Verhüterli

Wozu braucht eine Schule einen Kondomautomaten?

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Mitglieder der Schülervertretung der Kreisberufsschule in Elmshorn enthüllen den neuen Kondomautomaten, der neben den Unisex-Waschbecken hängt.

Mitglieder der Schülervertretung der Kreisberufsschule in Elmshorn enthüllen den neuen Kondomautomaten, der neben den Unisex-Waschbecken hängt.

Foto: Burkhard Fuchs

Berufsbildungszentrum Elmshorn versteht sich als Vorreiter der sexuellen Aufklärung. Die Initiative ging von Schülern aus.

Elmshorn.  Das Berufsbildungszentrum Elmshorn mit seinen 3200 Berufsschülern versteht sich als gesellschaftlicher Vorreiter der sexuellen Aufklärung. Als eine der ersten Schulen im Kreis Pinneberg verfügt die Kreisberufsschule (KBS) in Elmshorn jetzt über einen Kondomautomaten.

Auf Initiative der Schülervertretung ist das Gerät angeschafft worden, das jetzt für jedermann und jede Frau auf der Unisex-Toilette im Schultrakt A genutzt werden kann. 20 Cent kosten die jeweils in einer kleinen, handlichen Schachtel abgepackten Gummitütchen. Ein Automat für Damenbinden soll bald folgen, kündigt Schulsprecherin Paula Schurbohm an.

Jugendliche trauen sich nicht, Kondome zu kaufen

Der Grund für den Verhüterli-Apparat sei ein zweifacher, sagt sie. „Wir wollten einen sicheren Ort anbieten, an dem unsere Mitschüler ein Kondom kaufen können, um sich vor ungewollter Schwangerschaft, Aids oder anderen Geschlechtskrankheiten schützen können“, sagt die angehende Abiturientin. Viele Jugendliche trauten sich einfach nicht, in der Apotheke oder Drogerie nach Kondomen zu fragen.

Für diese Gruppe stelle der Automat neben den Unisex-Waschbecken jetzt eine niedrigschwellige Alternative dar, schnell, anonym, ohne Schamgefühl und kostengünstig ein Verhütungsmittel zu erwerben. „Und wir wollten auch dieses oft noch als Tabu angesehene Thema für die Schüler normalisieren und ihre Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit sicherer Verhütung lenken“, so Schurbohm. Kondome könnten das Risiko, an HIV/Aids, Gonorrhoe, Chlamydien und Syphilis zu erkranken oder Genitalwarzen oder Herpes zu bekommen, wirksam reduzieren.

„Ein Kondom ist die einzige Möglichkeit, sich beim Sex vor Aids und bakteriellen Infektionen zu schützen“, ergänzt Calvin Plambeck von der Schülervertretung an der KBS. „Das Thema ist uns sehr wichtig“, betont der Tornescher, der auf allen Fluren in den Schulgebäuden 16 Plakate aufgehängt hat, die auf den neuen Kondomspender in der Kreisberufsschule aufmerksam machen.

Kondomautomat und dessen Inhalt wird subventioniert

Angeschafft wurde das Gerät über die Hamburger Organisation „Jugend gegen Aids“, die seit 2009 bundesweit Aufklärung bei Schülern und Jugendlichen zur sexuellen Gesundheit betreibt. Schirmherr der Organisation ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit (SPD), gehören dem Beirat von „Jugend gegen Aids“ an.

Über diese Organisation werden der Kondomautomat und dessen Inhalt subventioniert. So hat der Automat 180 Euro gekostet. Die Kondome kosten im Einkauf 40 Cent, werden den Schülern aber für 20 Cent das Stück verkauft. Ein bekannter Kondomhersteller unterstützt das Projekt: Der Anreiz für Jugendliche, sich beim Sex selbst zu schützen, solle möglichst groß sein. „Mit dem Verkauf von selbst gebackenem Kuchen decken wir die Kosten“, sagt Zümrüt Bucuka von der Schülervertretung.

Schulleiter Erik Sachse ist stolz auf die Selbstinitiative seiner Schüler. Er sei in den 1980er-Jahren erwachsen geworden, als das Thema Aids noch in aller Munde war. Heute sei das nicht mehr der Fall, so der Eindruck von Schülervertreter Plambeck. „Kondome sind nicht selbstverständlich“, ist seine Erfahrung. Auch die Verbindungslehrer Annemarie Janke und Stephan Mayer sind begeistert von der Aktion. Janke sagt: „Wir stehen voll hinter diesem Projekt unserer Schüler.“

( bf )

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