VR Bank

Das Bankensterben im Kreis Pinneberg geht weiter

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Burkhard Fuchs
Diese kleine Filiale der VR Bank in Holstein in Bilsen schließt zum Jahresende – ebenso wie die Geschäftsstelle in Halstenbek-Krupunder.

Diese kleine Filiale der VR Bank in Holstein in Bilsen schließt zum Jahresende – ebenso wie die Geschäftsstelle in Halstenbek-Krupunder.

Foto: Burkhard Fuchs

VR Bank schließt zum Jahresende die Filialen in Bilsen und Halstenbek-Krupunder. Was das für Kunden bedeutet.

Kreis Pinneberg.  Das Bankensterben in der Region geht in die nächste Runde. Jetzt hat die VR Bank in Holstein angekündigt, dass sie zum 1. Januar 2022 sieben ihrer zurzeit 27 Geschäftsstellen schließen wird. Betroffen sind davon mit Bilsen und Halstenbek (Seestraße) zwei Standorte im Kreis Pinneberg sowie fünf im Kreis Segeberg: Henstedt-Rhen, Alveslohe, Schmalfeld, Lentföhrden und Kisdorf.

VR Bank schließt zwei Filialen im Kreis Pinneberg

Nur in Halstenbek-Krupunder verbleibt ein Geldautomat und auch die zweite Geschäftsstelle im Ort an der Gustavstraße soll erhalten bleiben. Betroffen davon sind nach Angaben der Genossenschaftsbank 8000 Kunden, die darüber Anfang Oktober informiert worden seien, und 15 Mitarbeiter, die auf die verbleibenden Filialen verteilt würden, so Bankensprecherin Jasmin van Gysel.

Damit hat die VR Bank in Holstein seit 2019, als sie aus der Fusion der Volksbank Pinneberg-Elmshorn mit der Raiffeisenbank Bad Bramstedt-Henstedt-Ulzburg hervorging, ein Drittel ihres Filialnetzes aufgegeben. Zuvor waren bereits drei Geschäftsstellen im Kreis Segeberg zugemacht worden. Bereits 2017 hatte die Volksbank Pinneberg-Elmshorn sieben ihrer damals 21 Filialen geschlossen. Das waren die Geschäftsstellen in Ellerbek, Hasloh, Moorrege, Brande-Hörnerkirchen, Hebbelplatz in Elmshorn, Friedrich-Ebert-Allee in Schenefeld und Norderstedt.

VR Bank: Geschäftsstellen auf dem Prüfstand

Im Zuge der Fusion würde es auf keinen Fall Personalabbau oder Filialschließungen geben, betonten die vier Bankvorstände noch vor der Ende 2018 erfolgten Fusion. Das sei die Vorgabe beider Aufsichtsratsgremien gewesen. Vorstandsmitglied Ingmar Kampling deutete da aber bereits an, dass die eine oder andere kleinere Filiale irgendwann doch auf den Prüfstand käme. „Aber frühestens in drei Jahren.“ Das ist nun offenbar der Fall.

Bei der Bilanzkonferenz im April dieses Jahres hieß es, dass alle zurzeit 27 Geschäftsstellen der VR Bank Holstein „auf den Prüfstand ihrer Wirtschaftlichkeit“ gestellt würden. „Wir sind noch in der Analyse“, sagte damals der für das Privatkundengeschäft zuständige Vorstand Andreas Jeske.

Diese Auswertung ist nun offenbar abgeschlossen. Jeske sagt nun dazu auf Nachfrage des Abendblatts: „Ein zweijähriger Rhythmus zur Überprüfung des Filialnetzes, wie im Frühjahr schon angedeutet, hat im Sommer 2021 zu der Entscheidung geführt diese sieben Filialen zu schließen.“ Ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit eines Standorts sei nicht nur die Kundenfrequenz vor Ort, sondern auch das veränderte Kundenverhalten in Richtung digitaler Medien und die Bewertung der weiteren Infrastruktur eines Standortes. „Natürlich fällt so eine Entscheidung nicht leicht, doch sind solche Maßnahmen für eine zukunftsfähige und schlagkräftige VR Bank in Holstein jetzt unumgänglich“, so Vorstandsmitglied Jeske.

Bank will keine Stellen abbauen, 15 Mitarbeiter betroffen

„Wir behalten alle 15 betroffenen Mitarbeiter aus den Filialen. Sie fangen zum Teil bereits im November schon in ihren neuen Standorten an.“ Immer mehr Kunden würden ihre Bankgeschäfte telefonisch oder online über das Internet abwickeln, erklärt Bankensprecherin Jasmin van Gysel. „Der Besuch der örtlichen Filiale für das alltägliche Bankgeschäft wird immer seltener.“

Das vorige Jahr mit seinen Rahmenbedingungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen habe diesen Trend weiter beschleunigt. „Wir konnten einen Kundenkontaktrückgang vor Ort in den betroffenen Filialen von durchschnittlich 50 Prozent feststellen.“ Wenn die Kunden in die Filialen kämen, würden sie dies mit anderen Erledigungen verbinden, oder ihr Bargeld gleich beim Einkauf im Supermarkt mitabheben.

Bankvorstand Jeske. „Bis heute stellen wir fest, dass sich das alltägliche Bankgeschäft zunehmend auch dort konzentriert, wo die Menschen hauptsächlich durch Arbeits- oder Einkaufswege unterwegs sind.“ Der VR Bank in Holstein sei „wichtig, dass wir da sind, wo unsere Kunden sind. Wir sind nicht weg. Nur woanders.“

VR Bank in Holstein hat zwölf Geschäftsstellen im Kreis

Halstenbeks Bürgermeister Claudius von Rüden bedauert die Schließung der VR Bankfiliale an der Seestraße, freut sich aber zugleich, dass „die persönliche Beratung in der Bankfiliale in der Gustavstraße erhalten bleibt“. Diese sei eine S-Bahnstation von Krupunder entfernt. „Die Gründe sind nachvollziehbar. Wir leben in einer digitalen Welt“, sagt von Rüden, der vor einer Woche über die Schließungspläne informiert worden sei.

„Die Banken stehen im Wettbewerb und dürfen so eine Entscheidung treffen. Die Filiale in der Gustavstraße steht aber nicht zur Debatte. Das ist für uns der entscheidende Punkt.“ Bilsens Bürgermeister Peter Lehnert war für eine Stellungnahme am Freitag nicht erreichbar.

Die VR Bank in Holstein wird zwölf Geschäftsstellen im Kreis Pinneberg, fünf im Kreis Segeberg und drei im Kreis Steinburg unterhalten. Sie beschäftigt insgesamt 462 Mitarbeiter und betreut 120.000 Kunden bei einer Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis vor Steuern betrug 2020 25 Millionen Euro. Und sie investiert auch in kleinere Filialen. So errichtet sie gerade in Bönningstedt für 2,5 Millionen eine neue Filiale gegenüber der jetzigen Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße.

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