Kreis Pinneberg

Pinneberger Drostei bleibt weitere fünf Jahre Kulturknoten

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Anne Dewitz
Julia Knabbe (l.) und Stefanie Fricke führen die Arbeit des Kulturknotenpunktes an der Drostei fort.

Julia Knabbe (l.) und Stefanie Fricke führen die Arbeit des Kulturknotenpunktes an der Drostei fort.

Foto: Anne Dewitz

Land Schleswig-Holstein fördert das Projekt mit 40.000 Euro jährlich. Julia Knabbe verstärkt das Team. Das sind ihre Pläne.

Pinneberg.  Die Drostei in Pinneberg ist mit Beginn dieses Jahres erneut zum Kulturknotenpunkt ernannt worden und kann damit die vom Land Schleswig-Holstein geförderte Arbeit fortsetzen. Nach einem aufwendigen Evaluationsprozess im vergangenen Jahr, in den alle Kulturknotenpunkte des Landes, der Landeskulturverband und Vertreter des Ministeriums involviert waren, wurden Leitlinien und Erwartungen für die Zukunft formuliert. Für die Arbeit der nächsten Förderperiode bis Ende 2025 wird Julia Knabbe das Drostei-Team verstärken.

Schenefelderin verstärkt das Team der Drostei

„Wir hatten 16 Bewerber, darunter tolle Leute aus der Region“, sagt Stefanie Fricke, Künstlerische Leitung der Drostei. Zwei kamen nach Zoom-Gesprächen in die engere Auswahl und konnten vor Ort ihre Konzepte vorstellen. Die Wahl fiel auf die gebürtige Schenefelderin Julia Knabbe, die in Hamburg-Eimsbüttel lebt und als Konzeptionerin, Künstlerin und Designerin zuvor in einer Agentur Ausstellungen und Veranstaltungen konzipiert hat. Ihr Denken und ihre Ideen überzeugten.

Die 38-Jährige hat die Arbeit am 1. Juli aufgenommen und soll die landesweite Netzwerkarbeit intensivieren, neue Zielgruppen erreichen und die digitale Ausrichtung weiter nach vorn bringen. Die Stelle mit 20 Stunden pro Woche ist bis 2025 befristet. Ihre ersten Aufgaben: gemeinsam mit der Stabsstelle Integration des Kreises Pinneberg ein Projekt zu entwickeln, das Geflüchtete an Kultur heranführt. „Es geht um Diversität und darum, nicht nur Menschen zu erreichen, die sich sowieso schon für Kultur interessieren“, sagt Julia Knabbe.

Das Kulturministerium fördert den Kulturknotenpunkt, der die Region Pinneberg und den südlichen Teil des Kreises Steinburg abdeckt, mit jährlich 40.000 Euro. Die Förderung wurde mit dem Haushalt 2021 verdoppelt. „Das ist eine große Chance für uns“, sagt Stefanie Fricke. Bedingung seitens des Ministeriums ist, mindestens acht Wochenstunden in die Kulturknotenarbeit zu investieren und ab dem kommenden Jahr mindestens zwölf. „Darum haben wir uns entschlossen, die Mehrmittel in Personal zu investieren.“

Landesweit gibt es sieben Kulturknotenpunkte

Seit 2015 fördert die Landesregierung mit den Kulturknotenpunkten das professionelle Netzwerk für Kultur im ländlichen Raum. Es wird vom Landeskulturverband Schleswig-Holstein koordiniert und beraten. Die Kulturknotenpunkte, von denen es landesweit sieben gibt, verbinden die kulturellen Angebote in ländlichen Räumen untereinander und mit denen in dichter besiedelten Zentren.

Sie beraten kulturell Tätige und Interessierte, fördern und initiieren Kooperationen und unterstützen bei der Öffentlichkeitsarbeit für kulturelle Angebote. Sie arbeiten spartenübergreifend und haben die Aufgabe, die relevanten Akteure in der Region – Kulturschaffende, Ehrenamtliche, aber auch Nutzerinnen und Nutzer – einzubinden und miteinander zu vernetzen.

Konkrete Hilfsangebote für Kulturschaffende in der Region

Für den Kulturknotenpunkt in Pinneberg lief die erste Förderung 2020 aus. Die Bilanz der ersten fünf Jahre: „Zunächst ging es darum, unsere Aufgaben als Kulturknotenpunkt zu definieren“, sagt Stefanie Fricke. In einem Workshop wurden Kulturschaffende befragt, was sie sich wünschen.

Daraus ließen sich konkrete Hilfsangebote ableiten. Ein Medienrechtler klärte beispielsweise in einer Veranstaltung auf, was die neuen Datenschutzbestimmungen für Veranstalter und Kulturschaffende bedeuten. In einer anderen Reihe ging es darum, wie Künstler ihre Kunst besser vermarkten können. Regelmäßige Netzwerktreffen mit Museen und der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein fanden und finden statt. Auch die Kulturknotenpunkte untereinander tauschen sich regelmäßig aus.

Veranstaltungen werden auf der Homepage der Drostei unter dem Menüpunkt Kulturknoten gebündelt und mit den Internetseiten der Veranstalter verlinkt. Das Projekt „Kultur im Beutel“ wurde ins Leben gerufen. Dabei geht es um die Fragen: Was bedeutet mir Kultur? Was ist für mich Kultur? Was bedeutet sie für unser Zusammenleben?

Auch die Beratung in der Corona-Krise war Aufgabe

„In den vergangenen Monaten kamen zudem unheimlich viele Beratungen rund um Corona hinzu“, sagt Stefanie Fricke. Die Anfragen reichten von Unterstützung beim Beantragen von Corona-Hilfen bis hin zur Existenzberatung. „Viele Kulturschaffende hatten keinen Plan B.“

Die Anfragen waren während ihrer Arbeitszeit nicht zu bewältigen, also beriet Stefanie Fricke die Künstler in Notlage ehrenamtlich nach Feierabend weiter. Sie glaubt, dass Corona, die Kunstszene nachhaltig verändern wird und viele künftig auf Hybridmodelle setzen werden und sich mit Nebenjobs, zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt, absichern werden.

Für die neue Förderperiode soll das Projekt „Kultur im Beutel“ stärker in die Dörfer getragen werden. Geplant ist zudem ein Workshop, wie sich Fördervereine künftig besser aufstellen können, um auch jüngere Menschen für die Arbeit im Verein zu begeistern. Fortbildungen sollen im Umgang mit Sozialen Medien und Digitalisierung schulen.

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