Corona Pinneberg

Impfzentren: Nach 210.000 Spritzen ist am Sonntag Schluss

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Nico Binde
Eine der ersten Spritzen gegen Corona im Kreis Pinneberg ließ sich Barbara Fuhlbrügge im Impfzentrum von Ärztin Antje Klein geben.

Eine der ersten Spritzen gegen Corona im Kreis Pinneberg ließ sich Barbara Fuhlbrügge im Impfzentrum von Ärztin Antje Klein geben.

Foto: Silke Linne / Kreis Pinneberg

Bilanz der Impfzentren Pinneberg: Welches Vakzin war beliebt? Welche Pannen gab es? Wie hoch ist die Impfquote? Die Antworten.

Kreis Pinneberg.  Erst gab es kaum Impfstoff, dann zu viele Bewerber für zu wenige Termine, zwischendurch eine kleine Flaute und mittlerweile so etwas wie Torschlusspanik mit steigender Nachfrage. Die beiden Impfzentren des Kreises Pinneberg haben vor ihrer Schließung am kommenden Sonntag eine kurze, aber wechselvolle Geschichte hinter sich. Eine Erfolgsgeschichte?

Eilig vor neun Monaten vom Land Schleswig-Holstein aus dem Boden gestampft – in Prisdorf wurde aus einem Supermarkt ein Impfzentrum, in Elmshorn war es eine Lagerhalle – entwickelten sich die beiden Zentren nach einem Rumpelstart zum Rückgrat der Impfkampagne. „Grundsätzlich geht am 26. September eine spannende Ära des Impfens in eine neue Phase“, sagt Silke Dräger, Leiterin der beiden Impfzentren im Kreis. „Alle Impfzentren schließen, und die mobilen Teams übernehmen. Die Mitarbeitenden in Prisdorf und Elmshorn haben mit viel Begeisterung und Enthusiasmus dazu beigetragen, der Pandemie entgegenzuwirken.“

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte am 7. Juli bei seinem Besuch in Prisdorf, dass die Impfzentren historisch seien. Alle Mitarbeitenden könnten noch ihren Kindern und Enkeln sagen, dass sie an der Bekämpfung der Pandemie beteiligt waren.

Dräger als Verantwortliche im Kreis sagt: „Dank gilt allen Mitarbeitenden der Kassenärztlichen Vereinigung, des Roten Kreuzes, der Bundeswehr, den stets freundlichen Mitarbeitenden der Security und der Reinigung“. Der Einsatz des Personals sei „unermüdlich“ gewesen. In einer Bilanz beantwortet das Abendblatt die wichtigsten Fragen zum Ende der Impfzentren.

Wie viele Impfdosen sind in beiden Zentren verimpft worden?

In Prisdorf und Elmshorn werden es laut Kreisverwaltung bis zum Sonntag zusammen etwa 210.000 Impfungen gewesen sein.

Wie viele Menschen haben dort Erst-, Zweit- und Drittimpfungen erhalten?

Bis zum 26. September sind etwa 100.000 Erstimpfungen, inklusive dem Vakzin von Johnson & Johnson, bei dem nur eine Impfung erforderlich ist, in den Impfzentren verabreicht worden. Hinzu kommen etwa 110.000 Zweit- und Drittimpfungen.

Wie verteilen sich die unterschiedlichen Impfstoffe auf die Zahl der Impfungen?

In beiden Impfzentren wurden insgesamt 128.000 Dosen Moderna (mehr als 60 Prozent aller Impfungen), 58.000 Dosen Biontech (27 Prozent), 5000 Dosen Johnson & Johnson (zwei Prozent) und etwa 19.000 Dosen Astra Zeneca (etwa neun Prozent) verimpft.

Wie alt war der älteste Mensch, der in den Impfzentren geimpft worden ist?

Die älteste Dame, die selbst angereist ist und in Prisdorf geimpft wurde, war laut Angaben der Kreisverwaltung 101 Jahre alt.

Wie jung sind die jüngsten Impflinge gewesen?

Die jüngsten Geimpften sind gemäß Stiko-Empfehlung zwölf Jahre alt.

Wann war die erste Impfung, wann wird die letzte Nadel gesetzt?

Die erste Impfung in Prisdorf wurde am 4. Januar um 13 Uhr verabreicht. In Elmshorn wurde am 1. März begonnen. In beiden Impfzentren werde bis zum Schluss gearbeitet, die letzten Nadeln werden Sonntag gegen 18 Uhr gesetzt.

Wie viele Impfungen gab es pro Tag?

Das Zentrum in Prisdorf hatte bei Vollauslastung sechs Linien, in Elmshorn waren es drei. Demnach hatte Prisdorf von Mai bis Juli die höchste Auslastung. Dort wurden in dieser Zeit täglich zwischen 800 und 1300 Impfungen durchgeführt. Im Elmshorn waren es in Spitzenzeiten 600 bis 700 Impfungen täglich. Bedeutet: Pro Tag wurden bis zu 1800 Menschen in den Impfzentren geimpft.

