Kreis Pinneberg

Großklinik war schon vor 50 Jahren Thema im Kreis

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Alexander Sulankeund Anne Dewitz
Der Eingang zur neuen Notaufnahme am Klinikum Pinneberg. Die Regio Kliniken haben in den letzten Jahren viel in den Standort investiert.

Der Eingang zur neuen Notaufnahme am Klinikum Pinneberg. Die Regio Kliniken haben in den letzten Jahren viel in den Standort investiert.

Foto: Burkhard Fuchs

Warum der frühere Kreiskrankenhaus-Geschäftsführer Gerd Petersen für Erhalt der bestehenden Häuser plädiert.

Pinneberg/Elmshorn.  Die Pläne der Regio Kliniken, zwischen Pinneberg und Elmshorn ein zentrales Krankenhaus zu bauen und dafür die bestehenden Häuser in beiden Städten zu schließen, sind gar nicht so neu, wie sie jetzt scheinen. „Die Idee gab es schon mal“, sagt Gerd Petersen. Der promovierte Volkswirt, heute 80 Jahre alt, war von 1980 bis 2004 Geschäftsführer der damaligen Kreiskrankenhäuser. Seine Karriere bei der Kreisverwaltung hatte er Anfang der 70er-Jahre als Planungsbeauftragter begonnen. In diese Zeit fällt auch das Gutachten, das ihm damals auf den Tisch flatterte. „Darin wurde ein Krankenhaus mit 1100 Betten in Tornesch-Ahrenlohe vorgeschlagen“, erinnert sich Petersen.

Ex-Geschäftsführer plädiert für erhalt der Kliniken

Er war dagegen. „Ich habe damals gesagt: Wir dürfen nicht in die Falle gehen, zu groß zu planen. Wir sollten nicht so tun, als wären wir auf dem platten Land.“ Denn schon damals habe es die Menschen insbesondere im Süden des Kreises auch in die Hamburger Krankenhäuser gezogen. Als Kliniken-Geschäftsführer verantwortete Petersen später den Neubau des Elmshorner Krankenhauses und die Erweiterung in Pinneberg.

Er ist davon überzeugt, dass die damalige Entscheidung richtig war, und er hält die Situation heute für vergleichbar. Wenn der Standort Pinneberg zugunsten eines Krankenhauses auf der grünen Wiese schlösse, könnte es passieren, dass die Patienten sich stärker in Richtung Albertinen Krankenhaus in Hamburg -Schnelsen oder Asklepios in Altona orientierten. Petersen: „Das ist die offene Flanke. Man hat nicht die Sicherheit, dass die Leute auch kommen. Wenn ein neues Krankenhaus nicht angenommen wird, ist es nicht wirtschaftlich zu führen – egal, wie gut die Strukturen sind.“

Elmshorner Klinik könnte erweitert werden

Der frühere Klinik-Geschäftsführer hielte es für sinnvoller, die bestehenden Häuser zu erweitern. In Elmshorn wäre das durchaus möglich, wie Bürgermeister Volker Hatje sagt: „Wir hatten der Geschäftsleitung schon vor Jahren die Flächen neben der Klinik für einen Erweiterungsbau angeboten.“ Es handelt sich um acht Hektar ehemaliges Baumschulland. Das Angebot sei aber nie angenommen worden. Mittlerweile hat der Elmshorner Bauunternehmer Theodor Semmelhaack das Grundstück neben der Klinik an der Agnes-Karll-Allee gekauft. Er sei bereit, das Areal gemeinsam mit dem Regio Kliniken zu entwickeln, so Hatje.

Unterdessen hat das Elmshorner Stadtverordneten-Kollegium einstimmig eine Resolution auf den Weg gebracht, mit der die Klinikschließung verhindert werden soll. „Für Elmshorn als sechstgrößte Stadt in Schleswig-Holstein würde die Gesundheitsversorgung der Menschen erheblichen Schaden nehmen“, heißt es darin.

Politik in Pinneberg, Rellingen und Elmshorn protestiert

Das sei nicht hinnehmbar. Die Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums fordern die Geschäftsführung der Regio Kliniken und den Kreis Pinneberg als Minderheitsgesellschafter auf, diese Entscheidung zu stoppen. „Die Stadt Elmshorn ist bereit, sich aktiv in einen Prozess mit einzubringen, an dessen Ende eine möglichst maximale medizinische Versorgung für die Menschen aus Elmshorn und der Region gewährleistet ist. Dazu kann Elmshorn ausreichend Erweiterungsflächen in unmittelbarer Nähe des aktuellen Standortes in der Agnes-Karll-Allee anbieten“, heißt es in der Forderung.

Auch Pinnebergs Ratsmitglieder haben sich unlängst in einer Resolution für den Erhalt der bestehenden Klinikstandorte ausgesprochen. Unterstützung dafür kommt nun aus Rellingen: Die Gemeindevertretung der Nachbargemeinde hat am Donnerstagabend beschlossen, die Resolution zu unterstützen.

Wird Sana-Konzern an den Plänen festhalten?

Dazu sagt Bürgervorsteher Hans-Günter Reinke (CDU): „Die Kreisstadt soll langfristig ein Klinikstandort bleiben. Es ist legitim, dass seitens der Geschäftsführung der Regio Kliniken GmbH regelmäßig die Struktur der ärztlichen Versorgung überprüft wird. Allerdings muss im Ergebnis weiterhin auch ein klinisches Angebot in Pinneberg verbleiben. Diese klare Erwartung haben wir gegenüber der Klinikleitung.“

Der frühere Kliniken-Chef Petersen ist unterdessen überzeugt davon, dass Regio-Mehrheitsgesellschafter Sana (hält 74,9 Prozent) an den Plänen festhalten werde. Ein aus seiner Sicht mögliches Szenario: „Sana steigt aus, wenn sie den Neubau nicht bekommen.“

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