Elmshorn

Abschied eines aufrechten, streitbaren Sozialdemokraten

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Die runden Tische in der Gaststätte Sibirien waren zu Ehren des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann voll besetzt.

Die runden Tische in der Gaststätte Sibirien waren zu Ehren des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann voll besetzt.

Foto: Katja Engler

Nach 34 Jahren in Landtag und Bundestag zieht sich Ernst-Dieter Rossmann zurück. Wofür er sich stark machte.

Pinneberg.  Bei sonnigem Wetter hat der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann (70) in der Elmshorner Gaststätte Sibirien auf Einladung der Kreis-SPD zusammen mit vielen Weggenossinnen und -genossen am Sonntag seinen Abschied aus der aktiven Politik gefeiert. 34 Jahre parlamentarische Arbeit – das reicht. Zumal alle Redner ihn als überaus fleißigen Menschen beschreiben, bei dem spätabends im Büro noch das Licht brennt, wenn die anderen längst nach Hause gegangen sind.

Rossmann: Abschied von einem „aufrechten Sozialdemokraten“

Für das sozialdemokratische Selbstverständnis sprach, dass nicht nur der Zauberer Stefan Wöbke seine Kanonen-Klaus-Nummer mit einer roten Plüschmaus abfeuern sollte, sondern auch Rossmanns Büroleiter Jens von Häfen als russischer Migrant auf der Suche nach seinem Freund Sergej auftreten durfte, der mit seinem Bürostuhl im Elmshorner Hafenschlick stecken geblieben war. So gab es viel zu lachen und zum Aufschauen auf „einen aufrechten Sozialdemokraten“ (Thomas Hölck).

Die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies blickte auf 36 gemeinsame Jahre zurück und ehrte „einen Mann, der mit anpackt und noch in laufenden Diskussionen neue Ideen einbringt.“ Der nachts Wahlplakate aufhängt und bis heute den Schlüssel für den Plakatschuppen besitzt. Auch dankte sie ihm, dass er noch ganz zuletzt 400.000 Euro für die Orgelsanierung in St. Nikolai beschafft habe. Rossmanns Nachfolger Ralf Stegner nannte seine Rede „ein gefährliches Unternehmen“. Tief zog er den Hut vor „der Ernsthaftigkeit, dem Ausmaß an Fleiß“, die Rossmann über Jahrzehnte an den Tag gelegt habe. „Nichts war ihm zu schwierig, nichts zu kompliziert. Bürgernähe hat er im Alltag praktiziert. Nicht zu vergessen seine hohe Sachkenntnis.“ Ernst Dieter Rossmann sei im besten Sinne ein Volksvertreter gewesen.

Rossmann setzte sich konsequent für das Thema Bildung ein

Sein Lebensthema war die Bildung. „Für die, die was im Kopf, aber nichts in der Tasche“ hätten: „Rossmann war das sozialdemokratische Gesicht der SPD-Bildungspolitik.“ Auch sei er eine Führungspersönlichkeit, „ein bisschen streng mit anderen, aber auch mit sich selbst.“

Schließlich machten die SPD-Genossen Platz für Monika Heinold, Finanzministerin und Mitglied der Grünen. Sie hielt eine warmherzige Rede und erinnerte an die anfänglichen harten politischen Auseinandersetzungen in der Anfangszeit des rot-grünen Bündnisses: „Du hast dich nicht abschrecken lassen und dich nie weggeduckt. Du bist eben ein echter Sozialdemokrat alter Schule. Und wir, wir brauchen das Unruhige, das Fordernde, das du hast. Die, die immer wieder ihre Meinung sagen mit geradem Rücken.“

( eng )

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