Welcher Tag war in Prisdorf, welcher in Elmshorn der besucherstärkste?

Am 14. Juli war der besucherreichste Tag in Prisdorf, in Elmshorn der 15. Juli.

Wie viele Menschen haben in den Impfzentren gearbeitet?

Die Kassenärztliche Vereinigung hat 70 Ärzte an beiden Standorten eingesetzt. Für die medizinische Unterstützung hat das Deutsche Rote Kreuz etwa 70 Medizintechnische Assistenten und Assistentinnen entsandt. Hinzu kamen etwa 50 bis 60 Soldaten und Soldatinnen sowie Mitarbeiter der Kreisverwaltung Pinneberg, der Security und der Reinigung. Zusammen also etwa 250 Mitarbeiter.

Wie viele Impfdosen mussten wegen Bruch oder Problemen in den Müll?

Da sehr sorgfältig gearbeitet worden sei, sei das die absolute Ausnahme geblieben. Da die Impfstoffe unterschiedlich aufbereitet und aufgezogen werden müssen, sei das bemerkenswert, so Dräger. Vor allem bei der Verimpfung von Restdosen sei in der Priorisierungsphase mit Listen gearbeitet worden. Heißt: Die abendlichen Reste seien zu 100 Prozent an priorisierte Personen verimpft worden. Mitarbeiter der (ambulanten) Pflege und dem Rettungsdienst kamen ebenso zum Zug wie später Angehörige der Polizei oder ähnlichen Organisationen.

Gab es kuriose oder denkwürdigen Vorfälle in den beiden Impfzentren?

Der Betrieb der Impfzentren sei grundsätzlich von spontanen Entscheidungen geprägt gewesen, so Dräger. Kurzfristig allen Anforderungen gerecht zu werden, um möglichst zügig viele Menschen impfen zu können, sei deshalb nicht frei von Kuriositäten gewesen. Schön seien „viele zwischenmenschliche Begegnungen“ gewesen, da viele Impflinge dankbar waren und das auch „verbal zum Ausdruck“ gebracht hätten. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen seien etwa häufig als „Impfengel“ bezeichnet worden.

Hat es Pannen gegeben?

Den Betreibern nach haben sich „mit einer guten Portion Improvisationstalent“ die durchaus vorhandenen Hürden gut überwinden lassen.

Wie viele Tage hatten die Zentren in Elmshorn und in Prisdorf geöffnet?

Prisdorf hatte seit dem 4. Januar bis zum August durchgehend sieben Tage in der Woche geöffnet, anfänglich nur nachmittags, später ganztägig. Im August war das Zentrum vereinzelt tageweise geschlossen. Seit September sind beide Impfzentren am Montag und Dienstag geschlossen. Auch in Elmshorn wurde vom 1. März an sieben Tage in der Woche gearbeitet. Seit August ist das Zentrum in der Krückaustadt ebenfalls tageweise geschlossen.

Wie hoch waren die Kosten für Aufbau und Betrieb der Zentren?

Da die Impfzentren vom Land Schleswig-Holstein betrieben wurden, kann der Kreis dazu nichts sagen. Die genauen Kosten werden laut Gesundheitsministerium erst in ein paar Wochen feststehen. Das Budget für alle 28 Impfzentren lag zum Start „für eine Laufzeit von sechs Monaten bei 50 Millionen Euro“, die meisten Zentren waren nun neun Monate in Betrieb. Die Anschubfinanzierung für Errichtung und Erstausstattung lag bei 50.000 Euro je Zentrum.

Wie hoch ist inzwischen die Impfquote im Kreis Pinneberg?

Die Zahl der geimpften Menschen im Kreis ist nicht exakt zu ermitteln, da sich nicht alle Kreisbewohner in den Impfzentren oder bei niedergelassenen Ärzten im Kreisgebiet haben impfen lassen. Bei einer Impfquote von 71,8 Prozent in ganz Schleswig-Holstein geht das RKI davon aus, dass inzwischen 225.844 von rund 316.000 Kreis-Einwohnern geimpft sind.

Letzte Chance zum Impfen:

Wer sich jetzt noch impfen lassen möchte,„möge sich bitte einfach auf den Weg machen“, sagt Silke Dräger, Leiterin der Impfzentren im Kreis. „Es wäre schade, wenn wir diese Möglichkeiten nicht nutzen.“ Die Impfzentren haben bis Sonntag täglich von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Verimpft wird Biontech, Moderna (Zweit- und Drittimpfungen) und in Prisdorf noch wenige Dosen Johnson & Johnson. „Wir freuen uns über jeden, der die Gelegenheit noch nutzt, sich und seine Mitmenschen zu schützen“, so Dräger.

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