer wird am 1. Advent kommenden Jahres gewählt. Jedes konfirmierte Gemeindemitglied kann dann mitabstimmen.

Das gemeinsame Kirchenbüro wird das denkmalgeschützte Haus Ueterst End in direkter Nachbarschaft zur Klosterkirche. Das Gebäude, das zuvor von Heimatvereinen genutzt wurde, ist von der Kirchengemeinde Am Kloster erworben worden. Die Sanierung des Gebäudes soll im Januar abgeschlossen werden. Die neue offizielle Anschrift lautet Ev.-Luth. Kirchengemeinde Uetersen, Kirchenstraße 6, 25436 Uetersen. Das Jochen-Klepper-Haus, derzeitiger Sitz des Pastorats, soll in zwei oder drei Jahren abgerissen werden.

Pastoren qua Amt im Kirchengemeinderat

Der Kirchengemeinderat ist auf 17 Mitglieder reduziert, zuvor waren es 24. „Wir haben abgefragt, wer aufhören möchte“, sagt Pastor Johannes Bornholdt von der Erlöserkirche. Mindestens 15 Gemeinderäte sind vorgeschrieben. Die Mitglieder werden aus den beiden Kirchengemeinderäten gewählt. Die Pastorinnen Catharina Klein, Kirsten Ruwoldt, Daniela Stieglitz und der Pastor Bornholdt gehören qua Amt zum Kirchengemeinderat. Zur Wahl stellen kann sich jedes volljährige Mitglied der Kirchengemeinde Uetersen. Die genaue Zahl der Sitze im Gemeinderat, der am 27. November 2022 gewählt werden soll, ist noch nicht festgelegt.

Die seelsorgerischen Zuständigkeiten, die durch die bisherigen Pfarrbezirke der beiden Kirchengemeinden geordnet wurden, bleiben erhalten. Den Beschluss zu fusionieren haben die beiden Kirchengemeinderäte Ende Juni gefasst. Das Landeskirchenamt hat den Plänen zugestimmt, ebenso die Nordkirche. Seit der öffentlichen Bekanntgabe der Entscheidung im Oktober ist es amtlich.

In Fusionsgesprächen sind die evangelischen Gemeinden in Uetersen schon seit 2018. Wie alle Kirchengemeinden haben auch die Uetersener mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Derzeit zählt die Erlöserkirche 3800 Mitglieder, die Kirche Am Kloster 3900.

Pastorenstellen immer schwieriger zu besetzen

Ein weiteres Problem: Es kommen kaum noch junge Pastoren und Pastorinnen nach. So verlieren die 1000 Kirchen der Nordkirche in den nächsten zehn Jahren mehr als ein Drittel ihrer zurzeit etwa 1625 Pastoren durch Ruhestandsfälle und fehlenden Nachwuchs. In der Kirchengemeinde in Uetersen sind zwar alle Pastorenstellen besetzt, doch in Zukunft könnte es auch hier schwierig werden, Nachwuchs zu rekrutieren. Durch den Zusammenschluss lassen sich Kräfte und Ressourcen bündeln.

In vielen Bereichen werde die Fusion auch schon seit vielen Jahren gelebt. „Die Pastoren vertreten einander im Urlaub oder an Krankentagen“, sagt Harald Tobies, stellvertretender Vorsitzender des Erlöserkirchengemeinderates. Weitere Beispiele seien die Jugendarbeit und der gemeinsame Gemeindebrief.

„Verändert sich das Gemeindeleben? Das wissen wir noch nicht“, sagt Pastor Bornholdt. Veränderungen hingen maßgeblich von den Gemeindemitgliedern selbst ab. Die Standorte bleiben erhalten. Auch die Gebäude selbst behalten ihre Namen Erlöserkirche und Klosterkirche. Gottesdienste finden weiterhin in beiden statt. „Es gibt jeden Sonntag einen normalen Gottesdienst um 10 Uhr. Außerdem können parallel dazu besondere Gottesdienste beispielsweise zu Konfirmationen oder Erntedank abgehalten werden“, sagt Bornholdt. Manchmal werde es zwei Gottesdienste an einem Tag geben, manchmal einen.

Synergien im Bauausschuss, Senioren- und Jugendarbeit

„Wir hoffen auf eine größere Vielfalt“, sagt Gudrun Rosteck, Mitglied im Kirchengemeinderat der Erlöserkirche. Während die grundsätzlichen Angebote wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Trauerbegleitung unverändert bleiben, können Angebote für Senioren, Kinder und Jugendliche ausgebaut werden. „Ideen gibt es viele.“ Auch im Bauausschuss, der gut zu tun hat, seien Synergien von Vorteil. „Außerdem haben wir einen Arbeitskreis Digitales gegründet. Wir wollen uns einem anderen Kreis öffnen und jünger werden“, sagt sie.

Einige besorgte Stimmen habe es auf den Dörfern gegeben. Hier fürchten einige, vergessen zu werden. So gehören Heidgraben, Groß Nordende, Neuendeich und der Moorreger Ortsteil Klevendeich zu der Kirchengemeinde in Uetersen dazu. „Das wird sich auch nicht ändern“, sagt Pastorin Kirsten Ruwoldt. Die Kosten der Fusion sind überschaubar und betreffen Briefkopfänderung, den Entwurf eines neuen Siegels und das Erstellen einer neuen Homepage. Auch an der Personalstärke wird sich nichts ändern. Stellenabbau ist nicht geplant.

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