Kriminalität

Mehr als vier Jahre Haft für Rellinger Drogendealer

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Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Das Landgericht in Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

30-jähriger Angeklagter handelte im großen Stil mit Cannabis. Doch der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben.

Rellingen.  Nach Prozessende überreichte Richter Dominik Groß dem Angeklagten Nico M. einen Brief seiner Freundin, den der Jurist vor der Weitergabe in die Haftanstalt überprüfen musste. Die Dame konnte Nico M. wenig später auch persönlich in die Arme schließen, denn die Kammer hatte den seit Februar bestehenden Haftbefehl gegen den Rellinger aufgehoben. Der kann nun in Freiheit auf seinen Haftantritt warten.

Drogendealer muss für mehr als vier Jahre in Haft

Der kommt unweigerlich, denn der 30-Jährige wurde am Montag vom Landgericht Itzehoe wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in fünf Fällen sowie des Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Zugleich ordneten die Richter die Einweisung des Angeklagten in eine Entziehungsanstalt an, damit er sich einer Drogentherapie unterziehen kann. Das hatte am letzten Prozesstag ein Gutachter dringend empfohlen.

Nico M. wurde die Nutzung seines Handys zum Verhängnis, das mit dem Messengerdienst Encrochat verschlüsselt war. Französischen und niederländischen Ermittlern gelang es im Frühjahr 2020, die Server zu infiltrieren. Über Wochen wurden Millionen von Daten von mehreren Zehntausend Nutzern in mehr als 100 Staaten mitgeschnitten und an die Behörden der jeweiligen Länder weitergegeben. Und denen gelang es, einige Nutzernamen zu realen Personen weiterzuverfolgen – wie bei Nico M.

Drogendealer handelte mit Kiloweise Cannabis

Zehn Fälle von Drogenhandel und -besitz listeten die zwei Anklagen auf, die seit dem 28. Juli vor der Zweiten Großen Strafkammer verhandelt wurden. Am Ende kamen sechs Fälle zur Verurteilung, weil einige Anklagepunkte zusammengezogen worden waren, andere waren nicht beweisbar und endeten mit einem Freispruch. In einigen Fällen legte der 30-Jährige auch ein Geständnis ab.

Laut Urteil erhielt Nico M. am 2. April 2020 ein Kilogramm Cannabisblüten in guter Qualität, das er weiterverkaufte. Vier Tage später orderte er von seinem Lieferanten weitere fünf Kilogramm, die jedoch nicht geliefert wurden. Am 15. April 2020 erwarb er 350 Gramm Kokain mit einem hohen Wirkstoffgehalt zum Weiterverkauf, das er zwei Tage später erhielt und ebenfalls weiterveräußerte.

Am 25. April fragte er nach fünf Kilo Cannabisblüten an, wovon er ein Kilogramm bekam. Am 7. Mai 2020 orderte er 13 Kilogramm Cannabis, erhielt es jedoch nicht. Am 22. Februar dieses Jahres wurde der Rellinger dann mit fünf weiteren Personen in einem Auto erwischt, in dem sich Cannabisblüten und -harz in größerer Menge befand. Hier hatte Nico M. angegeben, dass es für den Eigenkonsum bestimmt war, sodass nur eine Verurteilung wegen Besitzes erfolgte.

Drogendealer muss sich einer Therapie unterziehen

„Uns ist es nicht leicht gefallen, den Haftbefehl aufzuheben“, bekannte Groß. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass der Angeklagte „in alte Muster“ zurückfalle. „Sie, Ihre Familie und Freunde, alle sind gefragt, damit das nicht passiert.“ Nico M. müsse klar sein, dass er sich „auf ganz dünnes Eis“ begebe. Groß: „So ein Haftbefehl ist schnell wieder in der Welt.“

Die Kammer stellte dem Rellinger in Aussicht, ein Jahr und sieben Monate absitzen zu müssen, dann für ein halbes Jahr in die Therapieanstalt zu wechseln und im Anschluss auf Bewährung freizukommen. Allerdings stand der 30-Jährige zum Zeitpunkt der Taten unter laufender Bewährung, sodass in diesem Fall mit einem Widerruf zu rechnen ist.

( kol )

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