Kultur Pinneberg

Große Pläne für das Deutsche Baumschulmuseum in Pinneberg

| Lesedauer: 6 Minuten
Anne Dewitz
Nahmen an einer Führung durch das Deutsche Baumschulmuseum mit Direktorin Frau Dr. Meyer-Schoppa (r.) teil. Eva-Maria Dieckmann (v.l.), Gärtnerei in Rellingen und Grünen-Politikerin, Achim Diekmann Grünen Fraktionsvorsitzender in Rellingen, Nadine Mai, Kreis-Grüne, Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

Nahmen an einer Führung durch das Deutsche Baumschulmuseum mit Direktorin Frau Dr. Meyer-Schoppa (r.) teil. Eva-Maria Dieckmann (v.l.), Gärtnerei in Rellingen und Grünen-Politikerin, Achim Diekmann Grünen Fraktionsvorsitzender in Rellingen, Nadine Mai, Kreis-Grüne, Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland

Foto: Anne Dewitz

Die einzigartige Ausstellung will professioneller werden. Wie Leiterin Heike Meyer-Schoppa die Zukunft des besonderen Hauses sieht.

Pinneberg. Deutschlands einzigartiges Baumschulmuseum in Pinneberg möchte bald wachsen. Im Gespräch sind sowohl eine hauptamtliche Struktur als auch der Umzug der Ausstellung in neue Räume, die ganzjährig genutzt werden können; zurzeit schließt das Museum von Ende Oktober an über die Wintermonate. Das hat die langjährige Leiterin Heike Meyer-Schoppa bei einer Führung mit örtlichen Grünen-Politiker durch die Schau erklärt.

Oft ist sie mit Schulklassen unterwegs in ihrem Museum. Die Kinder dürfen sich dann kleine Bäume mit nach Hause nehmen, um sie dort zu pflegen. Was Meyer-Schoppa dabei immer wieder beobachten kann: Je mehr Bezug ein Kind zur Natur habe, desto sozialer verhalte es sich. „Naturbezug und soziale Fähigkeit korrespondieren miteinander“, sagt sie. Auch die Konzentrationsfähigkeit der Kinder, die sich für die Natur interessierten und mit dem Thema beschäftigten, sei höher. „Das Thema Umweltbildung und nachhaltige Bildung spielen eine immer größere Rolle“, so Meyer-Schoppa. Themen, die sie im Baumschulmuseum gern noch intensiver bearbeiten würde – eben mit mehr Personal und bei ganzjähriger Öffnungszeit.

Dieses Mal aber führt sie keine Kinder durch das Museum, sondern Mitglieder der Kreistags- und Ortsfraktion der Grünen, die sich das Museum vor dem Saisonende noch mal ansehen wollen. „Grund genug, sich jetzt noch einmal über die Geschichte und die Zukunftsvorstellungen zu informieren“, sagt Nadine Mai, von den Kreis-Grünen.

Umweltpädagogin soll fest angestellt werden

Hinter dem Besuch steckt aber mehr: Die Bedeutung der Kulturlandschaft der Baumschulen im Kreis Pinneberg sei ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Region und könne ein bedeutender Hebel für mehr Nachhaltigkeit und die Schonung von Ressourcen sein, so der Tenor der Grünen. Bereits seit vergangenem Jahr ist der Kreisverband mit der Landwirtschaftskammer, die ihren Sitz im Gartenbauzentrum Ellerhoop hat, und der Baumschulwirtschaft im Gespräch. Der Besuch des Museums soll die Zusammenarbeit bekräftigen und eine vertiefte Diskussion ermöglichen.

„Wir möchten eine feste Stelle für eine Umweltpädagogin installieren“, sagt Heike Meyer-Schoppa. „Wir haben die Fachkompetenz vor Ort, sind eine lebendige Kulturlandschaft.“ Ein Baumschulmuseum der Zukunft wäre in der Region eine einmalige Einrichtung mit überregionaler Strahlkraft, wirbt sie. Schon jetzt ist das Deutsche Baumschulmuseum das einzige Museum in Deutschland, das sich explizit mit der Bedeutung von Gehölzen und deren Produktion beschäftigt.

