Pinneberg

Warum Kulturzentrum und Kirche jetzt Partner sind

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Marie Birmanns
Drostei-Chefin Stefanie Fricke (l.) und Kantorin Johanna Tierling in der Christuskirche Pinneberg.

Drostei-Chefin Stefanie Fricke (l.) und Kantorin Johanna Tierling in der Christuskirche Pinneberg.

Foto: Drostei Pinneberg / Drostei

Ensemble Bell’arte Salzburg spielt zum Auftakt einer neuen Reihe Barockes in der Christuskirche. Wie es dazu gekommen ist.

Pinneberg. Es ist das Jahr 1721. Johann Sebastian Bach erschafft die Brandenburgischen Konzerte aus vorhandenen Kompositionen und widmet sie dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt. Dieses Jahr haben die weltbekannten Werke ihren 300. Geburtstag. Das nimmt die Pinneberger Stiftung Landdrostei zum Anlass, um zu feiern: Das Ensemble Bell’arte Salzburg präsentiert zwei der sechs Brandenburgischen Konzerte am Donnerstag, 30. September, von 19.30 Uhr an in der Christuskirche (Bahnhofstraße 2) in Pinneberg.

Ursprünglich geplant war das Konzert für das diesjährige Barockfestival unter dem Motto „Concerto grosso“. Der Begriff ist italienisch und bedeutet „großes Konzert“. Hierbei steht eine kleine, solistisch behandelte Gruppe von Instrumenten (Concertino) einer größeren (Ripieno) gegenüber. Heute gilt das „Concerto grosso“ als Vorreiter des klassischen Instrumentalkonzertes. Das Barockfestival war allerdings coronabedingt ausgefallen.

Zwei bis drei Konzerte pro Jahr geplant

Aber es haben sich neue Wege ergeben. Denn mit dem jetzigen Konzert beginnt eine Kooperation zwischen der Drostei und der Pinneberger Christuskirche. Die Initiatoren starten nun die Reihe „Drostei unterwegs“ mit etwa zwei bis drei Konzerten pro Jahr, die auch barrierefrei zugänglich sind. Das Ensemble Bell’arte Salzburg macht den Auftakt. Auf dem Programm stehen außer den beiden Brandenburgischen Konzerten noch zwei weitere Werke des Barock von Georg Philipp Telemann und Christoph Graupner.

Seit dem Jahr 1995 gibt es das Ensemble Bell’arte Salzburg, dessen Musiker und Musikerinnen zu den renommiertesten auf dem Gebiet der sogenannten Alten Musik gehören. Annegret Siedel, Geigerin, leitet das Team musikalisch. Mit dabei sind auch Linde Brunmayr-Tutz an der Traversflöte, die unter anderem am Königlichen Konservatorium in Den Haag lernte. Martin Stadler, dessen Leidenschaft sowohl der Barockoboe als auch der Blockflöte gilt. Christian Leitherer als einer der wenigen europäischen Spezialisten für historisches Klarinettenspiel und Margit Schultheiß, die auf den Tasten des Cembalos harfenähnliche Klänge erzeugt. Die Begeisterung für die Musikkultur des 17. und 18. Jahrhunderts brachte die Musiker des Ensembles zusammen. Und das ziemlich erfolgreich. Seit der Gründung veröffentlichten sie 15 CD-Aufnahmen, traten auf Festivals im In- und Ausland auf und produzierten mit dem Bayerischen Rundfunk zwei Fernsehsendungen aus einem Konzert.

Drostei-Saal für größere Ensemble zu klein

Dass dieses Ensemble die Brandenburgischen Konzerte umsetzt, freut Stefanie Fricke, Künstlerische Leiterin der Drostei sehr: „Es ist schon lange mein Wunsch, Bachs Brandenburgische Konzerte auf das Programm zu setzen.“ In der Drostei sei das trotz des „wunderschönen Konzertsaals“ dennoch nicht möglich, da er für größere Besetzungen zu klein sei, sagt sie. Bei der Christusgemeinde sei sie auf offene Ohren gestoßen. „Wir freuen uns sehr, denn unsere Kirche soll immer mehr eine Kulturkirche sein. Die Vernetzung mit den Kulturaktiven der Stadt ist uns ein besonderes Anliegen“, sagt Kantorin Johanna Tierling.

Wenn auch die Drostei nicht der Austragungsort des Konzertes ist, so liegt sie mit ihrer Fertigstellung im Jahr 1767 in der Epoche des Spätbarocks. Eine Epoche, zu deren berühmtesten Komponisten auch Johann Sebastian Bach, geboren im Jahr 1685 in Eisenach, gehört. Die sechs Brandenburgischen Konzerte schrieb er während seiner Zeit als Hofkapellmeister in Köthen. Bachs Originaltitel der Konzerte lautet „Six Concerts avec plusieurs instruments“ und bezeichnet die Besonderheit dieser genau: die abwechslungsreiche Besetzung mit mehreren Instrumenten.

Die Karten für den Ensemble-Auftritt kosten pro Person 20 Euro, ermäßigt 10 Euro. Sie sind im Vorverkauf an der Drostei (Dingstätte 23, Telefon 04101/210 30), beim Bücherwurm (Dingstätte 24, Telefon 04101/232 11) und im Gemeindebüro der Christusgemeinde (Bahnhofstraße 2a, Telefon 04101/222 57) erhältlich. Es gilt die 3G-Regelung.

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