Kreis Pinneberg

So können alle Kinder an Kultur und Sport teilhaben

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Burkhard Fuchs
Schulrätin Anja Soeth (v. l.), Stefan Mielke (Kreis), KSV-Vizechef Mark Müller, SPD-Abgeordneter Hans-Peter Stahl, Thorsten Bleck (Jobcenter) und Maike Bredehorn (Kreis) mit einer symbolischen Riesen-Bildungskarte.

Schulrätin Anja Soeth (v. l.), Stefan Mielke (Kreis), KSV-Vizechef Mark Müller, SPD-Abgeordneter Hans-Peter Stahl, Thorsten Bleck (Jobcenter) und Maike Bredehorn (Kreis) mit einer symbolischen Riesen-Bildungskarte.

Foto: Burkhard Fuchs

Kreis führt Bildungskarte für sozial benachteiligte Familien ein. Welche Vorteile diese für die Kinder bringt.

Kreis Pinneberg.  Die Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an Sport, Kultur, Bildung und sozialem Leben soll verbessert werden. Möglich macht das eine Bildungskarte, die der Kreis Pinneberg zum 1. Oktober einführt. Bedürftige Familien können damit schneller und einfacher als bisher die Kosten für Sportverein, Musikschule, Mittagsessen in Schulen und Kitas, Klassenfahrt oder Nachhilfeunterricht beantragen. Auch Sportvereine, die bislang Mitgliedsbeiträge von sozial schwachen Familien kompliziert über Bildungsgutscheine abdecken mussten, kommen mit wesentlich weniger Bürokratie an ihr Geld, heißt es seitens der Kreisverwaltung.

Bildungskarte soll Teilhabe vereinfachen

„Das bisherige System war viel zu umständlich und kompliziert“, sagt Hans-Peter Stahl (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. Auch sei die Hemmschwelle zu hoch gewesen, diese Leistungen zu beantragen. Nur für jedes fünfte bis zehnte infrage kommende Kind – genaue Daten dazu lägen nicht vor – seien Leistungen abgerufen worden. Im Jahr 2020 hat der Kreis für 5600 Bildungsgutscheine insgesamt 2,1 Millionen Euro aufgewendet.

Dabei seien es rund 16.500 Kinder und Jugendliche, die die Ausgaben für Sport, Kultur und Bildung zum größten Teil so von der Allgemeinheit übernehmen lassen können, wenn ihre Eltern sich diese nicht leisten könnten. Ohnehin sei der Kreis Pinneberg einer der letzten in Schleswig-Holstein, der jetzt diese Bildungskarte einführt, so Stahl.

Zu den Anspruchsberechtigten gehören alle Bezieher von Sozialhilfe, Wohngeld und Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV), erklärt Stefan Mielke, Teamleiter für Soziale Sicherung in der Kreisverwaltung. Auch wer Kinderzuschläge erhält oder Asylbewerber ist, zähle dazu. Mit der neuen Bildungskarte, die wie eine Scheckkarte aussieht, entfällt die bisher praktizierte Gutscheinbewilligung für jeden Einzelfall. Das Jobcenter verschickt sie in den nächsten Wochen an alle ihre Leistungsempfänger.

Rund 5000 Menschen im Kreis sind antragsberechtigt

„Das wird automatisch geschehen“, sagt der zuständige Bereichsleiter Thorsten Beck. Alle anderen rund 5000 Antragsberechtigten, die Kinderzuschlag, Sozialhilfe oder Wohngeld bekommen, müssten die Bildungskarte einmal beim Kreis oder bei den Sozialämtern in den Stadt- und Amtsverwaltungen beantragen, erläutert Mielke. Diese werde dann entsprechend aufgeladen, sodass die Familien sie für die Bildungskosten für die Kinder einsetzen können.

Für Sportvereine, Mal- und Tanzkurse oder Musikunterricht stünden bis zu 15 Euro im Monat zur Verfügung. Schul- und Kita-Essen, Schülerbeförderungskosten, Nachhilfeunterricht und Klassenfahrten könnten mit der Bildungskarte komplett getragen werden. Die Karteninhaber können am Computer jederzeit einsehen, wie viel Geld für welche Leistungen noch gespeichert ist.

Schulrätin Anja Soeth geht davon aus, dass mit der Bildungskarte die Hemmschwelle vieler Eltern, aus Stolz, Schamgefühl oder Unwissenheit die ihnen zustehenden Leistungen nicht zu beantragen, wegfallen wird. Das gelte auch für die Sportvereine, sagt Mark Müller, Mitgeschäftsführer des Kreissportverbandes.

Bildungskarte: Anfang 2022 soll Bilanz gezogen werden

Nach Ansicht des Sozialausschussvorsitzenden Stahl sollte darüber hinaus den sozial schwachen Familien auch der Zugang zu Laptops erleichtert werden. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig die Ausstattung mit diesen Geräten sei, damit alle Schüler in gleicher Weise am digitalen Unterricht teilnehmen könnten. Die Schulträger, die vom Bund durch den Digitalpakt mit Geräten weitgehend flächendeckend ausgerüstet worden sind, seien aber zugunsten der Betroffenen großzügig damit umgegangen, weiß Schulrätin Soeth. Nur das WLAN sei nicht überall gleich schnell.

Anfang 2022 werde der Sozialausschuss des Kreistages überprüfen, wie die neue Bildungskarte angenommen wird und ob sie den gewünschten Effekt zeigt, dass mehr Kinder und Jugendliche davon profitieren, so Stahl.

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