Lärmschutz

Autobahnausbau: Rellingen fordert zwei Deckel über A23

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Burkhard Fuchs
Vorbild für CDU und FDP in Rellingen: der Deckel über er A7 in Hamburg-Schnelsen.

Vorbild für CDU und FDP in Rellingen: der Deckel über er A7 in Hamburg-Schnelsen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Bockwoldt / picture alliance/dpa

Mehrheit der Rellinger Politiker befürwortet die Idee. Kritiker: „Das ist völlig unrealistisch.“ Auch neue Fahrradstrecke in Planung.

Rellingen.  Die Rellinger Politik möchte den optimalen Lärmschutz für die Bevölkerung, wenn die A 23 wie geplant bis 2030 sechsspurig ausgebaut wird. Der Verkehrsausschuss hat am Dienstagabend mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen, statt einer höheren Lärmschutzwand zwei kleinere Autobahndeckel zu fordern – solche, wie sie jetzt beim Ausbau der A 7 in den Hamburger Stadtteilen Schnelsen, Stellingen und Othmarschen gebaut wurden und werden.

Zudem beschloss der Ausschuss, die Autobahn-Planungsgesellschaft Deges solle eine neue Fahrradstrecke entlang der A23 realisieren und für verkehrliche Verbesserungen an den Brücken der Anschlussstellen Krupunder und Halstenbek-Rellingen sorgen.

A-23-Ausbau: Rellingen will bestmöglichen Lärmschutz

„Wir wollen für unsere Bürger den bestmöglichen Lärmschutz erreichen“, begründet CDU-Vizefraktionschef Sören Wilkens diese Anträge seiner Fraktion, die bis auf den Deckel auch die Unterstützung der SPD erhielten. Deren Ausschussmitglied Markus Perbandt hält es für „Kokolores“, eine Überdeckelung der A 23 zwischen den Anschlussstellen Pinneberg-Mitte (Hauptstraße/Eichenstraße) und –Süd (Rellinger Straße) sowie Krupunder vom Wacholderweg bis zur Süntelstraße zu fordern. „Das ist völlig unrealistisch.“

Dem widerspricht Alexander Brömmelsiek (CDU). Als seinerzeit der A-7-Ausbau in Hamburg anstand und die Forderung einer Überdeckelung aufkam, sei das auch zunächst von den Medien als unrealistisch dargestellt worden und dann doch geplant und schließlich gebaut worden. „Man hört da nichts mehr von der Autobahn“ – das habe er selbst in Niendorf festgestellt, unweit des Schnelsener Deckels.

A-23-Ausbau: Grüne kritisieren Deckel-Idee der CDU

CDU-Gemeinderat Wilkens argumentiert, dass die Topografie es im Bereich der beiden Pinneberger A23-Ausfahrten durchaus hergebe, einen Deckel zu bauen. Dort liege die Autobahn tiefer als die umliegenden Ortsteile Rellingens. Ein 5,50 Meter hoher Deckel sei weniger klotzig als eine neun Meter hohe Lärmschutzwand. Zudem würde ein Deckel die Ortsteile, die durch den A-23-Bau „abgetrennt“ wurden, quasi wieder vereinen.

Ulf Eggers (Grüne) wirft der CDU vor, sie verteile mit dieser utopischen Deckelforderung „Bonbons“ an die Bevölkerung. Auch Jochen Hilbert von der Bürgerinitiative für umweltfreundliche Mobilität spricht in diesem Zusammenhang von einem „Bonbon für Rellingen von der CDU“, den er für eine „Blendgranate“ halte. „Eher drohen bis zu 14 Meter hohe Lärmschutzwände wie derzeit in Leverkusen.“

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A 23: SPD und Grüne lehnen Ausbau grundsätzlich ab

Seine BI lehnt den Autobahnbau wie die Grünen und die SPD grundsätzlich ab. Statt in den A-23-Ausbau solle das Geld lieber in die Verbesserung des Bus- und Schienenverkehrs gesteckt werden. Rellingen solle sich der Nachbargemeinde Halstenbek anschließen, die sich gegen den A23-Ausbau ausgesprochen hat, fordert Hilbert.

Anja Keller verweist auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes. „Wer die Verkehrswende wirklich will, kann unmöglich für einen sechsspurigen Ausbau der A-23 sein“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Mehr Straßen ziehen mehr Verkehr nach sich.“ Darum sei das Hauptargument der Ausbauplaner, mit den zusätzlichen Fahrstreifen auf der A 23 Staus und Verkehrschaos zu vermeiden, falsch.

A-23-Ausbau: Ist das Vorhaben noch abzuwenden?

CDU-Gemeinderat Wilkens hält dem entgegen, dass der A-23-Ausbau von der Bundesregierung als vordringlich im Bundesverkehrswegeplan eingestuft sei. Eine kleine Gemeinde wie Rellingen werde den Ausbau kaum verhindern können. „Totalverweigerung bringt nichts.“ Viel hilfreicher für die Rellinger Bürger sei es, wenn von Anfang an und frühzeitig die Positionen der Gemeinde in die Planungen einflössen.

Und dazu gehört nun außer der Forderung nach einem Deckel auch die, den Radverkehr qualitativ auszubauen. So solle die unmittelbar nördlich an der A 23 verlaufende Ahornstraße in Richtung Hamburg mit der Ulmenstraße, dem Heidestraße und dem Wacholderweg entlang des Radweges unter der Kellerstraße hindurch bis zur Kranichstraße geführt und von dort über die A23-Brücke in Höhe des Krupunder Sees zur Schwanenstraße auf die südliche Seite geführt werden.

Dort soll der ausgebaute Radweg dann weiter über Kiefernweg, Kastanienallee, Buchenstraße und Tannenweg bis zur Altonaer Straße ausgebaut werden. Dem stimmten auch SPD und FDP zu. Die Grünen nicht. Anja Keller: „Wir brauchen jetzt ein besseres Veloroutennetz und nicht erst 2030.“

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