Schießsport Quickborn

Warum New Yorks Gouverneur den Schützen-Professor anrief

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Burkhard Fuchs
Christoph Meier-Siem gab jetzt nach 20 Jahren den Vorsitz des Schützenvereins Quickborn-Renzel von 1928 auf.

Christoph Meier-Siem gab jetzt nach 20 Jahren den Vorsitz des Schützenvereins Quickborn-Renzel von 1928 auf.

Foto: Burkhard Fuchs

Hochschullehrer Christoph Meier-Siem war 20 Jahre Chef der Quickborner Schützen. Dann veränderte eine Nachricht sein Leben.

Quickborn.  Er ist mit Sicherheit einer der buntesten und schrillsten Vögel unter den Schützen im Kreis Pinneberg: Medien-Unternehmer, Hochschulprofessor am Institut für Kultur- und Medienmanagement in Hamburg und an der Middlesex-University in London, Porsche-Fahrer, Segler, Musikliebhaber, Feierbiest. Jetzt ist Christoph Meier-Siem, der sein Alter mit Anfang 70 nicht so gern preisgibt, nach 20 Jahren als Vorsitzender des Schützenvereins Quickborn-Renzel von 1928 zurückgetreten; mit rund 400 Mitgliedern ist der einer der größten Schützenvereine im Kreis Pinneberg.

Denn Meier-Siem tritt seine dritte Professur an der State University of New York an. Da müsse er vor Ort sein, sagt Meier-Siem. „Das ist leider nicht mehr mit der Vereinsarbeit zu bewerkstelligen.“ Es tut ihm selbst leid, das Amt aufgeben zu müssen. Zum Nachfolger ist Ralph Nolte gewählt worden.

Zum Schützenverein in Quickborn kam der Hamburger Meier-Siem eher zufällig. Ein Freund nahm ihn mal zum Schießen ins Vereinsheim im Kugelfang am Harksheider Weg mit. „Dabei hatte ich mit Schießen nie etwas am Hut“, sagt Meier-Siem. „Ich war sogar Kriegsdienstverweigerer.“ Aber der Sport faszinierte ihn, die Gemeinschaft gefiel ihm, das Essen in der Vereinskantine war gut, lecker und günstig. So blieb er dabei, kümmerte sich um die Pressearbeit und wurde sogar einmal Deutscher Meister im Pistolenschießen – Großkaliber, versteht sich.

Meier-Siem begann Karriere Mitte der 70er-Jahre als Radio-Journalist

In Hamburg hat er sich ein kleines Medienimperium aufgebaut. Mit Kumpel Thomas Timm den T&M-Verlag – „das ,M‘ steht für Meier-Siem“ – gegründet, der heute 42 Mitarbeiter beschäftigt. Der Verlag gibt seit 35 Jahren die Kino-News heraus, die in allen McDonalds-Läden ausliegen. Er promotet Kinofilme. Er produziert die Oldie-Musiksendung „Kunos“, die auf dem Sender Hamburg1 läuft.

Angefangen hätten sie Mitte der 70er-Jahre als freie Musikjournalisten fürs Radio, erzählt Meier-Siem. Erster Gesprächspartner sei die damalige Newcomer-Band Status Quo gewesen. „Die waren so nett und freundlich zu uns, dass sie das Interview glatt wiederholten, als wir feststellten, dass auf dem Tonband gar nichts drauf war“, erinnert sich Meier-Siem schmunzelnd. Das sei ihm nie wieder passiert. „Vor jedem Interview haben wir erst mal die Technik überprüft.“

Viele Quickborner Feste gehen auf Meier-Siems Initiative zurück

2001 übernahm der Medienprofi den Schützenverein. Der sei damals in der Krise gewesen: interner Streit, sinkende Mitgliederzahl, marodes Vereinsheim, kein Internetauftritt und schwindender Zuspruch in der Bevölkerung. Das Schützenfest fand „weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt“. Meier-Siem schlichtete den Streit und überzeugte den damaligen Bürgermeister Günter Thonfeld und Bürgervorsteher Thomas Köppl davon, das städtische Eulenfest mit dem Schützenfest zusammenzulegen, das in guten Zeiten bis zu elf Tage Programm bietet und beim Festumzug mit 500 Teilnehmern bis zu 4000 Quickborner Spalier stehen lässt.

