Illegale Müllentsorgung

Detektive machen im Kreis Pinneberg Jagd auf Abfallsünder

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Nico Binde
Vermüllter Containerplatz im Fokus: So ähnlich muss es aussehen, wenn sich die Müll-Detektive an die Arbeit machen.

Vermüllter Containerplatz im Fokus: So ähnlich muss es aussehen, wenn sich die Müll-Detektive an die Arbeit machen.

Foto: McPHOTOs / picture alliance / blickwinkel/M

Im Kampf gegen wilden Müll geht das Entsorgungsunternehmen GAB neue Wege – mit ersten Erfolgen. Sündern droht hohes Bußgeld.

Pinneberg. Eine ungewöhnlich hohe kriminelle Energie erfordert anscheinend ungewöhnliche Gegenmaßnahmen: Denn immer häufiger wird Sondermüll illegal an den Containern der 243 Wertstoffinseln im Kreis Pinneberg entsorgt.

Das Spektrum der Hinterlassenschaften von Abfallsündern reicht dabei von alten Reifen über unbrauchbare Autoteile bis hin zu kaputten Fernsehern, leeren Farbeimern oder Tierkadavern.

Illegale Müllentsorgung: Firma observiert Abfallsünder

Diese Entwicklung lässt die zuständige Gesellschaft für Abfallwirtschaft- und Abfallbehandlung (GAB) inzwischen von einem echten Problem reden. Nach wie vor sei die Situation an einigen Standorten „dramatisch“. Deshalb wurde nun eine Sicherheitsfirma engagiert, um die Schwerpunkte des Müllfrevels zu observieren – wie es scheint: mit Erfolg.

Insgesamt 91 Fälle seien angezeigt worden, so die erste Bilanz der GAB. Elf erfolgreich abgeschlossene Rechtsverfahren seien das Ergebnis der Kontrollaktion allein in der Stadt Elmshorn. Die meisten anderen Verfahren dauerten noch an, so Unternehmenssprecherin Yasmin Eger.

Abfallsündern droht eine Strafe von bis 1500 Euro

„Wer seinen Müll illegal an Wertstoffinseln oder in der Natur abstellt, handelt rechtswidrig“, sagt GAB-Geschäftsführer Jens Ohde. „Je nach Art und Umfang variieren die Bußgelder und können bis zu 1500 Euro betragen.“ Diese Abfälle könnten nicht nur gefährliche Stoffe freisetzen, die Umwelt verschmutzen oder Menschen gefährden. „Auch Ungeziefer wird angelockt.“

Das Grundsatzproblem sei nach wie vor, dass Abfälle neben statt in die Wertstoffcontainer geworfen werden. Und schon lange seien das eben nicht nur Glas oder Papier. „Einige Menschen entsorgen auch Sperr-, Haus- und Sondermüll an den Standplätzen“, so Unternehmenssprecherin Eger.

Seit Mai kontrollieren Detektive die Wertstoffinseln

Obwohl die meisten Wertstoffinseln mehrmals pro Woche zur Reinigung angefahren werden – neuerdings auch sonnabends – reiche das nicht aus, um der Vermüllung Herr zu werden. Darum habe die GAB nun „die Reißleine gezogen und einen professionellen Sicherheitsdienst zur Observierung der Wertstoffinseln beauftragt“.

Im Mai hatten sich die Detektive erstmals in Zweier-Teams auf die Lauer gelegt und an jeweils wechselnden Standorten das Treiben an den Wertstoffinseln beobachtet. „Ohne ins Detail gehen zu wollen: Die Einsatzzeiten reichten von mitten in der Nacht bis zum frühen Morgen“, so GAB-Sprecherin Eger. „Denn einige scheinen auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ihren Sondermüll loswerden zu wollen.“

Die Fälle stammen aus insgesamt 12 Gemeinden

Tatsächlich konnten die Mülldetektive einige Sünder sogar bei der Tat ertappen. Andere hinterließen zweifelsfreie Spuren wie Adressaufkleber oder eindeutige Hinweise auf die Herkunft des illegalen Mülls. Die 91 Fälle stammen aus insgesamt zwölf Städten und Gemeinden des Kreises. Dabei seien nicht nur Pinneberg und Elmshorn Schwerpunkte. Auch kleinere Gemeinden werden offenbar gern von Müllsündern heimgesucht, so Eger.

Das Ergebnis sei jedenfalls „erschreckend“. Alle Fälle wurden an die jeweiligen Ordnungsämter und die Polizei gemeldet. „Die meisten Meldungen sind Ordnungswidrigkeiten, für die ein Bußgeld verhängt wird“, sagt Geschäftsführer Ohde. „Unter den Meldungen waren aber auch Straftaten, da gefährlicher Abfall unsachgemäß an den Wertstoffinseln entsorgt worden ist. Diese Fälle sind direkt von den Polizeistellen bearbeitet und an die Staatsanwaltschaft Itzehoe weitergeleitet worden.“

Wilder Müll – Straftat oder Ordnungswidrigkeit?

Wie drängend das Problem ist, bestätigt auch die Polizei „Die Zahl dieser Delikte steigt“, sagt etwa Alexander Rohde, Leiter des Ermittlungsdienstes Umwelt und Verkehr beim Autobahn- und Bezirksrevier Elmshorn. Die Experten der Ordnungsbehörden würden dabei zwei Kategorien unterscheiden: Enthält die Ablagerung keine gefährlichen Abfälle, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor; sind etwa Öl- oder Farbreste sowie Elek­troschrott darunter, ist ein Straftatbestand erfüllt.

154 Ordnungswidrigkeiten dieser Art landeten etwa im vergangenen Jahr auf dem Schreibtisch der Umweltermittler. Zum Vergleich: 2019 waren es 115, 2018 nur 91. Diese Zahlen seien aber nur die Spitze des Eisbergs: „Die Bauhöfe, die sich im Kreis um die Entsorgung kümmern, zeigen Fälle in der Regel nicht an, wenn kein gefährlicher Abfall dabei ist.“

Illegale Müllentsorgung hat deutschlandweit zugenommen

166-mal ermittelten die Polizisten voriges Jahr wegen unerlaubten Entsorgens gefährlicher Abfälle. Ein Jahr zuvor waren es zehn, zwei Jahre vorher sogar 28 Fälle weniger. „Wir stehen teilweise fassungslos davor, was die Leute einfach in der Landschaft entsorgen“, so Rohde.

Auch die GAB selbst hat vor mehr als zwei Jahren ein Team aus Tatortreinigern zusammengestellt. Auf Lasten-E-Bikes ist die Truppe für die tägliche Standplatzreinigung der schlimmsten Standorte zuständig. „Wilder Müll ist ein Phänomen, das wir in ganz Deutschland feststellen. Es hat massiv zugenommen“, sagt GAB-Geschäftsführer Jens Ohde. Deshalb werde das Unternehmen, das diesen Dienst selbst bezahlt, weitere Observationen unangekündigt durchführen lassen, um die Vermüllung zu stoppen.

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