Kreis Pinneberg

Quickborn will Tempo 30 auf der B 4 einführen

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Burkhard Fuchs
Die Quickborner CDU-Politiker Robert Hüneburg (r.) und Eike Kuhrcke auf der elf Meter breiten Kieler Straße, die im Berufsverkehr kaum sicher überquert werden kann.

Die Quickborner CDU-Politiker Robert Hüneburg (r.) und Eike Kuhrcke auf der elf Meter breiten Kieler Straße, die im Berufsverkehr kaum sicher überquert werden kann.

Foto: Burkhard Fuchs

Politik beschließt Verkehrsberuhigung auf von 16.000 Autos täglich befahrener Durchgangsstraße. Was außerdem geplant ist.

Quickborn.  Quickborns einstige Prachtstraße ist heute eine stark befahrene, fast autobahnartige Durchfahrtsstraße. Jetzt hat die Quickborner Politik erste Schritte beschlossen, um die elf Meter breite und vier Kilometer lange Kieler Straße mitten durch die Stadt zu beruhigen. Mit zunächst zwei Tempo-30-Zonen vor den Altentagesstätten im Norden und Süden und mindestens fünf zusätzlichen Verkehrsinseln als Querungshilfen soll die von täglich 16.000 Fahrzeugen befahrene Bundesstraße für Fußgänger und Anwohner sicherer gemacht werden. Auch eine Anzeigetafel, die die Autofahrer auf ihre Geschwindigkeit aufmerksam macht, wird angeschafft.

Als weitere Schritte sind eine Verengung der Straße und versetztes Parken sowie ein zweiter Radweg geplant. Bis dahin einen provisorischen Radweg auf einer Seite der Straße zu kennzeichnen, also eine sogenannte Pop-up-Bike-Lane einzurichten, wie es sie beispielsweise in zahlreichen Straßen Bremens gibt, ist im Gespräch.

Im Berufsverkehr unmöglich, die Straße zu überqueren

„Wir müssen endlich die Kieler Straße verkehrsberuhigter und sicherer für die Bürger machen“, sagt der CDU-Politiker Robert Hüneburg, der selbst an der Süderstraße lebt, die im Süden der Stadt in die B 4 einmündet. „Darum haben wir jetzt Maßnahmen vorgeschlagen, die schnell umzusetzen sind und einen möglichst großen Effekt haben.“ Dazu gehörten zusätzliche Querungshilfen und Tempo-30-Zonen vor den Senioreneinrichtungen. Da die Ampeln an manchen Stellen der innerstädtischen B 4 kilometerweit voneinander entfernt sind, sei es vor allem morgens und abends im Berufsverkehr fast unmöglich, auf jeden Fall aber lebensgefährlich, die Fahrbahn zu überqueren.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt stießen die Vorschläge auf weitgehende Zustimmung der anderen Fraktionen: Die Verwaltung hat bereits erste Schritte umgesetzt und sich mit der Verkehrsaufsicht in der Kreisverwaltung besprochen. „Wir müssen das jetzt noch mit der Polizei und dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr abstimmen“, kündigt Fachbereichsleiter Felix Thermann an. „Unser Ziel ist es auf jeden Fall, ein deutlich gedämpfteres Tempo-Niveau auf der Kieler Straße zu erreichen“, sagt er. Die ersten Mittelinseln sollten bereits in diesem Jahr geschaffen werden können, ist Thermann überzeugt. Die ermöglichen es Fußgängern, zunächst nur eine Fahrspur zu überqueren und im gesicherten Raum mitten auf der Straße abzuwarten und den Verkehr vorbeizulassen, um dann auch die zweite Fahrspur sicher überqueren zu können. Bei elf Metern Breite sei dies für viele Bürger sonst kaum möglich.

Warum das Land Bedenken haben könnte

Diese „Sprunginseln“, wie sie die CDU in ihren Anträgen nennt, könnten aus Sicht von Politiker Hüneburg in Höhe Gerberstraße, Wiesengrund, Bahnhofstraße, Süderstraße, Marienweg, Elisenhofstraße sowie Klingenberg/Feldstraße geschaffen werden. Wobei die Verwaltung fünf davon jetzt beim LBV beantragen möchte, wie Stadtplanerin Sabine Bönning vortrug. Eine Tempo-30-Zone vor der Tagespflegestation an der Süderstraße dürfte aus ihrer Sicht keine großen Probleme bereiten. Schließlich gibt es auch in Bönningstedt, sieben Kilometer südlich direkt auf derselben B 4, vor der dortigen Altentagesstätte und der Grundschule einen geschwindigkeitsreduzierten Bereich. Allerdings widerspreche die Straßenverkehrsordnung einer Tempo-30-Zone dort, wo eine Fußgängerampel steht, wie es am nördlichen Ortsausgang auf dem Schulweg Klingenberg/Feldstraße der Fall sei, so Sabine Bönning.

Doch Quickborn könnte sich dabei auf den damaligen Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) berufen, der 2014 mit einem Federstrich nach Anwohnerprotesten an der L 76 in Borstel-Hohenraden diese Bedenken vom Tisch wischte. Dort gibt es seitdem eine Tempo-30-Zone vor der Grundschule, die bis zur Fußgängerampel reicht. Und zwischen den beiden Ortsteilen gilt ähnlich wie auf der Rugenbergener Straße zwischen Bönningstedt und Ellerbek Tempo 50. Obwohl dort keine beidseitige Bebauung vorhanden ist, wie es die Straßenverkehrsordnung eigentlich vorsieht.

Menschen sollen sich wieder gern im Ort aufhalten

„Dafür werden wir politischen Druck brauchen, um das beim Landesbetrieb durchzusetzen“, ahnt Bürgermeister Thomas Köppl. Aber das „hohe Gefahrenpotenzial, das von der B 4 für den nichtmotorisierten Verkehr ausgeht“, sei ein gutes, überzeugendes Argument für geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen. „Wenn es zunächst auch nur kleine Schritte sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung sieht, dass wir es umsetzen.“

Hintergrund ist ein städtebauliches Gutachten aus dem vorigen Jahr, das zusätzliche Querungshilfen und Tempo-Beschränkungen sowie eingeschränkte Parkmöglichkeiten und sogar eine mehrfach verschwenkte Fahrbahn als Voraussetzung dafür beschrieb, dass die nun fast 200 Jahre alte Chaussee belebter und sicherer wird, damit sich die Menschen hier mitten im Ort auch gern aufhielten.

Abgeraten hat Bürgermeister Köppl der Quickborner Politik davon, extra Parkflächen für Lkw auszuweisen. „Das wird richtig teuer und geht in die Millionen“, warnte er. Auch ein generelles Lkw-Verbot auf der Kieler Straße zu erlassen, wie vom Gutachter vorgeschlagen, sei nicht möglich. Dafür könnte aber eine Countdown-Ampel auf dem Schulweg zur Mühlenberg-Grundschule aufgestellt werden, die die Sekunden bis zum Ende einer Grün- oder Rotphase herunterzählt. Solche Ampel stehen an mehreren Stellen in der Hamburger Innenstadt. Die Kosten dafür müsste Quickborn allerdings selbst tragen, so Köppl.

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