Auch das Weinfest und die Ü-30-Party mit seinem Haus-und-Hof-DJ Kuno hob der rührige Schützenvereinschef aus der Taufe.

2005 wurde das neue Vereinsheim gebaut. Es nennt sich jetzt „Schieß-Sport-Zentrum Quickborn“, da auch andere Vereine die Räumlichkeiten nutzen und überregionale Schießwettkämpfe dort ausgetragen werden. Der Verein zählt heute weiterhin rund 400 Mitglieder. „Es sind nur zwölf Mitglieder in der Corona-Zeit ausgetreten“, sagt Meier-Siem, das freut ihn. Das liege auch an den konstant günstigen Mitgliedsbeiträgen von 8,40 Euro im Monat. Trotzdem wäre der Verein beinahe wieder ins Schlingern geraten, berichtet der Ex-Vereinschef.

Wichtige Zuschüsse für die Sanierung des Schützenvereinsheim-Daches und Corona-Soforthilfen seien nicht beantragt worden. So hätte sich der Verein beinahe an der Dachsanierung von mehr als 100.000 Euro verhoben. Doch in letzter Minute habe er rund 50.000 Euro Zuschüsse von Stadt und Land akquirieren und so den Verein vor einer Überschuldung bewahren können, sagt Meier-Siem. „Ich übergebe den Verein gut aufgestellt. Es waren 20 goldene Jahre für mich, die mich geprägt haben. Ich habe viele Freunde im Verein und in der Stadt gewonnen.“

Der Anruf aus New York kam im Frühjahr. Dann ging alles ganz schnell

Und wie erreichte ihn der Ruf nach New York? Es war ein Anruf im Frühjahr dieses Jahres. „Mr. Meier-Siem, hier ist der Gouverneur für Sie“, sagte eine freundliche Frauenstimme am Telefon zu ihm. Und dann hatte der Quickborner Schützenvereinschef plötzlich den damaligen New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo am Apparat. Der fragte Meier-Siem, ob er nicht an der State-University über Medien und Kommunikation unterrichten wolle.

Ein Angebot, das ihm sofort gefiel und das er nicht ausschlagen konnte. Zumal seine Tochter zurzeit in den USA in Pasadena studiert. Zehn Tage später rief ihn die Prodekanin der Universität an und machte alles klar für das kommende Frühjahrssemester, erzählt Meiert-Siem und ist immer noch überrascht, die Gastprofessur in den USA bald antreten zu können.

"Im Schützenverein werde ich natürlich weiterhin Mitglied bleiben.“

Den Kontakt zu Cuomo hatte er im Herbst vorigen Jahres gesucht, als er dessen tägliche Pressekonferenzen zur Corona-Lage in New York verfolgte. Die hätten ihm so gut gefallen, dass er dem Gouverneur eine E-Mail schrieb, in der er ihm sagte, wie begeistert er davon sei, wie gut Cuomo seinen Bürgern die Lage erkläre.

Dass der diese E-Mail offenbar tatsächlich zu lesen bekam und ihm dann diese Professur anbot, damit hätte er im Traum nicht gerechnet, sagt Meier-Siem. „Cuomo ist ein total netter Typ, ein absoluter Profi.“ Dass der im August wegen Belästigungsvorwürfen zurücktreten musste, konnte niemand ahnen. „Jetzt muss ich mir erst einmal ein Appartement in Albany“ suchen“, sagt der Weltenbummler. „Im Schützenverein werde ich natürlich weiterhin Mitglied bleiben.“

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