Sparkasse Holstein

Sparkassen-Fusion geplatzt – wegen geheimer Absprachen?

| Lesedauer: 6 Minuten
Burkhard Fuchs und Lutz Kastendieck
Da beschworden sie noch die Fusion: die Landräte Henning Görtz (Stormarn, l.) und Jan Peter Schröder (Segeberg, r.) mit den Vorstandschefs Thomas Piehl (Holstein, 2.v.l.) und Andreas Fohrmann (Südholstein, inzwischen entlassen).

Da beschworden sie noch die Fusion: die Landräte Henning Görtz (Stormarn, l.) und Jan Peter Schröder (Segeberg, r.) mit den Vorstandschefs Thomas Piehl (Holstein, 2.v.l.) und Andreas Fohrmann (Südholstein, inzwischen entlassen).

Foto: Burkhard Fuchs

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Sparkasse Südholstein einen Rückzieher machte, weil sie eine Übernahme durch die Hintertür fürchtete.

Pinneberg/Bad Segeberg/Neumünster. Die Sensationsnachricht ging am späten Dienstagnachmittag raus: „Die Sparkasse Südholstein beendet die Fusionsgespräche mit der Sparkasse Holstein“, lautete die völlig überraschende Information. Die beiden Sparkassen mit Sitz in Neumünster (Südholstein) und Bad Oldesloe (Stormarn) führten seit Juni enge Verhandlungen, um sich bis 2023 zur größten Sparkasse in Schleswig-Holstein zusammenzuschließen.

Plötzlich alles passé. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts ging die Initiative zum sofortigen Stopp dieser Gespräche von der Sparkasse Südholstein aus. Insider sprechen davon, dass es möglicherweise geheime und vertrauliche Absprachen zwischen dem erst im August geschassten Vorstandschef Andreas Fohrmann und dessen Stormarner Kollegen Thomas Piehl gegeben haben könnte, die nach einer feindlichen Übernahme durch Stormarn ausgesehen hätten.

Sparkasse Holstein vom Aus für Fusion völlig überrascht

Auch die Sparkasse Holstein zeigte sich völlig überrascht von dem plötzlichen Abbruch der Fusionsverhandlungen: „Am 19. Oktober wurde die Sparkasse Holstein ohne Angabe von Gründen informiert, dass der Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein seinen Beschluss zur Prüfung der Realisierung einer Fusion vom Juni widerrufen hat. Beweggründe hierfür wurden seitens der Sparkasse Südholstein nicht genannt“, teilt Sparkassensprecher Björn Lüth mit und ergänzt: „Die Sparkasse Holstein bedauert aber respektiert diese Entscheidung der Sparkasse Südholstein.“

Montagabend war der Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein zu einer Sondersitzung nach Neumünster einberufen worden. Dazu befragte Verwaltungsräte hielten sich mit Aussagen wie gewohnt vornehm zurück. „Aber der Unmut war deutlich zu spüren“, sagte ein Insider dem Abendblatt.

Sparkasse Südholstein: Widerstand gegen Fusion im Verwaltungsrat

So sollen vor allem die Mitarbeitervertreter im Verwaltungsrat eine Fortführung der Fusionsgespräche kategorisch abgelehnt haben. Sie machten sich ernsthafte Sorgen um ihre Arbeitsplätze, wenn es zu dem Zusammenschluss der beiden Sparkassen kommen würde. Und sie sollen den Verwaltungsrat auch zu einer sofortigen Entscheidung gedrängt haben. Zu einer Vertagung zeigten sie sich nicht bereit.

Dieser Unmut unter ihren Kollegen lässt sich auch aus der offiziellen Presseerklärung von Sparkassensprecherin Imke Gernand herauslesen, wenn sie schreibt: „Der Verwaltungsrat der Sparkasse Südholstein hat in seiner Sitzung am 18. Oktober 2021 entschieden, die im Juni 2021 eingeleiteten Fusionsgespräche mit der Sparkasse Holstein aktuell nicht fortzuführen. Hierüber haben wir die Sparkasse Holstein unmittelbar persönlich informiert.“

Geplatzte Sparkassen-Fusion: "Unterschiede größer als ursprünglich gedacht"

