Bilanz

Sparkassen-Kunden legen in der Krise mehr Geld zurück

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Fohrmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südholstein.

Andreas Fohrmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südholstein.

Foto: Sparkasse Holstein

Sparkasse Südholstein berichtet von deutlich gestiegener Sparquote. Wertpapiergeschäft gewinnt auch an Fahrt.

Kreis Pinneberg.  Das erste Corona-Jahr hat der Sparkasse Südholstein ein unverhofftes Wachstum beschert. Mit einer Bilanzsumme von 6,1 Milliarden Euro (plus 7,1 Prozent im Vergleich zu 2019) hat sie beinahe wieder den Rekordwert von 6,3 Milliarden Euro aus dem Jahr 2005 erreicht. Damals beschäftigte das Kreditinstitut allerdings noch 1241 Mitarbeiter und 134 Auszubildende in 49 Geschäftsstellen. Inzwischen sind es 833 Mitarbeiter und 63 Auszubildende in 28 Filialen, die mit Mitarbeitern besetzt sind.

Elf davon befinden sich noch im Kreis Pinneberg. Weitere sieben Filialen ohne Personal sind nur mit Geldautomaten und/oder Kontoauszugsdruckern bestückt. Zudem werden jeweils einmal in der Woche drei Dörfer mobil mit Sparkassen-Panzerwagen angefahren. Das sind Holm (Dunckers Gasthof, montags von 9 bis 11 Uhr), Ellerbek (Edeka Appel, montags von 13 bis 16 Uhr), und Brande-Hörnerkirchen (freitags in der Kirchenstraße/Steinstraße von 8 bis 12 Uhr).

Bei dieser Anzahl der Filialen solle es auch bleiben, versicherte Vorstandschef Andreas Fohrmann bei der jüngsten Bilanz-Konferenz. „Es gibt keinerlei Planung zu unserem Filialnetz. Wir sind mit unserer Struktur gut aufgestellt.“

Die zurzeit unsichere Wirtschaftslage hat die Sparquote nach oben getrieben. So sind die Kundeneinlagen von 4,4 auf rund 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Dabei sei das Wertpapiergeschäft bei der Sparkasse geradezu explodiert, so Vorstandschef Fohrmann.

Viele Kunden haben zu Beginn der Krise Aktien gekauft

Fast 300 Millionen Euro hätten die Kunden zusätzlich in ihre Depots investiert, die nun 1,1 Milliarden Euro umfassten. „Der Aktien-Umsatz ist sogar um 80 Prozent gestiegen“, so Fohrmann. Offenbar hätten viele Kunden den Kurseinbruch genutzt, der vor einem Jahr zu Beginn der Corona-Pandemie die Börse durchrüttelte, um dann zu einem Höhenflug anzusetzen.

Auch die Kredite sind um knapp fünf Prozent auf 4,7 Milliarden Euro gewachsen. „Wir haben 1100 Kunden mit insgesamt 224 Millionen Euro Hauskrediten geholfen, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen“, erklärt Fohrmann. Zudem konnte die Sparkasse weiteren 200 Kunden Immobilienkredite bei anderen Banken vermitteln.

Was einem Wachstum zum Vorjahr von 50 Prozent entspricht. Als eine der wenigen Kreditinstitute bietet die Sparkasse seit einigen Jahren ihren Kunden eine Vergleichsplattform an, auf der sie sich aus mehr als 100 Anbietern den für sie günstigsten oder attraktivsten Baufinanzier auswählen können.

Online-Geschäft und bargeldloser Zahlungsverkehr boomen

„Wir werden dieses Angebot jetzt auf Immobilienmakler ausweiten“, kündigt der Sparkassen-Chef an. „Dann können Kunden auf der Suche nach einem neuen Zuhause auf unserer Vergleichsplattform im Internet neben ihrer Traum-Baufinanzierung auch gleich ihre Traum-Immobilie finden.“ Diese Plattform, die den Namen S-Agent tragen soll, biete neben Lage, Alter und Preis auch Daten zur Umgebung der Immobilie, ihrem Lärmpegel, der Energieeffizienz und mache Angaben zu möglichen Strom- und Gas-Lieferanten.

Ohnehin boomen das Online-Geschäft und der bargeldlose Zahlungsverkehr. Mehr als 100.000 Kunden der Sparkasse – also knapp die Hälfte aller 220.000 Kunden und drei Viertel aller privaten Girokonten-Besitzer – wickelten ihre Bankgeschäfte nun über das Internet ab. Die meisten von ihnen nutzten dafür die Sparkassen-App auf Smartphone, Tablet oder Laptop.

Das bargeldlose Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte ist um ein Viertel auf insgesamt 13,2 Millionen Transaktionen gestiegen. Also jeder Kunde hat im Durchschnitt 60-mal im Jahr davon Gebrauch gemacht. Die Hälfte davon werde inzwischen kontaktlos durch Vorhalten der Karte oder des Smartphones erledigt. 370.000 telefonische Anfragen und 10.000 über das Internet erreichten die Mitarbeiter der Sparkasse, erläutert Vorstandschef Fohrmann.

Online-Beratung soll ausgebaut werden

Diese digitalen Zahlungsmöglichkeiten nutzten „alle Altersstufen“, so Fohrmann. Auch sein Vater gehöre dazu. „Es spart ihnen den Weg in die Filiale, macht sie zeitlich unabhängiger und ist damit für viele deutlich einfacher und bequemer in ihren Alltag zu integrieren.“ Die Online-Beratung solle deshalb weiter ausgebaut und auf alle Filialen übertragen werden. Dort würden die Berater künftig die Kunden zusätzlich zu persönlichen Gesprächen auch zu videogeführten Beratungsgesprächen einladen.

Unter dem Strich hat die Sparkasse Südholstein 39,6 Millionen Euro vor Steuern verdient, was knapp unter dem Vorjahresergebnis mit 40 Millionen Euro lag. Davon habe das Kreditinstitut elf Millionen Euro an Gewerbe- und Körperschaftssteuer an die beteiligten Gewährsträger-Kommunen – es sind Kreise Pinneberg und Segeberg sowie die Städte Uetersen und Neumünster – ausgeschüttet.

( bf )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg