Kreis Pinneberg

Ausstellung – Diese Bilder machen Lust auf Natur

| Lesedauer: 5 Minuten
Katja Engler
Die Künstlerin Elisabeth Holzhausen hat hier gerade ihr Gemälde vom Willkomm Höft aufgehängt.

Die Künstlerin Elisabeth Holzhausen hat hier gerade ihr Gemälde vom Willkomm Höft aufgehängt.

Foto: Katja Engler

Wedeler Künstlerin Elisabeth Holzhausen stellt in Rellinger Rathausgalerie aus. Was ihre Werke besonders macht.

Rellingen. Seit mehr als 500 Jahren sind Landschaften ein Sujet in der Kunst. Wie sich der Blick auf Wiesen, Felder und in die Weite auf Leinwand verewigen lässt, hat sich immer wieder gewandelt und erlebt noch heute, im 21. Jahrhundert, neue Impulse. Die Impressionisten steigerten die Wirkung des Lichts zu höchster Schönheit, die Expressionisten die Farbe zu größtmöglicher Freiheit. Elisabeth Holzhausen will Lebensfreude und Leichtigkeit über ihre Malerei vermitteln. Die Chance, sich vom Farb- und Lichterflirren der Blätter und des Wassers in der freien Natur auf ihren Bildern anstecken zu lassen, haben Kunstfreunde von kommender Woche an in der Rellinger Rathausgalerie. Vernissage ist diesen Freitag um 19 Uhr.

Wedeler Künstlerin stellt im Rellinger Rathaus aus

Wohin das Auge reicht, ist die obere Etage des Rathauses erfüllt von Grün-, Blau- und Erdtönen, von bewegten Gewässern und Firmamenten, von raschelnden Blättern, simplen Feldwegen oder gar von Seerosen, die in der Totale und eher von oben betrachtet ein ganz klein wenig an die berühmten Seerosenbilder von Claude Monet erinnern.

Es ist der Norden, in dem die Wedeler Künstlerin ihre Motive findet, betont unauffällige Motive, meist sogar ohne Bildzentrum, die ähnlich einem fotografischen Ausschnitt einer unendlichen Wirklichkeit entnommen scheinen. Ein Birkenwäldchen etwa wirkt nicht durch die Baumkronen oder die Verwurzelung im Boden, sondern Elisabeth Holzhausen malt lediglich ein Stück der hell-dunklen Stämme und taucht sie in ein unbestimmt flirrendes Meer aus Grün- und Türkistönen – mit vereinzelten Akzenten in Orange und Rot auf der Rinde.

Wedeler werden an einer der Wände unschwer den langen, hölzernen Steg vom Willkomm Höft erkennen, wo die Schiffe begrüßt werden. Hier tanzt das Elbwasser wild gekräuselt im Sonnenlicht, der wolkige Sommerhimmel ist voller stürmischer Lebendigkeit, und rechts im Bild strahlt die Sonne dem Betrachter entgegen. In der Rellinger Rathausgalerie, wo eine Ausstellung nicht allzu leicht zu hängen ist, stellt Elisabeth Holzhausen visuelle Beziehungen zwischen ihren Arbeiten her, manchmal ist es eine wiederkehrende Farbe, manchmal ein verwandtes Bildelement.

Verbindung von Mensch und Umwelt

Einer klaren stilistischen Zuordnung entzieht sich ihre Malerei. Sie ist weder realistisch noch abstrakt, sie changiert zwischen modernem Impressionismus und einigen Kunstkniffen, mit denen die Malerin erreichen möchte, dass die Betrachter ihrer Bilder länger verweilen und genauer hinsehen, denn „umso mehr öffnet sich das Herz“. Was sie damit meint, ist überall sofort zu sehen: Es ist die Liebe zur Natur, die Verbindung von Mensch und Umwelt, die seit Menschengedenken existiert und die ihr eigenes Leben zu einem essenziellen Teil bestimmt. „In meinen Bildern kann man spazieren gehen“, sagt sie, die sehr oft draußen unterwegs ist, stundenlang und mit wachsender Begeisterung.

Wenn ihr eine Stimmung besonders gut gefällt, macht sie Fotos davon, die ihr hinterher im Atelier als Basis für ihre Malerei dienen. Ja, diese Bilder, die nicht unter Einfluss von Wind und Lichtwechseln entstanden sind, schärfen den Blick auf völlig unspektakuläre Motive wie Baumreihen oder einen Wiesengrund, sie machen Lichtstimmungen und Jahreszeiten spürbar. Für Naturliebhaber entfachen sie einen gewissen Sog, und sie verlangen viel Abstand, denn erst dann entfalten sie ihre volle Wirkung. In der Rathausgalerie ist das nicht überall möglich, aber meistens lässt sich’s weit genug zurücktreten.

Holzhausen arbeitete 15 Jahre als Illustratorin

Gelegentlich macht die Malerin aus einem Werk ein Diptychon. Eines davon ist quadratisch und aus einer annähernd zentralen Perspektive gemalt. Es ist eine tiefgrüne Allee, deren Bäume wie ein Bauwerk die gesamte obere Bildhälfte mit ihrem satten Blattwerk überwuchern und den Bildraum schließen. Eine schmale Straße führt schnurgerade hindurch in den lichten Mittelpunkt des ansonsten doch recht schattigen Bildes. Auch der Schatten „lebt“ auf den meist eher flächigen als plastisch-tiefen Bildern. Es ist ein nuancenreicher Schatten. Die Allee ergänzt die Künstlerin durch ein zweites Bild, das wie die Nahaufnahme eines Details wirkt: drei eng beieinander stehende Bäume, die von gelben und grünen Farbfunken umflort sind. „Getrennt, und doch zusammen“, sagt Elisabeth Holzhausen dazu.

15 Jahre lang hat die ehemalige Kinderkrankenschwester Bücher für Kinder illustriert, auch von Cornelia Funke waren welche dabei. Seit 2016 widmet sie sich ausschließlich der Malerei.

Ihre Bilder, die stets in einem spontanen Prozess entstehen, will sie offenhalten, damit sie mit allen Sinnen wahrgenommen werden und Menschen sich darüber an Momente in der Natur erinnern, die sie erlebt haben. Unabhängig vom Sujet sind sie eine Kombination von Chaos und Ordnung. Das durch auf die Leinwand geschüttete Farben erzeugte Chaos ist als Erstes da. Aus diesem wild fließenden Grund heraus baut sie eine Bildordnung auf: „Die Farben prallen dann so aufeinander, dass sie sich gegenseitig zum Schwingen bringen.“

Ausstellung „Augenweide“. Rellinger Rathausgalerie, Hauptstraße 60 vom 10.9. (19 Uhr) –29.10. Geöffnet Mo–Fr 8.30–13 Uhr, Di auch 14–18 Uhr, Künstlerführung am 28.9. 16–18 Uhr und am 29.10. 14–16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg