Nachruf

Heinz Oertel stirbt kurz vor seinem 104. Geburtstag

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Heinz Oertel 2017 an seinem 100. Geburtstag mit Tochter Petra.

Heinz Oertel 2017 an seinem 100. Geburtstag mit Tochter Petra.

Foto: HA

Der Grundschullehrer und Gründer der Bönningstedter Volkshochschule hat viel für den Ort getan. Ein Nachruf.

Bönningstedt.  Er war jahrzehntelang Chronist seiner Wahlheimatgemeinde und hat 1975 die Volkshochschule in Bönningstedt gegründet, die er bis 1993 geleitet hat. Jetzt ist Heinz Oertel gestorben, der am heutigen Tag 104 Jahre alt geworden wäre. Die Gemeinde Bönningstedt, in der er bis vor einem Jahr noch selbstständig allein lebte, hat seine Verdienste zum 90. Geburtstag gewürdigt, indem sie ihm einen Heinz-Oertel-Stieg in der Nähe seines Wohnhauses in der Grellfeldtwiete schenkte.

Heinz Oertel war Grundschullehrer in Bönningstedt

„Alt-Bönningstedter kennen ihn alle“, schrieb Gisela Gröning in der jüngsten Ausgabe der Ortschronik des Heimatvereins über den ältesten Bürger der Gemeinde. Als VHS-Leiter organisierte Oertel nicht nur Sprach- und Weiterbildungskurse. Er lud namhafte Autoren wie Siegfried Lenz oder Pavel Kohout zu Lesungen ein. Er leitete bis vor etwa 20 Jahren die örtliche Sektion der Universitätsgesellschaft und saß einige Jahre dem Festausschuss der Dorfgemeinschaft vor. Zudem initiierte er die Partnerschaften der Gemeinde mit Seaford in England und Crivitz in Mecklenburg.

Von Beruf war Oertel bis zu seinem Ruhestand Grundschullehrer an der Hermann-Löns-Schule in Ellerbek. Geboren wurde er am 14. Oktober 1917 in Neustadt an der Orla in Thüringen. Vor dem zweiten Weltkrieg arbeitete Oertel als Karikaturist und Illustrator für Verlage und lebte in Gotha. Die Einberufung in den Reichsarbeitsdienst und zum Militär zerstörte seinen Wunsch, Pädagogik in Weimar zu studieren. Der Wehrdienst führte ihn 1943 nach Bönningstedt, wo er Flakbatteriechef war und seine Frau kennenlernte, mit der er drei Töchter hatte.

Diese leben in England, USA und Frankfurt und besuchten ihn regelmäßig. Nach dem Krieg arbeitete er als kaufmännischer Angestellter für die Rugenbergener Mühle und für Hamburger Verlag, bis er 1964 als Quereinsteiger Lehrer wurde. Mit 40 Jahren verlor er durch den Grünen Star sein rechtes Augenlicht, der ihn mit 95 ganz erblinden ließ. Dennoch vermochte Oertel seine Chroniken druckreif diktieren. Er wird auf eigenen Wunsch in aller Stille in Bönningstedt beerdigt.

( bf )

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