Kreis Pinneberg

Postkartensammlung – Schöne Grüße aus Rellingen

| Lesedauer: 3 Minuten
Anne Dewitz
Die Hauptstraße ist mit 120 Karten am häufgsten in der Sammulung vertreten: Hier die Hauptstraße 31/ Ecke Kirchenstraße, Vorläufer des Rellinger Hofs vor 1904.

Die Hauptstraße ist mit 120 Karten am häufgsten in der Sammulung vertreten: Hier die Hauptstraße 31/ Ecke Kirchenstraße, Vorläufer des Rellinger Hofs vor 1904.

Foto: Gemeindearchiv Rellingen, Sammlung Miller

Gemeinde übernimmt Postkartensammlung von Heimatforscher Reinhold Miller – und seine Webseite. Die Gründe.

Rellingen. Die älteste Karte trägt den Poststempel 29.10.1898. Darauf zu sehen sind der Markt mit Kirche, Becks Hof, Focks Mühle und Meyers Gastwirtschaft. Sie wurde von Hand koloriert. Eine Rarität. Eine andere Postkarte zeigt den Vorläufer des Rellinger Hofs vor 1904 an der Ecke Hauptstraße 31/ Kirchenstraße. Abgebildet ist die Wirtschaft Wördemann. „Um die Jahrhundertwende posieren hier die Familie des Gastwirts Franz Daniel Wördemann sowie Bedienstete und Anwohner“, sagt Gemeinde-Archivar Matthias Rosenthal.

Sammlung umfasst mehr als 500 Postkarten

Die Postkarten mit historischen Ansichten auf Rellingen hat der Heimatforscher Reinhold Miller gesammelt und nun der Gemeinde vermacht. Der Rellinger stellte auf der Website www.rellinger-allerlei.de in jahrelanger Arbeit mehr als 500 Postkarten aus den Jahren 1898 bis 2006 zusammen. Der heute 83-Jährige, der an Demenz erkrankt ist, wollte die Sammlung eigentlich selbst übergeben. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte seine Pläne.

„Er erkrankte selbst an Corona. Zudem wurde seine Demenz im vergangenen Jahr viel schlimmer“, erzählt sein Sohn Knut Miller, der die Übergabe am Donnerstag im Rathaus im Namen seines Vaters übernahm. Er und Bürgermeister Marc Trampe unterzeichneten eine Schenkungsurkunde. Damit geht der historische Schatz offiziell in den Besitz des Gemeindearchivs über.

Mit dabei ist auch eine Karte, die einen Blick vom Markt auf die Kirche um 1903 zeigt. „Links das Gebäude gehörte dem Zimmermeister Hinrich Stoldt, rechter Hand Schmidt´s Weinstuben, alles heute nicht mehr vorhanden, außer der Kirche“, so der Fachmann Rosenthal.

Anlaufpunkt für historisch interessierte Rellinger

Auch die alte Webseite von Miller soll aktiv bleiben und weiter ausgebaut werden. Ergänzt werden die Postkarten um geschichtliches Hintergrundwissen zu den einzelnen Motiven und Straßenzügen, aber auch um kurze Artikel zu einzelnen Orten und Ereignissen der Rellinger Geschichte.

„Die Seite ist bis heute ein wichtiger Anlaufpunkt für historisch interessierte Rellinger“, sagt Marc Trampe. Reinhold Miller habe in jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit viel zur Erforschung der Rellinger Geschichte beigetragen. Sein Lebenswerk bleibe für die Nachwelt erhalten. „Uns ist es eine große Freude, die Sammlung in unserem Archiv aufnehmen zu dürfen.“ Darunter sind auch Baupläne aus dem Jahr 1900 von der Villa Schirmers Ruh an der Hauptstraße 137.

Häufigstes Motiv: Die Rellinger Hauptstraße

Beliebtestes Motiv ist übrigens die Hauptstraße. Sie ist auf gut 120 Ansichtskarten abgebildet. Die Kirche liegt mit 100 Karten auf Platz zwei. Viele Karten stammen noch aus der Kaiserzeit. Durch die Patienten der Heilanstalt des Nervenarztes Dr. Guido Ofterdinger bestand offenbar um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg ein erhöhter Bedarf an Ansichtskarten. Die letzten gedruckten Ansichtskarten von Rellingen stammen aus dem Jahre 2006.

„Mein Vater hatte zwei Leidenschaften: Sammeln und Heimatgeschichte“, erzählt Knut Miller. Noch bis ins Jahr 2018 war er mit Vorträgen im Heimatverein aktiv, in dem er seit den 90er-Jahren auch Schriftführer war. Offen, kontaktfreudig, unglaublich interessiert und internetaffin sei er vor seiner Erkrankung gewesen. „Er hat viel Herzblut und Zeit investiert“, sagt sein Sohn. Um so schöner sei es, dass die Sammlung in Rellingen erhalten bleibe.

Das Gemeindearchiv freut sich immer über alte Dokumente, alte Fotoalben, Briefe, Tagebücher, Videos mit einem Bezug zu Rellingen. Dort kann das Material sachgerecht gelagert, aufbereitet und für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Archivbestände können nach vorheriger Terminvereinbarung eingesehen werden. Kontakt zu Matthias Rosenthal: 04101/56 41 29.

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