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Pinnebergs Bahnhof wird teurer – und macht Probleme

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Nico Binde
Modern und schick: So soll am Bahnhof Pinneberg der Zugang zu den Bahnsteigen von der Nordseite aus nach Abschluss der Bauarbeiten aussehen.

Modern und schick: So soll am Bahnhof Pinneberg der Zugang zu den Bahnsteigen von der Nordseite aus nach Abschluss der Bauarbeiten aussehen.

Foto: db / DB

Kosten für südliches Umfeld steigen stark. Auch das Fahrradparkhaus ist in Gefahr. Nun sucht Pinnebergs Bürgermeisterin Hilfe.

Pinneberg.  Es gibt Verzögerungen – und teurer wird es auch: Am Pinneberger Bahnhof, der Dauerbaustelle der Stadt, haben die Verantwortlichen derzeit mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Zum einen haben sich laut einer Vorlage im Stadtentwicklungsausschuss die Baukosten auf der Südseite enorm erhöht. Zum anderen gibt es Probleme mit dem geplanten Fahrradparkhaus auf der Nordseite. Es drohen mehrjährige Verzögerungen, schreibt Bürgermeisterin Urte Steinberg in einem Hilferuf an Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP).

Baukosten für Bahnhof Pinneberg steigen

Bekanntlich wird seit 2018 an Pinnebergs Bahnhof kein Stein auf dem anderen gelassen. Gleise, Gebäude und Plätze werden für kalkulierte 15 Millionen Euro „gesamthaft modernisiert“ und barrierefrei ausgebaut. Doch während die erste Bauphase mit neuen Bahnsteigen und Gebäuden der Deutschen Bahn AG auf der Zielgeraden ist, stockt es bei der Umfeldgestaltung. Dort plant (und bezahlt) insbesondere die Stadt Pinneberg ein einladenderes, zukunftsfähiges Entree – mit Fallstricken, wie sich jetzt zeigt.

Angefangen bei den Kosten. Der südliche Ausgang des Bahnhofs Richtung Quellental soll verkehrsberuhigt und weitläufiger werden. Dafür sehen die Planungen nicht nur sieben Fahrradabstellanlagen mit insgesamt 900 Plätzen vor. Auch ein Park-and-ride-Bereich sowie Sitzgelegenheiten, eine Packstation, neue Bäume und der Ausbau der Straße An der Mühlenau sind geplant. Ursprünglich waren Baukosten von 3,9 Millionen Euro kalkuliert worden. Jetzt hat sich der Preis um mehr als die Hälfte erhöht.

Allein im Fahrradparkhaus entstehen 900 Stellplätze

Inzwischen wird mit einem Bedarf von 6,4 Millionen Euro für die südliche Gestaltung gerechnet, heißt es in der Vorlage. Grund: „Die zwischenzeitlich vorliegende Ausführungsplanung und die darauf basierende Kostenberechnung“ sowie die „erheblichen Baukostensteigerungen in den letzten Jahren“. Der Förderbescheid für die Stadt über einen Zuschuss in Höhe von 2,85 Millionen Euro bezieht sich noch auf die alte Preiskalkulation. Immerhin: Im Sommer 2023 sollen alle acht Bauabschnitte auf der Südseite Bahnhof Süd fertig sein.

Gravierender scheint ohnehin, dass dem Stadtprojekt Fahrradparkhaus auf der Nordseite eine mehrjährige Hängepartie droht. In einem Hilfegesuch an den schleswig-holsteinischen Verkehrsminister Bernd Buchholz schreibt Bürgermeisterin Urte Steinberg von einem Verzug, der „drei bis vier Jahre“ betragen könnte. Bekanntlich sollen mit dem Gebäude 900 Radstellplätze entstehen.

Sperre für alle Maßnahmen im Bahnhofsbereich

Hintergrund dieser Eskalation bis ins Ministerium ist, dass die Deutsche Bahn nach der Vorstellung des Projektes S 4 (in Richtung Elmshorn) für alle Maßnahmen im Pinneberger Bahnhofsbereich eine Sperre von fünf bis sechs Jahren verhängt hat, um sich die Planung für ein zusätzliches Gleis offenzuhalten. „Doch dadurch können weder die für laufende Maßnahmen notwendigen Grundstücksverkäufe abgeschlossen werden, noch kann das Fahrradparkhaus geplant und gebaut werden“, schreibt Steinberg.

