Pinneberg

Pinnebergs Drosteipark-Plan – Jetzt droht Streit

| Lesedauer: 6 Minuten
Katja Engler
Elf Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für die Neugestaltung des Drosteiparks,

Elf Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für die Neugestaltung des Drosteiparks,

Foto: Katja Engler

Grünen & Unabhängigen halten bevorstehende Bürgerbefragung für einseitig. Was die Drostei-Initiative dazu sagt.

Pinneberg. Es sind nur noch wenige Tage, bis am Montag, 15. November, die von vielen ersehnte Bürgeranhörung zur Umgestaltung des Drosteiparks losgehen soll. Vor drei Monaten hatte der Umweltausschuss sie beschlossen. Doch die Grünen & Unabhängigen befürchten jetzt, dass dieser Bürgerbefragung eine gewisse Einseitigkeit zugrunde liegt. Für die kommende Sitzung des Umweltausschusses diesen Donnerstag haben sie den Antrag gestellt, Einzelheiten darin zu ändern. Das wiederum ruft jene Pinnebergerinnen und Pinneberger auf den Plan, die sich in der Bürgerinitiative Drosteipark zusammengetan haben. Sie fühlen sich ausgebremst.

Anhörungen laufen normalerweise so ab, dass Menschen dabei miteinander ins Gespräch kommen. Das wäre direkt und in den Ergebnissen weniger kontrollierbar als die jetzt geplante Online-Anhörung. Pandemiebedingt. Die Grünen & Unabhängigen würden eine echte Bürgerversammlung dem Onlineformat gegenüber bevorzugen.

Bürgeranhörung unter freiem Himmel könnte breitere Öffentlichkeit herstellen

So etwas ließe sich im Frühjahr unter freiem Himmel machen, sagt deren Fraktionsvorsitzender Joachim Dreher. Er erhofft sich auf diesem Weg eine breitere Öffentlichkeit. Im Kern geht es ihnen aber noch um etwas anderes. In dem Beteiligungskonzept müsse „in aller Deutlichkeit die Möglichkeit erkennbar sein, den Entwurf des Büros WES in seiner Gesamtheit oder in wesentlichen Teilen als Basis für die weitere Planung komplett ablehnen zu können“, wünschen sie sich. Die Bürger müssten die Möglichkeit bekommen, sich für eine Beibehaltung des Drosteiparks in seiner jetzigen Form auszusprechen. Diese Option sehen sie nicht.

Dreher, der auch Vorsitzender des Hauptausschusses ist, gibt außerdem zu bedenken, dass, sollte WES den Zuschlag bekommen, die Folgekosten völlig unklar seien: „Wenn für die Pflege drei bis fünf Gärtner eingestellt werden müssen, ist das für die Stadt nicht leistbar“, sagt der Politiker.

Ausschussvorsitzende ist mit der Methodik zufrieden

Die Umweltausschussvorsitzende Petra Springer (Bürgernahe) hat gegen die Methodik und den Aufbau der Online-Befragung, die vor einigen Monaten im Ausschuss themenneutral präsentiert wurde, nichts einzuwenden: „Ich finde die Methodik objektiv und sehr offen. Ich möchte den Bürgern nichts vorgeben, denn da muss man offen sein“, sagt sie. Es gehe schließlich darum, herauszufinden, was die Bevölkerung in Pinneberg wolle: „Vielleicht finden die Bürgerinnen und Bürger es sogar sinnvoll, den alten Obstgarten neben der Drostei wiederzubeleben.“

Seltsamerweise kennen die Politiker nicht die Fragen an die Bürger, den Park betreffend, obwohl sie diese von der Verwaltung für die Ausschussberatung erbeten hatten. Den Grünen & Unabhängigen liegt daran, dass das Gutachten mit vielen Empfehlungen für Pinnebergs Innenstadtpark, das die Landschaftsarchitektin Gudrun Lang vor einigen Jahren erarbeitet hatte, genauso vorgestellt wird wie der neuere Plan des Büros WES, das sich auf die Rekonstruktion von Gartendenkmälern spezialisiert hat. Stadtsprecher Marco Bröcker sagt dazu: „Es handelt sich um eine offene Umfrage. Es wird nicht nur das WES-Konzept vorgestellt, sondern auch das Gutachten von Gudrun Lang.“

Drosteipark: Planer wollen barocke Gestalt rekonstruieren

Das von WES sieht vor, die ursprünglichen barocken Wegeachsen zu reaktivieren, zu diesem Zweck viele alte Bäume zu fällen und dafür neue entlang der alten Achsen und deren zentraler Ausrichtung auf das Drosteigebäude anzupflanzen. Der verwahrloste Teich könnte entfernt, zugewachsene Bereiche könnten ausgelichtet werden. Im Osten könnten Wege und Rasen dominieren.

Gudrun Langs Gutachten enthält zahlreiche Empfehlungen und ähnelt insoweit einem Gestaltungskonzept. Es erfasst den Baumbestand, rät zum Neuaufbau des Gehölzbestandes bei Erhalt der alten Bäume. Das Teichumfeld wollte sie aktivieren und aufwerten und ebenfalls eine wichtige Baumachse wieder beleben, indem Parkplätze beim ehemaligen Kreishaus zurückgebaut werden.

Drosteipark: Bis zu 90 Prozent der Kosten sind förderfähig

Birgit Wunder findet es angesichts des Klimawandels inakzeptabel, dass das WES-Konzept das Absägen vieler alter Bäume vorsieht. Außerdem kritisiert sie: „Nach dem WES-Konzept werden die Wege mit grünem Asphalt versehen. 50 Prozent der Rasenfläche wird für Wege zersägt. Das finde ich stilistisch, ökologisch und denkmalschützerisch fragwürdig.“

Egal, was die Bürger sich wünschen und wie am Ende die Entscheidung ausfällt – die Politiker meinen, der Drosteipark solle „den heutigen Ansprüchen an Klimawandel und Ressourcenschutz sowie Anforderungen einer vielfältigen Stadtgesellschaft an Erholung, Spiel, Bewegung, soziale Kontakte und Gestaltqualität“ genügen. Die Restrukturierung des Parks als Gartendenkmal wäre im Zusammenhang mit Pflanzungen und neuen Bewegungsangeboten so günstig finanzierbar, dass bis zu 90 Prozent der Kosten förderfähig wären. Die Folgekosten sind aber, wie gesagt, unklar.

Drosteipark-Bürgerinitiative unterstützt Bürgeranhörung am 15. November

Die Mitglieder der Bürgerinitiative Drosteipark ärgern sich gehörig über den Antrag der Grünen & Unabhängigen. „Dafür haben wir überhaupt kein Verständnis“, sagt deren Sprecher Niels Jonas. „Seit knapp zwei Jahren befassen sich die Gremien der Stadt mit der Durchführung der Bürgeranhörung. Irgendwann muss mit der Selbstbefassung der Gremien zu diesem Thema Schluss sein.“ Die freien, mündigen Bürgerinnen und Bürger in Pinneberg müssten Gelegenheit erhalten, ihre Meinung zu dem vorliegenden Planentwurf „ohne Vorgaben durch politische Parteien frank und frei zu äußern“, sagt Jonas. Die Bürgerinitiative unterstütze ausdrücklich die Absicht der Stadt, am 15. November die Bürgeranhörung freizuschalten.

Am 17. November, 14 Uhr stellt die Verwaltung im Ratssitzungssaal die Pläne zum Drosteipark beim Seniorenbeirat vor.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg