Schleswig-Holstein

Prien schließt erneuten Schul-Lockdown im Norden aus

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Kitty Haug
Bildungsministerin Karin Prien will die Schulen im Norden offen halten. Die Ministerin nahm ein Buch über Moorrege mit nach Kiel, das ihr Bürgermeister und Parteifreund Wolfgang Balasus überreicht hatte.

Bildungsministerin Karin Prien will die Schulen im Norden offen halten. Die Ministerin nahm ein Buch über Moorrege mit nach Kiel, das ihr Bürgermeister und Parteifreund Wolfgang Balasus überreicht hatte.

Foto: KITTY HAUG / Kitty Haug

Die Schulen in Schleswig-Holstein sollen offen bleiben. Bildungsministerin übergibt in Moorrege Laptops für Lehrkräfte.

Moorrege. Die Schulen bleiben offen – das ist jetzt eines der wichtigsten Ziele in der Pandemie. Trotz sich verbreitender Corona-Mutationen und einer steigenden Inzidenz schließt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien einen erneuten Lockdown an den Bildungseinrichtungen im Land aus.

Das sagte die CDU-Politikerin am Dienstag bei einem Besuch in Moorrege. „Eine flächendeckende Schließung von Schulen wäre in der jetzigen Situation nicht mehr vertretbar“, so Prien.

Devise für das Schuljahr: Schule in Präsenz

Denn die Schulen seien im Lockdown nicht zum Schutz der Kinder, sondern zum Schutz der Erwachsenen und der vulnerablen Gruppen geschlossen worden. Personen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, seien jetzt fast alle geimpft. Erwachsene hätten die Chance auf eine Impfung gehabt oder werden sie in den nächsten Wochen erhalten, erklärte Prien. Es gebe somit keine Rechtfertigung mehr, weder rechtlich noch ethisch, so die Politikerin.

Sie schließt sich damit der Meinung des wissenschaftlichen Beirats im Land an, den Entscheidungen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) sowie den Empfehlungen des Virologen Christian Drosten. Die Devise für das laufende Schuljahr sei Schule in Präsenz. Einzige Ausnahme: dass nach Infektionsfalles mal einzelne Klassen in Quarantäne geschickt werden müssen.

Schulen hängen bei der Digitalisierung hinterher

Die Corona-Pandemie zwingt die Schulen also immer noch zum Improvisieren. Und sie hat gezeigt, dass es im Bereich Schule und Digitalisierung immer noch große Defizite gibt. Doch wenn im Quarantäne-Fall ein digitaler Unterricht nötig wird, soll es mit dem Lernen und Lehren besser klappen als während des Distanzunterrichts im Frühjahr – zumindest bei den Lehrern.

Als „Corona-Hilfe III“ hatte der Bund mit den Ländern Anfang 2021 eine dritte Zusatzverwaltungsvereinbarung beschlossen: „Leihgeräte für Lehrkräfte“. So soll jeder Pädagoge nun ein Dienstnotebook erhalten. Für die Anschaffung dieser Geräte haben Bund und Länder ein 500-Millionen-Euro-Paket als verabschiedet.

Bis zum Jahr 2024 werden nun etwa 33 Millionen Euro für die Beschaffung der digitalen Endgeräte für die rund 30.000 Lehrkräfte in Schleswig-Holstein bereitgestellt, weitere elf bis 15 Millionen Euro kommen für die Administration und technische Hilfestellung hinzu. Aus dem Digitalpakt des Bundes fließen 17 Millionen Euro in das Projekt, den Rest finanziert das Land. Insgesamt erhalten die Schulen in der ersten Phase 5000 Geräte. Im Laufe des Schuljahres sollen sie nach Angaben der Ministerin für die rund 30.000 Lehrkräfte an allen Schulen verfügbar sein, so die Ministerin.

Intensiver Lernprozess im Moorreger Kollegium

Seit Mitte Mai dieses Jahres konnten Schulen die Endgeräte bestellen. Das hat auch die Grundschule in Moorrege getan. „Gerade erst bestellt und schon geliefert“, sagte Schulleiterin Maike Kittel, als sie die zehn sogenannten Surface Go-2-Geräte aus den Händen Priens entgegennahm. Es sei ein wichtiger und richtiger Schritt, ihre Schule weiter „fit zu machen für das digitale Lernen“, so die Pädagogin.

Zuvor musste die Schule jedoch auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Das Kollegium musste einen intensiven Lernprozess durchlaufen, der sicherlich noch nicht beendet ist, sagte Kittel. „Manchen fällt es sicherlich schwer, aber sie machen es“, zumal es jetzt einfacher sein werde, da es nun für alle ein einheitliches Betriebssystem gebe.

Prien hebt hervor, dass es gelungen sei, erstmals eine flächendeckende und nachhaltige Strategie auf den Weg zu bringen. „Gemeinsam mit Dataport sowie in enger Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden und einzelnen Schulträgern haben wir ein landesweites Vorgehen für die Bereitstellung der Geräte entwickelt“, sagte sie. Es sei ein unglaublicher Kraftakt gewesen, aber auch „eine weitere wichtige Voraussetzung für den digitalen Unterricht – nicht nur in Zeiten der Pandemie, sondern auch für die langfristige Schulentwicklung“.

Mehr als 4300 Laptops wurden schon bestellt

Die Schulen können wählen zwischen vier Modellen (MMS Surface, zwei Modelle von HP-Notebooks und iPad). Schulleitung und Kollegium treffen unter Beteiligung des örtlichen Personalrats die Auswahl, wobei der Medienentwicklungsplan und das Ausstattungsprofil der einzelnen Schule beachtet werden müssen. Außerdem muss der Schulträger in die Beschaffung eingebunden werden.

Aktuell haben bereits 152 Schulen ihre Bestellungen abgegeben und 4353 Geräte für Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten bestellt, die jetzt nach und nach ausgeliefert werden. Die Geräte werden von Dataport, dem Informations- und Kommunikations-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung, betreut. Die Geräte sind vorkonfiguriert, ihnen liegt eine kurze Handreichung für die Inbetriebnahme bei.

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