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Neue Abgasanlage macht die Klinik umweltfreundlicher

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Burkhard Fuchs
Sven Meiners, Technischer Leiter am Klinikum Pinneberg, vor dem Schornstein der Abluftanlage.

Sven Meiners, Technischer Leiter am Klinikum Pinneberg, vor dem Schornstein der Abluftanlage.

Foto: Burkhard Fuchs

Krankenhaus Pinneberg hat 2,2 Millionen Euro in die Erneuerung der Notstromversorgung inklusive Abgasfilter investiert.

Pinneberg.  Kommt ein Schornstein geflogen – so ähnlich könnte man den Eindruck bezeichnen, den kürzlich ein paar neugierige Beobachter am Regio Klinikum Pinneberg hatten. Mit einem 200 Tonnen schweren und bis zu 60 Meter hohen Kran musste dort die neue Abgasanlage installiert werden. Das sah fast spielerisch leicht aus, wie das 27 Meter lange und fünf Tonnen schwere Gerät, so hoch wie ein zwölfstöckiges Hochhaus, in einem Stück an seinen neuen Standort bugsiert wurde.

Dabei hat die Installation für die Pinneberger Klinik eine lebenswichtige Funktion, erläutert die Kliniksprecherin Birga Berndsen. Denn sollte einmal der Strom ausfallen, muss das Krankenhaus mit seinen bis zu 350 stationären Patienten per Notstromaggregat versorgt werden. Und das wurde jetzt komplett erneuert einschließlich der neuen Abgasanlage. Die bei einem Stromausfall benötigte Energie werde über dieselbetriebene Motoren erzeugt, erklärt die Kliniksprecherin. Bis zu 4500 Liter Diesel sorgten für eine ausreichende Betriebsdauer. Und damit die dadurch zwangsläufig entstehenden Rauchabgase niemanden stören oder gefährden können, musste die neue Abgasanlage installiert werden.

„Für den Klinikbetrieb hat die Vermeidung eines kompletten Stromausfalls höchste Priorität“, sagt Birga Berndsen. „Pflicht ist daher eine gesicherte Notstromversorgung.“ Und natürlich auch eine weitgehend saubere Abluft. So verfüge die neue Anlage über einen Rußfilter, erklärt Berndsen. „So werden die Staub-Emissionen begrenzt und eine Abgasausströmung unterhalb der Baumkronen sowie in kliniknahen Bereichen verhindert.“ Sogar die grünliche Farbgebung sei mit dem Naturschutzbund abgestimmt worden.

Wie schnell die Umschaltung geschieht, erklärt Sven Meiners, Technischer Leiter am Regio Klinikum Pinneberg. Die Patienten würden den Stromausfall kaum bemerken können. „Es dauert keine 15 Sekunden, bis die vollautomatische neue Netz-Ersatz-Anlage ihre Arbeit aufnimmt.“ Dennoch würden damit eher unkritische Systeme im Krankenhaus wieder mit Strom versorgt. Hochsensible Abteilungen, wie der OP-Trakt, seien ohnehin besonders geschützt, so der Technikexperte. Dort würden Batterien sofort die Stromversorgung „nahezu unterbrechungsfrei“ sicherstellen, bis auch dort das Notstromaggregat übernimmt.

Sollte für den Fall der Fälle auch das einmal ausfallen, könnte der Strom ohne weiteres von außen, beispielsweise durch mobile Aggregate des Technischen Hilfswerks, eingespeist werden. „Die neue Anlage bietet ein besonders hohes Maß an Sicherheit“, so Technikchef Meiners.

Die lebenswichtigen medizinischen Abteilungen seien darüber hinaus abgesichert, berichtet Dr. Eefje Barber, die das OP-Management im Pinneberger Krankenhaus leitet. Falls der Strom ausfalle, stünden den Ärzten weitere Hilfsmittel zur Verfügung. „Notfalls könnte ein Patient per Hand beatmet werden“, sagt sie. Gefäße zur Blutstillung könnten mit Fäden verschlossen werden. „Für den absoluten Krisenfall haben wir sogar Stirnlampen im OP gelagert“, so die OP-Sicherheitschefin. „Aber all dies kommt hier – und ich würde sagen deutschlandweit – glücklicherweise nicht zum Tragen.“ Stromnetze für so sensible Bereiche wie in Krankenhäusern seien heute umfassend abgesichert. So relevante Geräte wie hier im OP würden sofort über Batterien versorgt. „Da flackert bei einem Stromausfall allerhöchstens einmal kurz das Licht.“

Zu diesen besonders geschützten Bereichen gehöre nicht nur der OP-Trakt, erläutert der Ärztliche Direktor Dr. Hamid Mofid. Auch die Intensivstationen, Stroke-Units, Herzkatheter, Endoskopie, Radiologie und der Kreißsaal würden besonders geschützt sein. „Auch hier werden teils sehr kostenintensive Geräte betrieben, die Schaden nehmen können, wenn im laufenden Betrieb die Stromversorgung abbricht“, so der Chefarzt für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Denn für die heute die Patienten schonenden minimalinvasiven Eingriffe würden immer präzisere, hochtechnologische Medizingeräte zum Einsatz kommen. Insgesamt haben die Regio Kliniken 2,2 Millionen Euro in die neuen Systeme investiert.

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