1994 in Prisdorf gegründet

Das Baumschulmuseum wurde 1994 in Prisdorf von Menschen gegründet, die Baumschulen nahestehenden. „Der technische Wandel in den Baumschulen war rasant. Immer mehr Geräte wurden aussortiert“, sagt Heike Meyer-Schoppa. Mit dem Umzug nach Pinneberg gründete sich auch der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland, dem ihr Mann Frank Schoppa vorsteht. Sie selbst ist keine Baumschulerin, sondern promovierte Philosophin und Historikerin mit museologischer Zusatzausbildung, wurde aber in der Landwirtschaft groß.

2013 übernahm sie die Leitung des Museums von Hildegard Lunau. Als Tochter aus der Halstenbeker Baumschulendynastie Helms wäre Lunau selbst gern Baumschulerin geworden, doch ihre Eltern fanden, das sei für eine Frau kein Beruf. „Dabei waren Frauen nie wegzudenken aus den Baumschulen“, sagt Schoppa. Die Ausstellung „Ohne uns ging es nie“ machte deutlicht, wie Frauen als Saisonkräfte, Ehefrauen in Kriegszeiten, Zwangs- und Gastarbeiterinnen zentrale Arbeitskräfte in den Baumschulen waren.

Zertifiziert seit 2019

2019 erhielt das Museum eine Zertifizierung. Im selben Jahr einigten sich Kreis, Rellingen, Pinneberg und Halstenbek darauf, für fünf Jahre die Fixkosten von 20.000 Euro zu übernehmen. Zuvor finanzierte sich das Museum aus den Jahresbeiträgen der 200 Mitglieder des Fördervereins und unregelmäßigen Spenden. Dann kam Corona, und der Schwung von 2019 wurde jäh ausgebremst.

2020 war ein schwieriges Jahr, sagt die Museumsleiterin. Fachvorträge, Veranstaltungen mit Musik und Lesungen mussten abgesagt werden. Die Sonderausstellung „Vom Samenkorn zum 1000-jährigen Baum“ – im wesentlichen aufgebaut von Baumpflege Thomsen – musste auf 2022 verschoben werden.

Auch 2021 konnten nur Gruppen nach Anmeldung das Museum besuchen. Für das kleine ehrenamtliche Team ein Desaster. „Wir leben von Rückmeldungen und der Begeisterung der Besucher“, sagt Meyer-Schoppa. Sie bekomme als einzige Mitarbeiterin seit 2019 eine kleine Aufwandsentschädigung. Durch den Lockdown – die sanitären Anlagen sind so eng, dass sich Corona-Auflagen kaum umsetzen ließen – sei ihnen viel entzogen worden.

Wunsch: Mehr Planungssicherheit

Heike Meyer-Schoppa wünscht sich mehr Planungssicherheit, würde die Arbeit gern weiter professionalisieren. „Wir brauchen eine langfristige stabile Situation, was Personal und Gebäude betrifft.“ Die Erwartung, dass die benachbarte Baumschule dem Gewerbegebiet Gehrstücken in absehbarer Zeit weichen wird, stelle den Standort des Baumschulmuseums endgültig infrage. Der Plan: Das Museum könnte nach Ellerhoop in einen Neubau umziehen – in unmittelbare Nähe zur Gartenschau. Beide könnten vom Publikumsverkehr des jeweils anderen profitieren.

Zudem sind die Räumlichkeiten des Baumschulmuseums – eine Scheune – nicht optimal. Feuchtigkeit und Kälte dringen ein, sodass der Betrieb nur zwischen Mai und Oktober möglich ist. In den Wintermonaten müssen einige Exponate trocken eingelagert werden, damit sie nicht vergammeln. In einem Neubau könnte der Betrieb auf das gesamte Jahr ausgeweitet werden, Ausstellungsstücke wären geschützt.

„Im Bereich nachhaltige Bildung kann das Baumschulmuseum ein breites Spektrum abdecken“, sagt Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland. Hier im Kreis Pinneberg sei die Expertise gebündelt. „Dieses Potenzial möchten wir weiterentwickeln.“ Dafür brauche es die Hilfe der Politik auf Kreis- und Landesebene. Eine entsprechende Antragskizze sei in Arbeit.

Deutsches Baumschulmuseum, Halstenbeker Straße 29, in Pinneberg bietet verschiedene Führungen unter anderem für Kinder an, Wünsche werden berücksichtigt. Die Kosten liegen je nach Angebot zwischen 2 und 5 Euro pro Person. Anmeldungen unter Telefon 04101/55 30 85 oder per Mail info@baumschulmuseum.de.

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