Kreis Pinneberg

Verkehrsminister testet Rumpel-Radweg Prisdorf-Tornesch

| Lesedauer: 5 Minuten
Katja Engler
Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP, M.) im Gespräch mit Bürgermeisterin Sabine Kählert, (2. v. r.), Bürgermeister Rolf Schwarz (r.) und LBV-Direktor Torsten Conradt (l.).

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP, M.) im Gespräch mit Bürgermeisterin Sabine Kählert, (2. v. r.), Bürgermeister Rolf Schwarz (r.) und LBV-Direktor Torsten Conradt (l.).

Foto: Katja Engler

Kinder- und Jugendbeirat lädt Bernd Buchholz nach Prisdorf ein. Der stellt baldige Reparatur der schlimmsten Schäden in Aussicht.

Prisdorf/Tornesch.  Es ist dem Studenten und ehemaligen Prisdorfer Schüler Florian Juhl (21) zu verdanken, dass Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) an einem verregneten Mittwochmorgen nach Prisdorf gekommen ist, um sich persönlich und per Fahrrad ein Bild zu machen von dem Rumpel-Radweg entlang der Landesstraße 107.

Als Mitglied des Kinder- und Jugendbeirates hatte Juhl einen offenen Brief verfasst und dann, als keine Reaktion kam, eine Petition beim Petitionsausschuss des Landtages eingereicht. Alle Fraktionen des Pinneberger Kreistags beschlossen dann einstimmig eine Resolution zum Sanierungsbedarf des Schulweges.

SPD und Grüne hatten schon länger vorher auf den teilweise erheblich kaputten Radweg hingewiesen. Juhl schrieb in seinem Brief: „Der Verkehrsminister ignoriert die Sicherheit der Schüler, verhindert aber auch mit seinem (Nicht-)Handeln die dringend notwendige Verkehrswende“.

Minister Buchholz radelt die Strecke selbst

Das wollte Bernd Buchholz so wohl nicht auf sich sitzen lassen. Es wird also kein kurzer Fototermin mit fünf Minuten Alibi-Strampeln für die Presse. Nein, der Minister radelt die ganze Strecke bis zur Klaus-Groth-Schule ab, flankiert von den beiden Bürgermeistern Sabine Kählert (Tornesch) und Rolf Schwarz (Prisdorf), die ihn immer mal auf die schlimmsten Stellen hinweisen.

Begleitet wird er von Landrätin Elfi Heesch und einem ganzen Tross von Politikern, Pressesprechern, Aktivisten und wenigen Jugendlichen. Es stimmt zwar, dass der Radweg im Großen und Ganzen befahrbar ist, worauf der bestens informierte Minister am Ende dezidiert hinweist.

Abgesehen davon, dass er eine Buckelpiste ist, fliegen allerdings Menschen, die nicht damit rechnen, an den gefährlichen Stellen leicht aus dem Sattel. Denn dort, wo die Baumwurzeln sich in den Asphalt oder, schlimmer, zwischen den Pflastersteinen hochgedrückt haben, müssen Radler eigentlich absteigen, wenn sie die Berg- und Talfahrt über die recht tiefen Spalten heil überstehen wollen.

Benutzungspflicht für Radweg aufgehoben

Die Tornescher Bürgermeisterin Sabine Kählert weist darauf hin, dass schon mehrere Kinder gestürzt seien: „Im Dunkeln können die diese Stellen doch gar nicht erkennen!“ Und schließlich werde der Fahrradweg von sehr vielen Kindern und Jugendlichen als Schulweg genutzt.

Florian Juhl ist trotzdem nie auf die Straße ausgewichen: „Das war mir immer zu gefährlich, weil da die Lastwagen entlangbrettern. Gerade rund um den Bahnübergang, wenn die noch mal eben rüber wollen, bevor die Schranke schließt.“

Weil ein Radler aus der Region geklagt hatte, dass er nicht ungehindert über den Radweg fahren konnte, wurde für diesen Weg die Benutzungspflicht aufgehoben und das Ausweichen auf die Straße empfohlen. Kinder bleiben aber offenbar aus Sicherheitsgründen lieber auf dem Fahrradweg.

Buchholz informiert über Pläne des Landes

Bernd Buchholz gibt nun detailliert Auskunft über die Überlegungen im Ministerium und beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV). Als Erstes weist er darauf hin, dass der Radweg entlang der L 107 nicht auf der Prioritätenliste des Kreises stehe.

Warum das so ist, darüber war in der Kreis-Pressestelle bis zum Redaktionsschluss keine verlässliche Auskunft zu bekommen. Also auch nicht darüber, was möglicherweise wo liegengeblieben oder vergessen wurde. Landrätin Heesch jedenfalls, selbst begeisterte Radlerin, betont: „Prioritäten können sich ändern, und wir können eventuell nachmelden.“

Minister warnt: Sanierung wird dauern

Der Minister erklärt, dass es mit einer schnellen neuen Asphaltschicht in solchen Fällen nicht getan sei und auch das Aufbringen einer Hansegrandschicht nicht unproblematisch sei. Einmal Schneeschieber drüber – schon sei die Schicht abrasiert, es entstünden Kuhlen, neue Kanten, und alles geht von vorn los. Auch kollidiere der Wunsch nach einem glatt befahrbaren Radweg mit dem, die daran eng angrenzenden Bäume zu erhalten.

„Wenn Sie Asphalt drüber machen, haben Sie das Problem in einem Vierteljahr wieder. Wir haben eine längerfristige Strategie ausgerufen, denn diese Art Springprozession wollen wir nicht mehr.“ Er verstehe den Bedarf, „es hat aber keinen Sinn, das mit der heißen Nadel zu stricken. Um das richtig zu machen, wird ein komplettes Planfeststellungsverfahren mit einer Laufzeit von vier bis fünf Jahren gebraucht.“

Es sei aber eventuell möglich, die L 107 in der Planung hochzustufen. Da kritisiert Sabine Kählert: „Schade, dass die Kommunen bei der Erstellung solcher Prioritätenlisten nicht gefragt werden.“

Initiator Juhl spricht von „Etappensieg“

Der Prisdorfer Bürgermeister Rolf Schwarz fordert: „Wir erwarten, dass wenigstens die gefährlichen Stellen so repariert werden, dass man sicher darauf fahren kann.“ Sabine Kähler schließt sich daraufhin mit der dringlichen Bitte an, das Tornescher Stück des Weges nicht zu vergessen.

Der Minister sagt zu, dass in diesem Jahr dort, wo der Weg aufgesprungen ist, die Steine herausgenommen oder die Asphaltbrocken beseitigt werden und eine Grandschicht oder ähnliches aufgebracht wird. Die große Sanierung müsse aus den genannten Gründen gemeinsam mit der der Landesstraße erfolgen – allein schon deshalb, weil das Straßenbauequipment auf der dann zu sperrenden Straße neben der Baustelle stehen müsse.

Florian Juhl ist glücklich: „Ein Etappensieg ist schließlich auch ein Sieg.“

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