Wenn auch die weitere Begründung eher undurchsichtig daherkommt. Die Unterschiede beider Häuser seien in den vertiefenden Verhandlungen zu groß gewesen. Zwar verbinde beide Sparkassen „eine starke finanzielle Basis, die hohe Kundenorientierung und das Verständnis als Finanzierungspartner für die Regionen Südholstein und Holstein“, schreibt sie. „Doch haben weiterführende Gespräche gezeigt, dass die Unterschiede größer sind als ursprünglich erwartet.“

Auf Nachfrage des Hamburger Abendblatt sagt Gernand dazu, dass die etwa 20 leitenden Mitarbeiter, Bereichsleiter für Organisation und IT und Filialdirektoren in den zahlreichen Gesprächen „leider“ festgestellt hätten, dass die Vertriebsstrukturen, die technische Infrastruktur, Digitalisierung sowie die Prozesse und Abläufe zu unterschiedlich seien, um sie zusammenzuführen.

Dabei gehe es um finanzielle Investitionen und den Aufwand, der als zu hoch angesehen werde. „Dieser Kraftakt, das alles zusammenzuführen, macht zurzeit keinen Sinn“, so die Sparkassensprecherin auf Nachfrage. Und ergänzt wieder etwas klarer: „Wir wollen uns da auch wiederfinden.“

Vorstand der Sparkasse Holstein zeigt sich enttäuscht

Segebergs Landrat Jan Peter Schröder wird als Vorsitzender des Verwaltungsrates zitiert: „Die gute Idee eines Zusammenschlusses beider Häuser war es wert, geprüft zu werden. Doch hat sich gezeigt, dass die Unterschiede zwischen beiden Häusern leider größer sind als erwartet. Es war daher eine schwierige, aber verantwortungsvolle Entscheidung, die Fusionsabsicht aktuell nicht weiter voranzutreiben.“

Thomas Piehl, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Holstein, sagt: „Die Fusion wäre wirtschaftlich überzeugend und aus unserer Sicht mit deutlichen strategischen Chancen in der nördlichen Metropolregion Hamburg verbunden. Deshalb hätten wir gern unsere Stärken in ein neues, gemeinsames Institut zum Vorteil der Region, der Kunden, der Mitarbeiter, der Träger und der gesamten Sparkassenorganisation auf Augenhöhe eingebracht.“

Die Entscheidung, die Fusionsgespräche abzubrechen, sei nicht einstimmig, sondern mehrheitlich gefallen, sagt Imke Gernand auf Nachfrage. Mit dem Ausscheiden des Vorstandschefs Andreas Fohrmann habe dies nichts zu tun, betont sie. Die beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder Martin Deertz und Eduard Schlett hätten die eingeleiteten Fusionsgespräche seitdem fortgeführt. „Sie waren auch von Anfang an darin involviert.“

Sparkasse Südholstein: "Wir suchen aktuell keinen weiteren Partner"

Doch womöglich hat Fohrmann geheime und vertrauliche Absprachen mit seinem Amtskollegen aus Stormarn getroffen, die eine gleichberechtigte Partnerschaft vermissen ließen, heißt es von einem Insider. Diesen Vorwurf sollen die Mitarbeitervertreter im Verwaltungsrat deutlich, fast polemisch zum Ausdruck gebracht haben.

So soll sich unter den leitenden Mitarbeitern zunehmend das Misstrauen entwickelt haben, dass hier nicht zwei gleichberechtigte Partner zusammenkommen, sondern die Südholsteiner untergebuttert werden sollen. Nach dem Motto: „Wir übernehmen hier, ihr habt eh bald nichts mehr zu sagen.“ Sogar der Name für die fusionierte Sparkasse stand ja im Juni bereits fest: Sie sollte nur Sparkasse Holstein heißen.

Daraus wird nun nichts. „Wir behalten unseren Namen. Wir suchen aktuell keinen weiteren Partner“, betont Sprecherin Gernand. „Wir brauchen nicht zu fusionieren. Uns geht es ja gut.“ Und sie sagt selbstbewusst: „Es ist nicht Not am Mann. Wir sind eine der bundesweit vertriebsstärksten Sparkassen.“

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