Kreis Pinneberg

Hemdingen hat einen neuen Kindergarten-Plan

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Burkhard Fuchs
  Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass (l.) ist sich mit Johanniter Peter Küpper und Kindergartenleiterin Jacqueline Schmidberger handelseinig.

Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass (l.) ist sich mit Johanniter Peter Küpper und Kindergartenleiterin Jacqueline Schmidberger handelseinig.

Foto: Burkhard Fuchs

Nachdem das Amt Rantzau das Bauvorhaben wegen rechtswidriger Auftragsvergabe gestoppt hat, ist ein neuer Bauherr gefunden.

Hemdingen.  Der geplante Kindergarten-Neubau in Hemdingen ist so gut wie gesichert. Jetzt werden nicht mehr die beteiligten Kommunen die Kita planen und bauen. Die Johanniter-Unfallhilfe, die seit 2019 bereits den Kindergarten neben der Hemdinger Grundschule am Steindamm/Barmstedter Straße betreibt, soll das Zwei-Millionen-Euro-Projekt stemmen, für das Fördergeld von bis zu 1,5 Millionen Euro von Land und Bund erwartet wird.

Kindergartenneubau könnte Ende 2022 fertig sein

Ein entsprechender Vertragsentwurf für dieses Bauträgermodell liegt bereits vor und muss jetzt noch von den politischen Gremien in Hemdingen, Heede und Bilsen beschlossen werden. Die Gemeinde Langeln ist ausgeschert und plant, einen eigenen Kindergarten im Ort einzurichten. Damit ist die Kuh vom Eis. Im Frühjahr hatte die Verwaltung des Amtes Rantzau – wie berichtet - die gesamte Kindergartenplanung in Hemdingen gestoppt, weil die zum Teil bereits erfolgte Auftragsvergabe rechtswidrig war.

Entsprechend entspannt äußerten sich jetzt die Beteiligten. „Wir hoffen, dass der Kindergartenneubau Ende nächsten Jahres bezugsfertig ist“, sagt Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass. „Der Amtsausschuss hat uns dafür Ende Juni freie Hand gegeben. Das ist auch gut so, denn es gibt bereits eine Riesen-Warteliste.“ Kindergartenleiterin Jacqueline Schmidberger sagt: „Wir freuen uns, dass wir bald etwas Neues für unsere Kinder bekommen.“

Seine Gemeinde werde ein 2300 Quadratmeter großes Grundstück als Bauland in die Planung einbringen, das direkt an das vorhandene Kindergarten-und Schulgelände angrenzt und bereits im vorigen Jahr dafür vorsorglich erworben wurde, sagt Sass. Damit ließe sich der Kita-Betrieb in der Holzbaracke von 1973 mit zurzeit drei Gruppen so lange weiterführen, bis der Neubau fertig ist.

Johanniter betreiben vier Kitas im Kreis Pinneberg

Auf die Frage, wie die neue Allianz der Gemeinden mit den Johannitern zustande kam, zitiert Bürgermeister Sass den Dichterfürsten Goethe aus der „Fischer“-Ballade, wo es heißt: „Halb zog sie ihn, halb sank er hin.“ Womit er meint, dass beide Seiten aufeinander zugegangen seien, als sich die Kita-Realisierung mit dem von Amts wegen verhängten Baustopp in weite Ferne zu verabschieden schien.

Diese Aussage bestätigt Peter Küpper, der zuständige Bereichsleiter für Kinder- und Jugendhilfe bei den Johannitern, die allein im Süden des Landes 25 Kindergärten mit 2500 Kindern betreiben. Davon allein vier – Wilde 13, Quickelbü, Pusteblume und Fuchsbau – in Quickborn, Borstel-Hohenraden und Bokholt-Hanredder im Kreis Pinneberg. Die Kitas in Quickborn, Lübeck oder Schwarzenbek hätten die Johanniter auch selbst gebaut, erklärt Bereichsleiter Küpper.

Johanniter rechnen mit 1,5 Millionen Euro Fördergeld

Insofern sei es für die evangelische Hilfsorganisation überhaupt nichts Neues, eine Kita selbst zu planen, zu errichten und zu betreiben, so wie es jetzt auch in Hemdingen der Fall sein soll. Im Gegenteil. „Wir kennen uns auch sehr gut darin aus, die erforderlichen Förderanträge beim Land zu stellen“, sagt Küpper. Bis zu 22.000 Euro je Kindergartenplatz oder 75 Prozent der gesamten Baukosten wären dabei an Zuschüssen möglich.

Was bei den geplanten fünf Kita-Gruppen mit rund 75 Kindern, die je zur Hälfte unter drei Jahre und von drei bis sechs Jahre alt sein werden, etwa 1,5 Millionen Euro ausmache, wenn der Bau wie geplant zwei Millionen Euro koste, erläutert Küpper. Die restliche halbe Million würden sich dann die drei Gemeinden nach ihrer Einwohnerzahl teilen, erklärt Bürgermeister Sass. „Hemdingen mit seinen 1800 Bewohnern müsste davon etwas mehr als die Hälfte tragen.“

Versöhnliche Töne aus dem Amt Rantzau

Sogar die Baupläne liegen bereits vor. Demnach soll die neue Kita auf dem benachbarten, neu erworbenen Grundstück L-förmig mit 700 Quadratmeter Grundfläche eingeschossig gebaut werden. Wenn sie fertiggestellt ist, kann die „historische Baracke“, wie Sass sagt, abgerissen werden, um den Kindern zusätzliche Spielflächen zu ermöglichen.

Danach, so die Vision des Bürgermeisters, könnte auf dem jetzigen Schulgelände neben der alten Turnhalle eine neue Sporthalle errichtet werden. Sass rechnet dafür mit etwa fünf Millionen Euro Baukosten. Der Bedarf und die Notwendigkeit für die Kinder, ihrem Bewegungsdrang nachzugehen, seien da. „Unsere Grundschule ist jetzt durchgehend zweizügig.“

Auch aus dem Amt Rantzau sind zu der neuesten Kita-Plan-Entwicklung wieder versöhnliche Töne zu hören. „Wir werden die vorgelegten Verträge jetzt noch einmal rechtlich prüfen und sie dann den politischen Gremien in Hemdingen, Bilsen und Heede nach der Sommerpause zur Beschlussfassung vorlegen“, sagt Bauamtsleiter Alexander Harms vom Amt Rantzau. „Der Kreis Pinneberg wird sich freuen, schließlich werden diese Kindergartenplätze dringend benötigt.“

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