Während die Deutsche Bahn den Baustart für das historische Empfangsgebäude des Bahnhofs und die neuen Ergänzungsbauten als eigene Projekte freigegeben habe, sei die Fläche für das benachbarte Fahrradparkhaus weiter in der Schwebe. In Gesprächen habe die Stadt dieses Problem bereits erörtert. Zuletzt soll der Vorstand der Deutschen Bahn um die Freigabe zum Bau des Fahrradparkhauses und den dazugehörigen Grundstücksverkauf gebeten worden sein. Ohne Reaktion.

Bürgermeisterin mit Hilferuf an Verkehrsminister

Seitdem habe es „zahlreiche Nachfragen“ der Stadt beim Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) und der DB gegeben. „Aktuell liegt aber weder eine Antwort der Nah.SH noch eine Freigabe der DB für die Flächen vor.“ Das Problem dieser Hängepartie: Das bisher im Haushalt der Stadt bereitgestellte Geld für die Planung des Fahrradparkhauses droht zum Ende des Jahres zu verfallen.

„Wenn nicht im Herbst mit der Planung begonnen werden kann, gehe ich davon aus, dass das Projekt sich danach um drei bis vier Jahre verzögern würde“, so Steinberg. In dem Hilferuf an den Minister schreibt die Bürgermeisterin: „Könnten Sie direkt mit dem Vorstand der DB Kontakt aufnehmen und eine kurzfristige Freigabe des Projektes Fahrradparkhaus und der für das Gesamtprojekt benötigten Flächen erwirken?“ Tatsächlich spricht auch Bernd Buchholz in seiner Antwort von einer „Blockade“ in dem Projekt. Die Nah.SH habe das Problem bereits bei der Deutschen Bahn „platziert“. Zurzeit werde um eine Lösung gerungen.

20.000 Menschen nutzen Pinneberger Bahnhof täglich

Es ist aus Sicht des Ministers „nachvollziehbar“, dass die Deutsche Bahn wegen der S-4-West vorausschauend handeln muss. „Die Maßnahmen beim jetzigen Umbau des Bahnhofs sollten jedoch nicht über das notwendige Maß hinaus verzögert werden“, schreibt Buchholz. Er hoffe, dass die „Blockade in Kürze aufgelöst“ werde. Zumal Teile dieser Blockade auch die Südseite betreffen. Notwendige Grundstücksgeschäfte mit der Deutschen Bahn sind dort ebenfalls noch offen. Das Ausgangsbauwerk des Tunnels mit Dach steht etwa auf einer städtischen Fläche und wurde von der Bahn noch nicht erworben.

Etwa 20.000 Menschen nutzen den Bahnhof in Pinneberg täglich, in den kommenden Jahren sollen es bis zu 24.000 sein. Deshalb wird das gesamte Gelände neu gestaltet.

Bahnhof Pinneberg: Empfang soll aussehen wie in 30er Jahren

Anfang 2022 soll etwa mit der Renovierung des historischen Empfangsgebäudes auf der Nordseite begonnen werden. Es muss entkernt und gemäß Denkmalschutz neu aufgebaut werden. Maßstab sei die Außenfassade aus dem Jahr 1936. Der Bau stammt aber eigentlich aus dem Jahr 1844 und ist der älteste noch in Betrieb befindliche Bahnhof Schleswig-Holsteins. Eine beheizte Wartehalle, Fahrkartenschalter sowie ein Café sollen für sechs Millionen Euro entstehen.

Weil am Bahnhof schon heute ein hoher Bedarf an Radparkplätzen besteht und dieser Bedarf mit steigenden Nutzerzahlen auf etwa 2400 Stellplätze steigen wird, ist das Radparkhaus auf der Nordseite ein Schlüsselprojekt für die Stadt. Denn auch im Umfeld wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Die 360 Wohnungen auf dem ehemaligen ILO-Motorenwerke-Gelände sollen von diesem Herbst an bis Sommer 2024 realisiert werden. Das Parkhaus auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ist bereits im Bau und soll in diesem Herbst fertig werden. Zum Straßenausbau hat sich per städtebaulichem Vertrag die Firma Matrix als Bauherrin des ILO-Parks verpflichtet. Der Ausbau soll bis spätestens Juli 2023 erfolgen.

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