Kreis Pinneberg

Warum ein Rellinger eine Rentnerband gründet

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Kitty Haug
Wolfgang Müller tauschte seine alte Schülerband-Akustikgitarre gegen eine Fender-E-Gitarre.

Wolfgang Müller tauschte seine alte Schülerband-Akustikgitarre gegen eine Fender-E-Gitarre.

Foto: Wolfgang Müller

Wolfgang Müller (73) war einst Mitglied einer Rockgruppe. Warum er es nun noch mal krachen lassen will.

Rellingen. Volkslieder oder auch kirchliches Liedgut sind nicht sein Ding. Wolfgang Müller will es musikalisch wieder krachen lassen, wie in den 1960er-Jahren. Vor zwei Jahren findet der mittlerweile 73-Jährige beim Ausmisten seine alte Akustikgitarre, entdeckt erneut seine Leidenschaft für Rockmusik. Jetzt sucht er Menschen im Ruhestand, die ebenfalls Freude an der Musik haben und mit denen er seine „spleenige Idee von der Gründung einer Seniorenband“ umsetzen kann.

Müller sucht Mitstreiter für seine Seniorenband

Einen Übungsraum in der Rellinger DRK-Begegnungsstätte am Appelkamp 8 hat er bereits, nur die Musiker fehlen halt noch. „Ich suche noch einen Gitarristen, einen Bassisten und einen Drummer, egal ob Hobbymusiker oder bühnenerfahren. Später vielleicht noch einen Sänger oder einen Keyboarder“. Es geht ihm darum, gemeinsam zu spielen, an Auftritte denkt Müller noch nicht. Auf der Setlist sollen Songs aus den 1960er-Jahren stehen, wobei das Repertoire je nach Interesse auch auf moderne Rock- und Popmusik ausgeweitet werden kann, erklärt Müller.

Üben in seinem Keller kommt nicht in Frage. „Das würde meiner Ehefrau nicht passen“, erklärt Müller. Daher nimmt er Kontakt auf zur DRK-Sozialstation und Begegnungsstätte in Rellingen. Die Leiterin der Senioreneinrichtung, Nicole Giese, ist gleich von der Idee begeistert: „Das ist eine ganz tolle Ergänzu

ng zu unserem Angebot“, denn Musik ist wichtig. Wichtig sei auch die Auswahl der Musik für Personen ab 60 Jahren. Schlager und Volksmusik à la Heintje oder Roy Black, die wie am laufenden Band oftmals noch in Seniorenunterkünften im Hintergrund laufen, sind zwar beliebt. Aber mittlerweile ist der Musikgeschmack von Senioren genauso breitgefächert wie der Musikgeschmack in der Gesamtbevölkerung.

Als Jugendlicher spielt Müller in einer Schülerband

„Rockmusik fehlt hier definitiv“. Und Giese ist sich sicher, es wäre dann die erste Seniorenband im Kreis Pinneberg. Sie stellt den Raum zu Verfügung. Er ist klein, „wir wollten warten, bis die neue Begegnungsstätte am Ellerbeker Weg fertig ist, aber das dauert ja noch etwas“, ergänzt Giese.

Es sind Songs wie „She Loves You“ oder „I Want To Hold Your Hand“, die Müller 1964 in Düsseldorf so begeistern, dass er auf die Idee kommt, mit Schulfreunden die Musik der Beatles nachzuspielen. Von seinem Taschengeld kauft er sich eine Westerngitarre, im Keller eines Freundes wird nahezu täglich geübt. Musikunterricht hat Müller nie. Alles, was er kann hat, bringt er sich selbst bei, so wie alle seiner Bandkollegen. Es klappt gut, denn das Gros der Songs ist mit wenigen Akkorden spielbar. Damit ist der Grundstein für die Schülerband The Turns gelegt. Die fünf jungen Männer treten anfänglich in einer kirchlichen Begegnungsstätte auf, danach folgen Auftritte in ihrer Schule, auf Partys oder in Kneipen. „Es war eine tolle Zeit“, erinnert sich Müller.

Wehrdienst setzt der Bandkarriere ein Ende

„Es gab sicherlich bessere Bands als uns“, doch es reicht immerhin für ein zweijähriges Engagement im Düsseldorfer Tanzlokal „Am Ostpark“. Bis zu 120 Leute kamen immer sonnabends, „wir haben die Bude vollgekriegt, die Stimmung war immer klasse“, so Müller. Die Bezahlung war überschaubar, „darum ging es uns auch gar nicht. Wir wollten einfach nur Spaß haben“. Und sogar einen Wettbewerb, ausgetragen unter Düsseldorfer Amateurbands, gewinnen The Turns, auch wenn die Hörakustik zu wünschen übrig ließ. „Wir waren ja Schüler, hatten von Technik keine Ahnung und auch nicht das Geld dafür“, erklärt der Musiker.

Nach der Beatles-Mania werden Songs der Rolling Stones, der Kinks, von Jimi Hendrix oder auch von Simon & Garfunkel nachgespielt. „Wir waren eine reine Cover-Band, keiner von uns war so kreativ, dass er selber komponieren konnte“. Etwa 70 der damals beliebten Songs haben sie im Repertoire.

Sommer 1968 ist dann Schluss mit Musik und Party, denn Müller muss zur Bundeswehr. Es folgen eine Ausbildung zum Industriekaufmann, der Umzug in den Kreis Pinneberg, die Familiengründung, und dann der Hauskauf in Rellingen. Den Kontakt zu seinen Bandkollegen verliert er. „Der Job hat mich voll erwischt. Ich kam gar nicht auf die Idee, Musik zu machen“ erinnert sich der zweifache Vater.

Von der Schüler- zur Seniorenband

Bis er eben vor ein paar Jahren beim Ausmisten seine ehemalige Gitarre wiederfindet. Die gängigen Akkorde hat er schnell wieder drauf und „hatte Blut geleckt, ich wollte unbedingt wieder spielen“. Er übt und übt, tauscht seine Gitarre gegen eine neue E-Gitarre ein. Knapp 30 Songs hat er jetzt wieder einstudiert. Heute übt er täglich eine Stunde, das Musikmachen ist zu einem wichtigen Hobby geworden. Und dann kam auch die Idee, nach der Schülerband in Düsseldorf nun eine Seniorenband in Rellingen zu gründen.

Als Probentermin ist der Mittwochnachmittag in der Zeit von 16 bis 18 Uhr in der DRK-Begegnungsstätte, Appelkamp 8, angedacht. Interessierte Rockmusiker können sich an das DRK unter Telefon 04101/55 31 86 oder per E-Mail an sst-re@drk-kreis-pinneberg.de wenden.

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