Kreis Pinneberg

Haus der Technik in Elmshorn nimmt Gestalt an

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Anne Dewitz
Noch ist das Haus der Technik eingerüstet. Ende des Jahres soll der Rohbau fertig sein.

Noch ist das Haus der Technik eingerüstet. Ende des Jahres soll der Rohbau fertig sein.

Foto: Anne Dewitz

Nach Verzögerungen sollen die Rathaus-Mitarbeiter im Mai 2022 die Büros beziehen können. Baukosten steigen erneut.

Elmshorn. Das Bauvorhaben Haus der Technik am Hafen-Südufer an der Straße Vormstegen in Elmshorn macht Fortschritte: Der Rohbau, mit dem am 4. Mai begonnen wurde, ist nahezu abgeschlossen. In Kürze beginnt der Innenausbau. Auf einer Fläche von 573 Quadratmetern entstehen 29 Arbeitsplätze in 19 Büros für Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements über dem bereits fertiggestellten und in Betrieb genommenen Pumpenwerk. Am 1. Mai 2022 sollen sie einziehen, die EDV-Anlage folgt.

Rohbau des Projekts soll noch 2021 fertig werden

„In diesem Jahr soll der Rohbau fertiggestellt werden“, sagt Baustadtrat Lars Bredemeier beim Gang über die Baustelle. Für ihn hat das Haus Signalwirkung. „Die vier Geschosse lassen schon die Dimensionen des Rathausneubaues erahnen.“ Beide Bauten sollen optisch aufeinander abgestimmt sein. Das Haus der Technik ist das erste sichtbare Gebäude im Sanierungsgebiet Krückau-Vormstegen, das die Verlegung der Schauenburger Straße, einen Rathausneubau, den Umbau des Uferbereichs an der Krückau und des Buttermarktes samt Markthalle einschließt.

Noch einmal steigen die Baukosten: Die angemeldeten 3,65 Millionen Euro für den Hochbau des Hauses der Technik werden sich nicht halten lassen. „Wir hatten 2021 erhebliche Baukostensteigerungen“, sagt Thomas Kröger, Sachgebietsleiter Technik im Gebäudemanagement. So seien unter anderem Materialkosten stark gestiegen. „Wir werden zehn bis 15 Prozent über der anvisierten Summe liegen.“

Haus der Technik soll CO2-Neutral arbeiten

Bereits im Oktober 2020 hatte die Politik schon einmal Mehrkosten von 1,7 Millionen Euro im Ausschuss für Stadtumbau für den Weiterbau des Hauses der Technik beschließen müssen. Der Grund waren auch fehlerhafte Planungen, denn ursprünglich wurde das Gebäude ohne einen Serverraum, ohne die Auskragung und ohne das innovative Heiz- und Kühlsystem geplant. Mehr als sieben Millionen Euro hat zuvor schon das Pumpenhaus gekostet – alles ohne öffentliche Förderung, da das Pumpenhaus über Gebühren finanziert wird.

Neben den Büros und einem Besprechungsraum entsteht ein Serverraum, dessen Abwärme genutzt werden soll, um das Gebäude zu heizen. Die Luftwärmepumpe auf dem Dach sorgt an heißen Tagen zudem für Kühlung. Die Stromversorgung soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sichern. „Das Gebäude arbeitet dann CO2-neutral, der Betrieb läuft ohne Verbrennung fossiler Brennstoffe“, sagt Thomas Kröger.

Das Haus der Technik ist ein Schöpfwerk, das Regenwasser aus einem 140 Hektar großen Einzugsgebiet auch bei hohen Wasserständen in die Krückau heben kann. Der hierfür benötigte Keller speichert das Wasser in bis zu sieben Meter Tiefe unter dem Gebäude. Für den Bau des Kellers war eine 27 Meter tiefe Bohrpfahlwand notwendig. Der Hochbauteil ist auf 16 Meter tiefen Pfählen gegründet.

Arbeiten begannen schon im Jahr 2015

Neben dem Schöpfwerk sind im Erdgeschoss ein Schmutzwasserpumpwerk, ein Notstromaggregat (auch für das neue Rathaus), ein Lichtwellenleiterraum sowie zwei Räume für die Aufstellung von Trafos untergebracht. Diese werden sowohl das Schöpfwerk selbst wie auch das neue Rathaus mit Energie versorgen.

Bislang stand der Bau unter keinem guten Stern, wie der Blick zurück zeigt: Die Arbeiten am Haus der Technik begannen Ende 2015. Im Erdreich waren sie aufwenig. Zum einen entsteht der Bau auf Kampfmittelverdachtsfläche, was teure Voruntersuchungen nötig machte. Zum anderen machen Schadstoffe im Boden des Sanierungsgebietes umfangreiche Sondierungsarbeiten notwendig. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen waren 2016 bei den Erdarbeiten sechs Bauarbeiter gleichzeitig und langfristig erkrankt. Sie litten an Übelkeit und Schwindel, mussten ärztlich behandelt werden.

An vielen Stellen musste nachgebessert werden

Die Bauarbeiten wurden monatelang gestoppt. Umfangreiche Voruntersuchungen des Baugebiets hatten keine Anhaltspunkte für eine Gefahr ergeben. Was die Erkrankungen ausgelöst hatte, konnte nicht gänzlich geklärt werden. Danach durften die Arbeiter nur noch mit Atemschutz und spezieller Schutzkleidung in die Grube.

Dann sprang 2018 der Investor für die Entwicklung der Obergeschosse ab, weil sich der Bau immer weiter verzögerte. Das Architektenbüro hatte selbst einziehen wollen. Die Stadt entschied im September 2018, selbst zu Ende zu bauen und das Haus zu nutzen. Dann wurde klar: Die Statik spielt nicht mit, der Hochbau ist zu schwer. Die Lösung: eine Hybridkonstruktion aus Holz und Stahl. Auch beim Hochwasserschutz musste nachgebessert werden.

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