Quickborn

Naturschutz im Himmelmoor – Kritik wird laut

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Burkhard Fuchs
Still ruht das Moor: Das wiedervernässte ehemalige Torfabbaugebiet „Himmelmoor“ in Quickborn soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden – für noch mehr Ruhe.

Still ruht das Moor: Das wiedervernässte ehemalige Torfabbaugebiet „Himmelmoor“ in Quickborn soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden – für noch mehr Ruhe.

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus Scholz / picture alliance / Markus Scholz

Umweltministerium will ehemaliges Torfabbaugebiet 2022 als Naturschutzgebiet ausweisen. Was die Kritiker sagen.

Quickborn. Das 580 Hektar große Himmelmoor in Quickborn soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Es wäre das elfte im Kreis Pinneberg und das 202. in Schleswig-Holstein. Zuletzt ist 1995 das Tävsmoor zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Davor bereits der Lummenfelsen und der Festlandsockel auf der Insel Helgoland, die Elbinsel Pagensand oder die Haseldorfer Binnenelbe mit dem Elbvorland sowie das Butterbargs- und das Holmmoor.

Quickborner Himmelmoor soll Naturschutzgebiet werden

Bereits vor drei Jahren ist nach rund 150 Jahren der industrielle Torfabbau im Himmelmoor beendet worden. Das größte Hochmoor im Land soll wieder vernässt und renaturiert werden. Damit das gelingt, müsse das Natura-2000-Gebiet besonders geschützt werden, sagten die Vertreter des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) jetzt bei der ersten öffentlichen Vorstellung des Vorhabens in Quickborn. Unter den 50 Zuhörern waren nicht nur Befürworter eines Naturschutzgebiets. Etliche Landwirte, Eigentümer, Jäger, Anlieger und Naturschutzverbände äußerten sich kritisch dazu oder sprachen sich sogar dagegen aus.

„Es ist eines der letzten Hochmoore in Schleswig-Holstein“, warb Thomas Holzhüter, der für Gebietsschutz zuständige Dezernatsleiter im LLUR, für die Unterschutzstellung. Es gelte, das typische Landschaftsbild eines Moores zu bewahren und etliche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Sonnentau und Torfmoose sowie Wiesenvögel, Libellen und die Schlingnatter, „die es heute nur noch an fünf bis zehn Orten in Schleswig-Holstein gibt“, zu erhalten, so der Geograf im Artur-Grenz-Saal. „Zum Schutz von Natur und Landschaft soll das Himmelmoor zu einer Oase der Ruhe werden.“

Himmelmoor: Kein totales Nutzungsverbot

Die Einstufung des Moores als schützenswertes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet der Europäischen Union, die 2007 erfolgt ist, reiche dafür nicht aus, erklärte Holzhüter. „Man kann nicht alles auf Basis der Freiwilligkeit regeln.“ Aber auch als Naturschutzgebiet würde „kein totales Nutzungsverbot“ für das Himmelmoor ausgesprochen, betonte der Mann vom Landesamt.

Vielmehr sei jetzt für alle Seiten nachvollziehbar ein rechtsverbindliches Verfahren eingeleitet worden, in dem alle betroffenen Bürger und Behörden noch sechs Wochen Zeit hätten, ihre Anregungen und kritischen Stellungnahmen abzugeben, wenn die Pläne Ende Oktober im Quickborner Rathaus sowie den Amtsverwaltungen Pinnau und Rantzau und im Internet öffentlich ausgelegt sein würden. „Wir wollen damit gute rechtliche Rahmenbedingungen sowohl für das Moor als auch für die Nutzer schaffen“, sagte Holzhüter.

Bereits zuvor habe es engen Austausch mit den Behörden, den Gemeinden, der Stadt Quickborn und auch dem Förderverein und der Torfbahn AG gegeben. Am 13. September seien alle zuständigen Bürgermeister über die jetzt ausgearbeiteten Pläne informiert worden. Etwa 100 Landbesitzer seien betroffen, so der Dezernatsleiter vom Landesamt aus Flintbek. Die Projektleiterin Andrea Kühl habe aus diesen Gesprächen und Hinweisen ein Konzept erarbeitet, das auch dem Tourismus und der Naherholungsfunktion Rechnung trägt.

Nabu: Naturschutz wichtiger als Tourismus

So wird auch künftig die Torfbahn durchs Himmelmoor fahren und auch der Naturlehrpfad von Schulen genutzt werden dürfen, führte sie aus. Allerdings werde vom 1. März bis 30. Juni ein Teil des Naturlehrpfades gesperrt sein. Und die Fahrgäste der Torfbahn, die nur tagsüber von Ostern bis Oktober fahren darf, könnten in dieser Zeit der Vogelbrut auf der Südschleife nicht aussteigen.

Das geht Gisela Oden-Behrend vom Naturschutzbund (Nabu) nicht weit genug. „Bei einem Naturschutzgebiet muss der Naturschutz Vorrang haben und nicht der Tourismus“, forderte die Biologin, die für den Nabu Führungen durchs Moor macht. Einige Vogelarten wie Feld- und Blaukehlchen oder Wiesenpieper würden durch den Lärm und die Abgase der Torfbahn gestört, warnte sie. Doch Holzhüter widersprach. Er sei selbst ein leidenschaftlicher Hobby-Ornithologe: „Die Störungen der Vogelwelt sind weitgehend minimiert.“

Kritiker spricht von „stiller Enteignung“

Für einige Landwirte und Landbesitzer geht dagegen die Schutzausweisung zu weit. „Das sieht aus wie eine stille Enteignung“, protestierte Klaus Ramcke aus Hemdingen. Er könne dort nun keine Holznutzung auf seinem Land betreiben und würde es lieber verkaufen wollen. Und Landwirt Heinrich Schröder aus Quickborn sorgte sich um das künftige Verbot, keine Pflanzenschutz- und Düngemittel mehr verwenden und keine zusätzlichen Entwässerungsgräben schaffen zu dürfen. Das Mähen, Schleppen und Walzen soll den Landwirten während der Brutzeit vom 5. April bis 20. Juni nicht erlaubt sein.

„Düngen ist auf Moorböden nicht gut. Das schränken wir ein“, sagte Holzhüter. Es bestehe aber die Möglichkeit, dass die Landbesitzer eigene Vertragsregelungen zum Naturschutz mit der Behörde schlössen und dafür Ausgleichszahlungen bekommen könnten. Auch die Stiftung Naturschutz, die den größten Teil der künftigen Naturschutzfläche von den Landesforsten gepachtet hat, würde auch weitere Flächen aufkaufen wollen, sagte Andrea Kühl.

2022 könnte Himmelmoor Naturschutzgebiet werden

Für die Bevölkerung gelte im Himmelmoor ein allgemeines Rauchverbot. Keiner dürfe die vorhandenen Wege verlassen, Müll verursachen, Feuer machen oder Fluggeräte wie Drohnen fliegen lassen. Hunde sind anzuleinen, Pferde auf den Reitwegen zu halten und Pflanzen und Tiere in Ruhe zu lassen.

Nach der öffentlichen Auslegung der Pläne werden die Hinweise und Anregungen bewertet und in die Pläne eingearbeitet, kündigt Dezernatsleiter Holzhüter an. Mitte 2022 könnte dann das Himmelmoor vom Umweltminister zum Naturschutzgebiet erklärt werden.

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