Pinneberg

Prozess nach Clan-Streit in Pinneberg eingestellt

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Eine Statue der Justitia (Symbolbild)

Eine Statue der Justitia (Symbolbild)

Foto: Michael Rauhe

Nach Massenschlägerei in Pinneberg vor drei Jahren waren vier Männer angeklagt. Warum niemand verurteilt wurde.

Pinneberg. Eine Familien-Fehde, brutal ausgetragen auf offener Straße mitten in Pinneberg, blieb für die meisten Beteiligten ohne strafrechtliche Folgen. Der Prozess am Amtsgericht Pinneberg gegen vier Angeklagte einer türkischen Familie wurde am Mittwoch eingestellt, bei einem Angeklagten gegen Auflage.

Massenschlägerei in Pinneberger Innenstadt

Am Eingang zum Amtsgericht Pinneberg warten am Morgen mehrere Menschen auf Einlass. Aufgrund der Pandemie-Bestimmungen darf immer nur einer zur Zeit beim Pförtner eintreten. Das dauert. Dabei soll in zehn Minuten der Prozess beginnen.

Trotz des Zeitdrucks halten die Wartenden geduldig die Corona-Abstände ein, alle tragen eine Maske. Höflich lässt ein Mann einer Frau den Vortritt. Kurz vor 9 Uhr soll ein Prozess am Amtsgericht Pinneberg beginnen. Hände desinfizieren, Kontakt zur Nachverfolgung von Corona ausfüllen. Eine Taschenkontrolle gibt es nicht.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die tumultartigen Szenen, die sich am 8. August 2018 in Pinneberg abgespielt hatten. Die Angeklagten Siddik C., Rifat C., Nail C., Seref C. müssen sich wegen Körperverletzung vor dem Schöffen­gericht verantworten, weil sie an einer Massenschlägerei auf offener Straße beteiligt gewesen waren. Zwei türkische Familien – eine aus Hamburg, eine aus Pinneberg – waren mit Messern, Pfefferspray und Baseballschlägern aufeinander losgegangen. Augenzeugen berichteten damals in sozialen Netzwerken von bürgerkriegsähnlichen Szenen.

Zwei Menschen durch Messer schwer verletzt

Rückblick: An dem Streit in Höhe der Grund- und Gemeinschaftsschule in der Richard-Köhn-Straße waren damals bis zu 40 Personen beteiligt gewesen. Zwei Menschen wurden durch Messer schwer, drei leicht verletzt worden. Eine weitere Person erlitt einen Herzinfarkt. Die Mitglieder der verfeindeten Familien sollen sich auch gegenüber der Polizei sehr aggressiv verhalten haben.

Die Leitstelle schickte alle verfügbaren Streifenwagen zur Richard-Köhn-Straße. Aus dem Kreis Segeberg und aus Hamburg musste Verstärkung gerufen werden. Insgesamt waren 24 Streifenwagen im Einsatz. Zudem wurden acht Rettungswagen und ein Notarzt angefordert. Ein Beamter wurde durch einen Biss verletzt. Sieben Menschen wurden vorläufig festgenommen und nach der Vernehmung wieder entlassen.

Prozess wird gegen Auflagen eingestellt

Drei Jahre später. Im Gerichtssaal nehmen alle nur kurz Platz. Dann fällt auf, dass ein Angeklagter einen Dolmetscher braucht. Der war bestellt, kam aber nicht. Die Anklage kann nicht verlesen werden. Fünf Zeugen sind geladen. Angehört wird keiner. Sie, die Angeklagten sowie Prozessbeobachter müssen vor dem Gerichtssaal warten. 40 Minuten lang. Zwischendurch kommen die Verteidiger, beraten sich kurz und diskret mit ihren Klienten.

Verteidiger und Staatsanwaltschaft haben sich hinter verschlossenen Türen in einem Rechtsgespräch außerhalb der Hauptverhandlung darauf verständigt, dass der Prozess gegen Auflage eingestellt wird. Gegen einen Angeklagten wird ein Schmerzensgeld von 1500 Euro verhängt.

Die anderen kommen ohne Auflagen davon. „Bei zwei Angeklagten wird die Schuld als geringfügig eingestuft, der dritte Angeklagte wurde bei dem Tathergang selbst schwer verletzt“, erklärt Gerichtssprecherin Frederike Milhoffer später.

( ade )

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