Kreis Pinneberg

Bürger können den Ausbau der A 23 mitplanen

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Burkhard Fuchs
Bauingenieur Dániel Szerencsi, hier am Rastplatz Forst Rantzau, plant den sechsspurigen Ausbau der A23 zwischen Tornesch und Hamburg.

Bauingenieur Dániel Szerencsi, hier am Rastplatz Forst Rantzau, plant den sechsspurigen Ausbau der A23 zwischen Tornesch und Hamburg.

Foto: Burkhard Fuchs

Fünf Anwohner für jeden der drei Bauabschnitte direkt beteiligt. Wie der Prozess läuft und wer noch mitreden darf.

Kreis Pinneberg.  Der bis 2030 geplante Ausbau der Autobahn 23 von vier auf sechs Fahrspuren zwischen Tornesch und dem Autobahnkreuz Hamburg-Nordwest ist in der Bevölkerung nicht unumstritten. Um deren Bedenken und Anregungen von Anfang an mit aufzunehmen, bietet die Planungsgesellschaft Deges neue Beteiligungsformen und Dialogforen an.

A23-Ausbau: Anwohner an Planung beteiligt

So hat sie jüngst zu einer Radtour entlang der 16 Kilometer langen Strecke eingeladen und wiederholt diese am Sonnabend, 6. November. Zudem wird es für jeden der drei Abschnitte Nord (Tornesch, Kummerfeld), Mitte (Pinneberg, Rellingen) und Süd (Halstenbek) sogenannte Planungswerkstätten geben, die am Donnerstag, 28. Oktober, zum ersten Mal in Kummerfeld zusammenkommen sollen. Daran können sich auch jeweils fünf Anwohner beteiligen, so Deges-Sprecher Ulf Evert.

Die 15 Plätze würden am kommenden Freitag, 15. Oktober, verlost. Die Verlosung werde im Internet live übertragen, sagt er. „Es haben sich 170 Anwohner dafür bei uns beworben. Es ist das erste Mal, dass wir eine solche Bürgerbeteiligung in dieser frühen Planungsphase anbieten.“

Neben den betroffenen Anwohnern werden allen drei Planungswerkstätten die jeweiligen Bürgermeister sowie Gemeindevertreter, Wirtschafts- und Umweltverbände angehören, so der Deges-Sprecher. Dazu zähle auch die „A 23-Bürgerinitiative für umweltfreundliche Mobilität“ mit Sitz in Rellingen. Jeweils ein Vertreter dieser BI werde zu den drei Planungswerkstätten eingeladen, sodass etwa 15 Vertreter aus der Politik, Verwaltung, Bürgerschaft und den Verbänden in den drei Beratungsgremien sein werden, so Deges-Sprecher Evert.

Bürgerinitiative gegen den sechsspurigen Ausbau

Das freut Jochen Hilbert von der„A 23-Bürgerinitiative für umweltfreundliche Mobilität“ sehr. „Wir haben beantragt, dass wir als Verband anerkannt werden.“ Seine Einschätzung ist, dass die Deges auf diese Weise von Anfang an erreichen möchte, dass die Planung des Autobahnausbaus „niet- und nagelfest“ sein soll und nicht später durch Klagen der Betroffenen verzögert werden kann.

BI-Sprecher Hilbert sagt: „Wir sind gegen diesen sechsspurigen Ausbau der A 23.“ Stattdessen solle lieber der öffentliche Nahverkehr weiter verbessert werden. Er habe auch an der von der Deges angebotenen Radtour teilgenommen, bei der etwa 20 Interessierte mitgeradelt seien, sagt Hilbert. Von der Deges sei fast ein Dutzend Mitarbeiter dabei gewesen, so Hilbert. „Mir fiel auf, dass die Deges einen hohen Personalaufwand betreibt.“

Mit der eigentlichen Projektplanung ist der Bauingenieur Dániel Szerencsi bei der Deges betraut. „Wir sind zurzeit in der Vorplanung“, sagt er. Das sei die zweite Planungsphase vor der eigentlichen Entwurfsplanung und der finalen Genehmigungsplanung für den Planfeststellungsbeschluss, der 2025 erfolgen soll. Darum hätten die Bürger und Verbände jetzt noch einen recht großen Einfluss auf die Detailplanung, so der Projektleiter für den A23-Ausbau.

Lärmschutzwälle sollen erhöht und erweitert werden

So sei überhaupt noch nicht klar, auf welcher Seite die Autobahn verbreitert werden soll. Dies könnte entlang der Strecke auf beiden Seiten oder nur auf der nördlichen oder südlichen Seite geschehen. Überwiegend gehe es um etwa sechs Meter Verbreiterung für die A 23, die an der engsten Stelle von 28 auf 36 Meter verbreitert werden soll. Neben den beiden zusätzlichen Fahrspuren soll auch der Mittelstreifen von zwei auf vier Meter Breite vergrößert werden, kündigt Szerencsi an.

Für die betroffenen Anlieger werde es im Wesentlichen um den Lärmschutz gehen, sagt der A 23-Planer. So sollen die Lärmschutzwälle oder –wände, je nach Platzverhältnissen, auf 7,50 bis neun Meter erhöht werden. Auch an den Stellen, wo es noch keine Lärmschutzwände gibt. Zudem soll ein offenporiger Asphalt, wie es ihn zurzeit nur im südlichen Teil der A23 bei Halstenbek gibt, bis zur Ausfahrt Pinneberg-Nord aufgetragen werden. Deges-Sprecher Evert verspricht darum: „Es wird für die Anwohner auf jeden Fall leiser. Das ist unsere Botschaft.“

Die Deges mit Sitz in Berlin beschäftigt an sechs Standorten in Deutschland 500 Mitarbeiter. „Der Raum Hamburg ist zurzeit unser Hotspot“, sagt Sprecher Evert. Nirgendwo sonst würden zurzeit so viele Autobahnprojekte geplant.

Keine weiteren Baustellen am Nadelöhr Hamburg

So werde von Hamburg aus neben dem A 23-Ausbau auch die A 20, die A 26 und der A 7-Ausbau geplant, so Evert. Auch der Neubau der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg, der 2022 beginnen soll, gehöre dazu.

Bevor die A 23 zur Großbaustelle wird, sollen erst der Tunnel bei Bahrenfeld und Othmarschen vor dem Elbtunnel fertiggestellt und die A 7-Brücke südlich des Elbtunnels bis zum Autobahnkreuz Hamburg-Hafen, mit vier Kilometern die längste Autobahnbrücke in Deutschland, erneuert sein, so der Deges-Sprecher. „Es soll keine weiteren Baustellen auf dem Nadelöhr Hamburg geben, bevor wir hier loslegen.“

Im nächsten Jahr wird aber erst einmal der lärmmindernde, offenporige Asphalt auf der A23 bis Pinneberg-Nord erweitert, um für weitere Lärmreduzierung zu sorgen. Für diesen Projektabschnitt werden gerade die Vermessungsarbeiten ausgeführt wurden. Bei dieser Gelegenheit wird der gleiche Asphalt verbaut, der bereits von Halstenbek bis zur Landesgrenze aufgebracht wurde.

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