Eulenhof-Mord

Andre Piontek – ein erschossener Hells Angel?

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Arne Kolarczyk
Ein trügerisches Idyll. Während auf der Koppel vor dem Eulenhof in Quickborn-Heide: Pferde grasen friedlich, aber die Polizei ermittelt nach einem Mord. 

Ein trügerisches Idyll. Während auf der Koppel vor dem Eulenhof in Quickborn-Heide: Pferde grasen friedlich, aber die Polizei ermittelt nach einem Mord. 

Foto: Ulrich Stückler

Seine Exfreundin ahnte, dass das Mordopfer mit Drogen dealte – und glaubt nicht, dass der Angeklagte geschossen hat.

Quickborn.  Freya N. war die letzte Freundin von Andre Piontek (44), dem Mordopfer vom Quickborner Eulenhof. Am Donnerstag sagte die 29-Jährige vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe aus – und machte deutlich, dass sie nicht an die Schuld des Angeklagten Jens von P. (42) glaube. „Ich glaube nicht, dass Jens so etwas tut. Da hätte es vorher zwischen ihm und Andre ordentlich knallen müssen.“

Für einen „Knaller“ sorgte die junge Frau zu Beginn selbst. Trotz Vorladung erschien die vierfache Mutter nicht zum Prozess – und musste von der Polizei von ihrem Wohnort nahe der dänischen Grenze zwangsvorgeführt werden. Ihr viertes Kind, noch im Säuglingsalter, brachte sie mit. Für ihre fünfstündige Verspätung muss sie 150 Euro Strafe zahlen – und für sämtliche Kosten der Prozessbeteiligten aufkommen. Zudem muss Freya N. im Oktober nochmals erscheinen, weil ihre Vernehmung nicht beendet werden konnte.

Eulenhof-Mord: Piontek auf dem Kiez kennengelernt

Piontek lernte sie fünf Monate vor seinem Tod – er wurde in der Nacht zum 29. Juni 2020 durch zwei Kopfschüsse ermordet – in einer Bar auf dem Kiez kennen. „Zwischen uns lief es auf eine Beziehung hinaus, aus meiner Sicht waren wir zusammen.“ Drei Monate nach dem ersten Treffen habe sie ihre Pferde auf den Eulenhof gebracht, sodass sie täglich da gewesen sei. Waren die Kinder mit, habe sie wenig Kontakt mit Piontek gehabt. War der Nachwuchs beim Ex-Mann, habe sie dort auch übernachtet.

„Andre hat mir Jens als besten Freund vorgestellt.“ Dieser sei auf dem Hof so etwas wie das Mädchen für alles gewesen, teilweise habe Piontek mit ihm wie mit einem Angestellten gesprochen. „Was Andre gesagt hat, war Gesetz. Aber Jens konnte auch dagegen anstinken.“

Exfreundin ahnte, dass Piontek mit Drogen handelte

Dass Piontek Geld mit dem Verkauf von Drogen verdiente, habe sie zuletzt geahnt. „Er sagte, was man verkauft, das nimmt man nicht.“ Der erworbene Reiterhof sei sein Traum gewesen, sie sei zunächst davon ausgegangen, dass er den Drogenhandel aufgegeben habe.

Erst durch einen Vorfall kurz vor seinem Tod habe sie gemerkt, dass er noch aktiv war. „Da war ein Mann mit einem Mercedes mit getönten Scheiben vor dem Tor, der geschrien hat, Andre solle rauskommen, etwas müsse geklärt werden. Als Andre nicht sofort kam, ist er aggressiv geworden, hat gegen das Tor getreten.“ Es sei vom Aussehen her ein Kiez-Typ gewesen.

In der Nacht vor seinem Tod lagen 80.000 Euro in Pionteks Haus

„Andre hat ihn dann vom Hof geschmissen, hat gesagt, wir klären das, aber nicht hier.“ Danach habe er sehr besorgt gewirkt – auch weil zwei Abende vor seinem Tod die Hunde angeschlagen hätten und sich erneut ein Mann am Tor befunden habe. „Andre wollte dann nicht, dass ich allein mit dem Fahrrad nach Hause fahre.“

Auch am Abend vor der Tat habe sie den 44-Jährigen kurz besucht, im Anschluss sollte noch der Angeklagte vorbeikommen „Es lag Geld auf dem Tisch, viel Geld.“ Laut Pionteks Aussage seien es 80.000 Euro gewesen. „Er hat das Geld dann in den Backofen getan.“ Dies sei nicht unüblich gewesen, im Haus habe ständig viel Geld gelegen, einen Tresor habe es nicht gegeben.

Exfreundin glaubt, dass Piontek ein Hells Angel war

Die Summe sei angeblich für zwei neue Tore bestimmt gewesen, die der 44-Jährige am nächsten Tag in Polen kaufen wollte. „Er sollte gegen 1 Uhr nachts abgeholt werden und wollte spätestens am Abend zurück sein.“

Wer der Abholer war, wisse sie nicht. „Er sprach immer nur vom Abholservice. Wenn der kam, war es ihm wichtig, dass niemand auf dem Hof war.“ Sie glaube, dass Piontek bei den Hells Angels aktiv gewesen sei.

Wer sollte die Hunde des Toten füttern?

Richter Johann Lohmann wies die Zeugin auf Diskrepanzen zwischen ihrer Aussage bei der Polizei und den Angaben vor Gericht hin. Aufklären konnte die 29-Jährige die Widersprüchen nicht. Es ging darum, wer in der Abwesenheit Pionteks seine Hunde füttern sollte – die Zeugin oder Luisa C., die Verwalterin des Hofs.

Letztere hatte am Abend des 29. Juni die Leiche entdeckt, als sie angeblich die Hunde füttern wollte. Die hätten jedoch bereits morgens gefüttert werden müssen, was offenbar unterblieb.

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