Kreis Pinneberg

Die Besucher des Bildhauers – Ausstellung in Barmstedt

| Lesedauer: 4 Minuten
Burkhard Fuchs
 Johannes Caspersen (2. v. l.) mit einigen seiner hölzernen Gäste. Erinnert der Typ ganz links nicht irgendwie an Donald Trump?

Johannes Caspersen (2. v. l.) mit einigen seiner hölzernen Gäste. Erinnert der Typ ganz links nicht irgendwie an Donald Trump?

Foto: Burkhard Fuchs

Warum sich Johannes Caspersen sein eigenes Publikum schnitzt – und was es mit der Trump-Figur auf sich hat.

Barmstedt.  Die Figuren wirken lebendig und lebensecht. Sie stehen allein oder zusammen, als ob sie sich gerade zufällig treffen und miteinander sprechen würden. Sie sind aber aus schwerem Holz. Und allesamt bunt und „schlicht“ angemalt. „Wie moderne Menschen“, sagt der Künstler. Und er ergänzt: „Sie sind meine Besucher.“

Holzfiguren auf Barmstedter Schlossinsel zu sehen

Vom kommenden Sonnabend an präsentiert die Galeristin Karin Weißenbacher auf der Barmstedter Schlossinsel knapp 50 Arbeiten des Flensburger Bildhauers Johannes Caspersen, darunter auch zahlreiche Holzschnitte, die das maritime Leben an der Küste zum Thema haben.

Politisch versteht Caspersen seine Kunst nicht. Auch wenn manche seiner bis zu 200 Kilogramm schweren Figuren aus Pappel- oder Eichenholz sehr wohl an real existierende Menschen erinnern. Eine seiner Anzugträger-mit-Schlips-Figuren zum Beispiel ähnelt mit ihrer orange-blonden Frisur einem bekannten US-amerikanischen Politiker. „Das ist aber rein zufällig und nicht gewollt“, sagt Caspersen. Und schmunzelt.

Skulptur „Jack the Dripper“ steht auf dem Freigelände

Die oft rauen, holzschnittartigen Gesichter meißele er erst am Schluss in die Figur, wenn die Kettensäge und das große Werkzeug schon das große Ganze geformt habe. „Das geschieht dann meist spontan und im Affekt.“ Wie bei seiner lebensgroßen Figur, die er „Jack the Dripper“ nennt und die als einzige auf dem Freigelände der Schlossinsel stehen wird.

Damit sei aber keineswegs der berühmte Prostituiertenmörder aus dem Londoner East End des späten 19. Jahrhunderts gemeint, der „Jack the Ripper“ genannt wurde. Vielmehr wollte Caspersen dem US-amerikanischen Künstler Jackson Pollock ein kleines Denkmal setzen, der nur 44 Jahre alt geworden ist und heute als einer der berühmtesten zeitgenössischen Künstler überhaupt gilt. Der habe seine expressionistischen Bilder oft in der Art von dahin gespritzten Farbklecksen angefertigt, die als „drip technique“ bezeichnet wird.

Für Caspersen sind es existenzielle Fragen, die er mit seinen Holzfiguren zum Ausdruck bringen möchte: „Was ist Kunst? Wer bin ich? Wo will ich hin?“ Diese Fragen hallten in seinen Figuren nach, berichtet er.

In den Namen vieler Skulpturen stecken Wortspiele

So habe die Pollock-Figur lange unfertig in seiner Werkstatt an der Flensburger Förde gestanden, bis ihm praktisch „im Affekt“ die Eingebung mit dem „Jack the Dripper“-Thema gekommen sei und er sie endlich beenden konnte.

Ähnlich sei dies mit seinem Ensemble von drei sehr unfreundlich wirkenden Anzugträger-Figuren gewesen, deren Gesichter nur schemenhaft, fast grimassenhaft rüberkommen. „Director’s Cut“ hat der Künstler dieses Manager-Trio genannt, das ebenso unnahbar wie austauschbar wirkt. Wobei der Titel wie bei der Pollock-Figur ein Wortspiel darstellt. „Es sind irgendwie Halbfiguren, die nur zur Hälfte existieren“, sagt Caspersen. Ähnlich wie es früher bei den Nachrichtensprechern im Fernsehen gewesen sei, von denen man ja dachte, sie hätten keinen Unterleib.

Die Besucher-Idee sei ihm am Anfang seiner Karriere bei seiner ersten Ausstellung in Flensburg gekommen, sagt Caspersen. Da sei er fast allein gewesen. Darum habe er sich sein Publikum eben selbst geschnitzt. Das dürfte bei seiner Werkschau in Barmstedt heute nicht mehr der Fall sein. Seine Figuren machen schon was her und erzählen in ihrer Schroffheit ihre ganz eigene Geschichte. Wie der Holzschnitt, der eine schwangere Frau zeigt, die das „Me(h)er im Bauch“ symbolisieren soll, nachdem sie den Piraten Klaus Störtebeker bei sich aufnahm und ihn wieder aufs Meer hinaus verabschiedet hat.

Ausstellung „Besuch“ mit den Holzfiguren von Johannes Caspersen: ab Sa 11.9., 14 Uhr, Galerie-Atelier III auf der Barmstedter Schlossinsel, Rantzau 11, in Barmstedt. Bis So 14.11., Di–Do 14–18 Uhr, Sa+So 12–18 Uhr. Eintritt frei.

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