Quickborn

Neues Besucherzentrum fürs Himmelmoor geplant

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Burkhard Fuchs
 Laden zum Tag der offenen Türen in das Quickborner Himmelmoor ein: Enno Hasbargen (Henri-Goldstein-Verein, v. l.), Dan Zelck (Torfbahn AG) und Theo Hildebrecht (Förderverein Himmelmoor). Im Hintergrund: Franziska Zelck im Bagger. Die Torfbahn AG hat sich gerade die letzte Hamburger Feldbahn gesichert.

Laden zum Tag der offenen Türen in das Quickborner Himmelmoor ein: Enno Hasbargen (Henri-Goldstein-Verein, v. l.), Dan Zelck (Torfbahn AG) und Theo Hildebrecht (Förderverein Himmelmoor). Im Hintergrund: Franziska Zelck im Bagger. Die Torfbahn AG hat sich gerade die letzte Hamburger Feldbahn gesichert.

Foto: Burkhard Fuchs

Natur, Geschichte und Technik erleben: das soll es im Quickborner Himmelmoor künftig immer geben. Die Details.

Quickborn.  Einen solchen Gesamtüberblick über die Geschichte des industriellen Torfabbaus und der Gefangenlager im Quickborner Himmelmoor hat es noch nicht gegeben. Zum ersten Mal laden alle drei Fördervereine (Himmelmoor, Torfbahn und Henri-Goldstein-Haus) für diesen Sonntag, 7. November, von 11 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Türen ein.

Himmelmoor soll interessanter für Besucher werden

#Neben dem vor drei Jahren stillgelegten Torfwerk können die Besucher auch erstmals das Goldstein-Haus, in dem während des Krieges jüdische Kriegsgefangene lebten, und das historische Waagehaus von innen besichtigen; das ließ der Torfwerkbetreiber Theodor Dyrssen errichten, um den Torf vor dem Abtransport zum Bahnhof wiegen zu lassen.

Es ist ein kleiner Vorgeschmack dessen, was mittelfristig kommen soll: Geplant ist ein Besucherzentrum am Himmelmoor mit Café und Toiletten.

„Wir wollen den Besuchern die Geschichte des Torfabbaus zeigen und ihn erlebbar machen“, sagt Theo Hildebrecht vom Vorstand des Fördervereins, der diesen Besuchstag mitorganisiert hat. So werden in dem stillgelegten Torfwerkgebäude aus dem Jahr 1972 – die beiden historischen Preßtorf- und Torfkohlenfabriken von 1874 und 1893 existieren nicht mehr – Filme gezeigt, berichtet Hildebrecht. Die etwa zehn Minuten langen Streifen von 1954 bis 2005 zeigen, wie der gute gepresste Schwarztorf im Laufe der rund 150 Jahre im Himmelmoor abgebaut wurde. Sein Brennwert erreichte eine ähnlich gute Heizkraft wie Steinkohle, nur ohne die giftigen schwefelhaltigen Dämpfe der Kohle.

Himmelmoor: Mit der Torfbahn zum Goldstein-Haus

Jahrzehntelang bis in die späten 60er-Jahre wurden Strafgefangene zum körperlich anstrengenden Torfabbau eingesetzt. Während der Kriege waren es Kriegsgefangene vor allem aus Frankreich und Russland, die diese Arbeit von früh bis spät zu verrichten hatten.

Wer mag, kann sich direkt vom Torfwerk mit der Torfbahn zum Goldstein-Haus fahren lassen. Die Torfbahn AG wird einen kostenlosen Pendelverkehr zwischen der Himmelmoorchaussee und der Himmelmoorstraße einrichten. Das noch vollständig erhaltene Rotsteinhaus von 1936 ist nach dem belgischen Gefangenen Henri Goldstein benannt, der dort das letzte Kriegsjahr inhaftiert war. Im Innern sind zum Teil noch Schränke und die Dreistockbetten zu sehen und die drei alten Latrinen, die hier 50 Gefangenen, die auf engstem Raum lebten, zur Verfügung standen.

„Wir werden hier auch zahlreiche Exponate präsentieren“, sagt Enno Hasbargen vom Vorstand des Henri-Goldstein-Vereins. Der hat kürzlich erreicht, dass das Goldstein-Haus als 13. Gedenkstätte an die NS-Zeit in Schleswig-Holstein anerkannt worden ist. Nun soll bald die ganze Geschichte historisch aufgearbeitet und das Lager zu einem Besuchszentrum ausgebaut werden.

Himmelmoor: Torfbahn AG hat weitere Lokomotive gekauft

Vor dem Goldstein-Haus wird auch die kleine Nissenhütte offenstehen, die die Torfbahn AG als Werkstatt und Betriebshof für ihre inzwischen 14 Loks nutzt. Jüngste Errungenschaft ist die letzte Hamburger Feldbahn aus den 40er-Jahren, die einer Gärtnerei in den Vier- und Marschlanden gehörte und die mit einem Getriebemotor der früheren Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa ausgestattet ist.

Dabei werden die Fahrgäste der Torfbahn über die neue Baustelle am Torfwerk staunen können. Dort verlegt das Torfbahnbetreiber-Ehepaar Franziska und Dan Zelck gerade eigenhändig ein 300 Meter langes, neues Gleis, damit die Fahrgäste im nächsten Jahr direkt am Torfwerk in die Lorenbahnen einsteigen können und nicht mehr bis ins Moor laufen müssen. Eine anstrengende Arbeit mit Baggern und schwerem Gerät, bei der die Gleise für die Schleife eigens von den Zelcks gebogen werden müssen. „Wir schaffen zurzeit fünf Meter in zwei Arbeitstagen“, sagt Dan Zelck. Die Baugenehmigung haben sie vom Kreis erst kurzfristig Ende Oktober nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung erhalten.

Himmelmoor wird renaturiert und vernässt

Das Waagehaus ist das älteste Gebäude am Himmelmoor und war sogar noch bis vor zwei Jahren bewohnt. Jetzt soll es renoviert und zum Besucherzentrum des Himmelmoores ausgebaut werden, erklärt Theo Hildebrecht. Auch Toiletten und ein kleines Café seien geplant, damit die Besucher von dort aus gestärkt ihren Spaziergang in das mit 600 Hektar ehemals größte Hochmoor des Landes starten können.

Zurzeit wird das Moor, das die Landesforsten an die landeseigene Stiftung Naturschutz verpachtet hat, wieder renaturiert und vernässt, damit sich die einzigartige Flora und Fauna im Moor zurückentwickeln kann. Im Torfwerk und auf den Wegen des Himmelmoores wird diese den Besuchern auf Schautafeln ausführlich beschrieben.

Der Zeitpunkt des Veranstaltungstages sei in die Nähe des 9. Novembers gelegt worden, um an die Reichspogromnacht von 1938 zu erinnern, erklärt Enno Hasbargen. Das sonst an diesem Novemberwochenende stattfindende Konzert des Fördervereins sei bereits im Sommer gelaufen.

Tag der offenen Türen im Quickborner Himmelmoor: Sonntag, 7. November, 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Parkplätze gibt es am Torfwerk in der Himmelmoorchaussee 61.

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